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LVS-Training am Kreuzeck bei Garmisch Suchtechniken und technisches Equipment als Überlebenschance

Immer mehr Wintersportler wollen sich informieren und für den Fall einer Lawine richtig ausrüsten. Zur Grundausstattung gehört auf jeden Fall das Lawinen-Verschütteten-Suchgerät, kurz LVS, eine Sonde und eine Schaufel.

Von: Angela Braun

Stand: 25.01.2019

Bergführer Sepp kniet im Schnee und demonstriert die Feinsuche | Bild: BR/Angela Braun

Es sind längst nicht nur Skitourengeher, die im Gelände unterwegs sind, sondern auch Schneeschuhwanderer oder Freerider, die abseits der Piste den Tiefschnee suchen. Sie alle begeben sich in Gefahr, denn wer im verschneiten Gebirge unterwegs ist, muss mit Lawinen rechnen. Immer mehr Wintersportler wollen sich informieren und richtig ausrüsten.

Zur Grundausstattung gehört auf jeden Fall das Lawinen-Verschütteten-Suchgerät, kurz LVS, eine Sonde und eine Schaufel. Damit muss jeder im Ernstfall umgehen können, und zwar nicht nur zur eigenen Sicherheit, sondern auch in Hinblick auf die anderen in der Gruppe, die mit auf Skitour sind.

Traumhaftes Wetter am Kreuzeckhaus

Die Sonne scheint, die Alpspitze ist tief verschneit, auf den Skipisten im Garmisch-Classic-Skigebiet herrscht Hochbetrieb. Bei strahlend blauem Himmel haben wir zunächst im Kreuzeckhaus zwei Stunden Theorie absolviert. Bergführer Sepp Hümmer zeigt uns LVS Geräte von verschiedenen Herstellern, die wir ausprobieren. Dann geht es endlich hinaus ins Gelände. Etwa 400 Meter unterhalb des Kreuzeckhauses stapfen wir abseits der Piste durch den Tiefschnee. Die Stimmung ist entspannt, wir sind zum Üben hier und haben einen Traumtag erwischt. 

Lucca, Patrick, Usuf, Max, Jan Philipp sind alle zwischen 25 und 30 Jahre alt. Auch Verena, die von Kanada nach Garmisch-Partenkirchen gezogen ist, möchte nicht ohne Lawinenkenntnisse ins Gelände.

Die Lawinensonde kommt neben der markierten Stelle zum Einsatz.

Wir versammeln uns bei den Rucksäcken, die Schaufeln liegen bereit, die Sonden werden zusammengesteckt. Immer wieder zieht eisiger Nebel in unsere Mulde, dann kämpft sich die Sonne wieder durch die Wolken.

Rucksackradio-Reporterin Angela Braun mit Bergführer Sepp Hümmer

Auf dem Übungsfeld der Bergschule „Die Bergführer“ kann Sepp Hümmer mit einer Fernbedienung mehrere Verschüttete simulieren. Er zeigt uns, wie die Grobsuche funktioniert und schickt uns in kleinen Gruppen auf das Schneefeld. Die meisten können die vergrabenen Geräte schnell orten. In 18 Minuten – früher war von 15 Minuten die Rede -  muss das Opfer gefunden werden, sonst sinken die Überlebenschancen rapide, betont Sepp Hümmer. Es muss also schnell gehen!

Die Feinsuche ist dann schon etwas zeitaufwendiger. Verena kniet im Schnee, hält ihr LVS-Gerät direkt auf die Schneedecke und zieht es kreuzförmig über einen Punkt.  Es piepst die ganze Zeit, was an den vielen Geräten liegt, die gerade im Einsatz sind. Ihre Digitalanzeige zeigt 1,3 dann 1,2 und 1,0 Meter, dann geht der Wert wieder in die Höhe – hier muss der Verschüttete liegen. Sie markiert mit einem Handschuh die Stelle mit dem niedrigsten Wert. Nun geht es ans Sondieren: Gut zweieinhalb Meter lang sind die Metallsonden, die wir in den Schnee stecken. Wer mit der Spitze auf eine etwa 40 mal 40 Zentimeter kleine Stahlplatte trifft, ist erfolgreich.

Schaufelformation bei mehreren Helfern

Richtig anstrengend wird es beim Schaufeln. Sepp zeigt uns, wo wir anfangen müssen. Zwei schaufeln direkt unterhalb der Fundstelle, die anderen schieben den Schnee nach außen. So kann die ganze Gruppe mithelfen. Bei einem Lawinenunglück ist es auch wichtig, dass einer/eine das Kommando übernimmt und die Aufgaben verteilt, sagt unser Bergführer.

Plötzlich taucht ein Gesicht auf – ein Puppengesicht, das hier tief unter der Schneedecke liegt – ein komisches Gefühl für uns. Thomas aus Erlangen sagt, wenn man die eingegrabene Puppe sieht, sei es schon schwierig, sich vorzustellen, dass man da selber unter dem Schnee liegen könnte. Lucca aus Berlin, der mit seiner Schwester Verena den Kurs macht, meint, es sei eine große Herausforderung, wenn man unter Panik und Stress funktionsfähig bleiben und sich die ganzen Schritte bewusst machen will. Sepp resümiert, dass ein LVS-Gerät allein nichts nützt. Man braucht dazu die Sonde und die Lawinenschaufel - und man muss vor allem damit umgehen können. Das funktioniert nur, wenn man immer wieder übt. Das geht zum Beispiel bei schlechtem Wetter auf der Hütte: Einer vergräbt ein Gerät - am besten in einer Schutzfolie gewickelt - die anderen suchen.

Die Hälfte der Gruppe hat den zweitägigen Kurs gebucht. Da werden Schnee und Hangkunde demonstriert, am nächsten Tag wird das Gelernte im Gelände umgesetzt. Das Fazit ist vierversprechend, denn alle, auch die erfahrenen Tourengeher haben dazugelernt, hatten Spaß am Training und sind sich der Verantwortung gegenüber einem Tourenfreund sehr bewusst.

Karte: Kreuzeck

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Kreuzeck


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