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LVS-Training im Vorkarwendel Suche und Rettung unterhalb der Hochplatte

Wer im Winter im Gelände unterwegs ist – egal ob Tourengeher, Freerider oder Schneeschuhwanderer – muss mit Lawinensuchgerät, Sonde und Schaufel ausgerüstet sein – und das Ganze auch bedienen können. Ein Kurs ist daher ein Muss, denn im Ernstfall geht es bei einem Lawinenunfall um Sekunden, wie bei einem LVS-Training im Vorkarwendel deutlich wurde.

Von: Elisabeth Tyroller

Stand: 01.02.2020

Suche und Rettung unterhalb der Hochplatte | Bild: BR; Elisabeth Tyroller

Das Lawinenverschütteten-Suchgerät, kurz LVS-Gerät, ist eingeschaltet. Dabei ist es wichtig, es nicht im Rucksack oder in der Hosentasche zu verstauen, sondern in der Halterung am Oberkörper, denn alles andere kann im Ernstfall weggerissen werden. Entscheidend ist auch der richtige Abstand vom Handy zum LVS-Gerät, sagt Bergführer Michael Schuh: So sollte das Handy beim Aufstieg vom LVS-Gerät mindestens 30 Zentimeter weit weg sein. Kommt es zu einem Lawinenunfall mit Suche, sind mindestens 50 Zentimeter Entfernung angeraten, sonst wird die Suche enorm gestört und man weder finden noch gefunden werden.

Wir sind in der Achensee-Region unterwegs Richtung Hochplatte. Auf der Falkenmoosalm wird geübt.

Wir sind in der Achensee-Region im Vorkarwendel auf der beliebten Skitour Richtung Hochplatte unterwegs. Die 1814 Meter hohe Hochplatte bietet ideales Skigelände mit schönen Grashänge und wenig Steinen. Erste Station ist die Falkenmoosalm, ungefähr auf halber Strecke. Hier befindet sich unsere Übungsfläche zum Suchen und Graben. Alle die dabei sind möchten lernen, wie man bei einem Lawinenabgang reagieren muss. Einer der Teilnehmer hat vor ein paar Jahren mit dem Eisklettern begonnen und festgestellt, dass, je schwieriger die Eisfälle werden, man umso mehr auch mit der Lawinengefahr in Kontakt kommt und es wichtig ist, das Gelände einschätzen zu können und zu wissen, wie man im Fall der Fälle reagieren und retten muss.

Wichtig: Das LVS-Gerät am Oberkörper tragen und auf „Senden“ stellen. Bergführer Michael Schuh überprüft.

Was ist als erstes zu tun? Bergführer Michael Schuh rät, unbedingt einen in der Gruppe als Chef zu bestimmen, der dann sagt, wo es langgeht und der den Überblick behält. Der Erfahrenste sollte die Suche machen, ein anderer den Notruf absetzen. Einer, der den Überblick hat. Alle, die nicht suchen, müssen ihre Geräte ausschalten. Und dann läuft die Zeit ...

Zeigt das Gerät 0,3 an, dann die Stelle markieren und sondieren.

Im Rahmen der Übung wird ein Gerät im Schnee versteck, das andere auf Empfang gestellt. Dann beginnt die Suche in Pfeilrichtung, wobei das Gerät mit ausgestrecktem Arm gehalten wird. Ab 10 Meter sollte man langsamer werden im Schritt und sich näher zur Schneeoberfläche beugen. Ab zwei Meter Nähe ist der Pfeil weg. Trotzdem sollte man in derselben Richtung ohne Abweichung weitergehen. Ist der Verschüttete geortet, heißt es: Stelle markieren und mit der Sonde senkrecht in den Boden stechen und spüren, ob sie auf Erde oder auf einen Verschütteten trifft. Dann heißt es Schaufeln. Einige Male graben, dann ist das Gerät gefunden. Im Ernstfall heißt das: Der Verschüttete wurde erfolgreich ausgegraben. Dann kommt die Bewusstseinskontrolle: Ansprechen und Zwicken, ob er reagiert, Atmung und Puls checken, Notruf absetzen.

Nach der Bergung muss der Gerettete warmgehalten werden. Die unterste Schicht: ein Biwak-Sack

Doch was tun, wenn es keinen Handy-Empfang gibt? Und wenn man nur zu zweit ist? Dann muss man den Geborgenen mitnehmen. Das hört sich einfach an, ist in der Realität allerdings eine Herausforderung. „Biwakschleife“ heißt die behelfsmäßige Rettung.  Dazu muss man im Rucksack einen Biwaksack, eine Rettungsdecke und Schnüre haben. Dann wird der Verletzte auf den Biwaksack gelegt und in die Rettungsdecke eingewickelt, und zwar mit der silbernen Seite zum Körper hin, und mit den Seilen wie ein Paket verschnürt. Fest geformte und unter den Biwaksack gelegte Schneebälle helfen die Schnürung zu fixieren. Doch spätestens nach dieser Übung hofft jeder im Ernstfall auf Handy-Empfang!


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