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Klaus Obermeyer wird 100 Ein Allgäuer Skipionier in Aspen

Jetzt ist sie wieder da – die Zeit der dicken warmen Jacken. Nicht wegzudenken aus der Winterbekleidung aller Art ist die Daunenjacke. Inzwischen ist sie nicht mehr so füllig dick, dass der Träger zu einem Michelin-Männchen wird, sondern schlank, federleicht und bullig warm. Populär gemacht hat den Daunen-Anorak vor rund 60 Jahren ein Allgäuer: Klaus Obermeyer aus Oberstaufen. Am 2. Dezember wird er 100 Jahre alt.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 30.11.2019

Die Idee dazu kam Klaus Obermeyer allerdings nicht im Zuge eines strengen Allgäuer Winters, sondern mitten in den eiskalten Rocky Mountains von Colorado - in seiner neuen Heimat Aspen, dem heutigen Nobelskiort der Movie-Stars aus Hollywood. Klaus Obermeyer, der übrigens auch die verspiegelte Ski-Sonnenbrille und die Ski-Stopper erfunden hat, wird am 2. Dezember, also nächsten Montag 100 Jahre alt.

Blick ins Tal bei Aspen

Obermeyer-Sportmoden sind heute eine Institution in Aspen und die Celebrities aus Hollywood ganz wild auf die chicen exklusiven Teile. Damals, 1947, kam Klaus Obermeyer als Skilehrer vom Allgäu nach Aspen. Friedl Pfeiffer, ein österreichischer Skirennläufer aus St. Anton, hatte ihn über den großen Teich geholt. Aspen war in Europa damals nahezu unbekannt. Es gab mehr Hunde als Menschen im Ort, schmunzelt Klaus Obermeyer. Das änderte sich, nachdem Klaus Obermeyer hier Ingrid Bergmann und Gary Cooper das Skifahren beigebracht hat.

Geht's hier nach New York

1947 wurden die ersten Skilifte am Aspen Mountain gebaut, im Gebiet der ehemaligen Silberminen: ein Einzel-Sessellift aus alten Minenteilen und ein Schlepplift am Little Nell. Aufgrund der eisigen Kälte fuhren die Skiläufer damals im dicken unförmigen Wintermantel den Berg hinauf und schickten ihn mit dem Lift wieder hinab. Und so begann Klaus Obermeyer nach etwas Warmem zu suchen, das man sowohl im Lift als auch bei der Abfahrt anziehen konnte. Sein Blick fiel auf das warme, aber leichte Daunenbett, das ihm seine Mutter nach Nordamerika mitgegeben hatte. Das zum schneeweißen Daunen-Anorak umfunktionierte Daunenbett erregte Aufsehen. Nun wollte jeder so etwas haben. Die erste Kollektion kam 1951 auf den Markt und bestand aus 75 blütenweißen Daunen-Anoraks, das Stück zu 75 Dollar. Sie gingen weg wie warme Semmeln und Klaus Obermeyer wurde in der Folgezeit zum „Willy Bogner von Amerika“. Den Bezug zu seiner alten Heimat, dem Allgäu, hat er aber nie verloren. Regelmäßig besucht er das Allgäu und genießt dann Brezen, Weißwürste, Bier und Bergkäse.

In Aspen

Ein Stück Bergkäse wäre auch die richtige Stärkung für die legendäre Highland-Bowl von Aspen – eine steile Tourenabfahrt, die auf Großglockner-Höhe startet und zu der man 300 Höhenmeter zu Fuß aufsteigen muss. Klaus Obermeyer, fit wie ein Turn-  oder besser gesagt – Skischuh, macht die Highland Bowl noch mindestens ein Mal pro Saison, denn um fit zu bleiben, darf man nie aufhören Sport zu betreiben und man benötigt eine Balance zwischen der geistigen und körperlichen Arbeit, sagt er. Dazu kommen noch eine große Portion Humor und gewitzte Allgäuer Sturheit. Und das Jodeln hat Klaus Obermeyer auch nicht verlernt ... Wir wünschen ihm, dass er weiterhin so fit bleibt und auch nach seinem 100. Geburtstag noch viele schöne Anlässe zum Jodeln hat!


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