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Neue DAV-Kampagne „Unsere Alpen“ Länderübergreifende Aktion für einen singulären Naturraum

Gemeinsam mit dem Südtiroler und dem Österreichischen Alpenverein hat der Deutsche Alpenverein am Dienstag die Kampagne „Unsere Alpen“ gestartet. Mit der Aktion soll deutlich gemacht werden, wie einzigartig, vielfältig und wertvoll die Alpen sind, aber auch, dass die letzte große Wildnis mitten in Europa bedroht ist - gerade durch den Ausbau von Skigebieten. Die Kampagne unter dem Motto „Die Alpen sind so schön. Noch! Es lohnt sich für sie zu kämpfen!“ soll voraussichtlich über einen Zeitraum von zwei Jahren laufen.

Von: Barbara Weiß

Stand: 07.12.2018

Alpen: Doppelgipfel der Seeköpfe | Bild: BR/Georg Bayerle

Drei Alpenvereine - ein Ziel. Mit der Kampagne „Unsere Alpen“ wollen die Alpenvereine Österreichs, Südtirols und Deutschlands dem Wettrüsten in den Alpen in Sachen Skigebiete gemeinsam etwas entgegensetzen, so Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein.

"Wir müssen diese Erschließungsflut, die droht, bekämpfen. Und der Klimawandel macht auch nicht an den Grenzen halt, also machen wir auch nicht an den Grenzen halt. Auch weil wir denken, dass wir so mehr Durchschlagskraft haben!"

Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein

Riedberger Horn

Auch wenn die Skischaukel am Riedberger Horn im Allgäu vorerst vom Tisch ist. Gleich über der Grenze in Tirol gibt es mehrere Projekte wie etwa im Tiroler Pitztal: Die geplante Superskischaukel hinüber ins benachbarte Ötztal würde aus beiden Pistenrevieren das größte Gletscherskigebiet Europas machen. Der DAV meint aber, nicht nur Naturschützer, auch viele Gäste wollten dieses skitouristische "Weiter-So" nicht mehr. Tobias Hipp vom DAV hat beobachtet, dass viele Gäste bezüglich neuer Erschließungen sehr kritisch geworden sind – egal ob in Südtirol, Tirol oder im Allgäu. „Wir haben super Skigebiete, aber wir denken: Die Grenzen sind erreicht, Natur muss ein Stück auch Natur bleiben“, fordert Tobias Hipp.

Der Boden der Malfonalm

In diesem Sinne hat auch das Wiener Bundesverwaltungsgericht am 30. November 2018 im Fall der Skischaukel im Malfontal zwischen St. Anton am Arlberg und Kappl im Paznauntal entschieden. Die Genehmigung für die geplante Verbindung der beiden Skigebiete wurde aufgehoben. Das Urteil ist ein historisches Ereignis für Tobias Hipp vom DAV, der jahrelang gegen das Projekt gekämpft hat, denn hier wurden nun die Interessen des Naturschutzes höher gewichtet als die des Tourismus.

"Ich war persönlich in der Verhandlung St. Anton/Kappl in Wien dabei. Das Urteil pro Natur gibt Auftrieb! Und es ist auch ein Signal für weitere Projekte und für unsere weitere Arbeit."

Tobias Hipp, DAV

Es ist ein Signal, das auch der Stimmung in der Bevölkerung Rechnung trägt - genauso wie die Entscheidung am Riedberger Horn, meinen die Naturschützer. Mehr als 20 Millionen Euro sollen im Allgäu jetzt statt in die Skischaukel in naturnahen Tourismus investiert werden. Der DAV will den im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Plan kritisch begleiten, sagt Thomas Bucher. Denn das Riedberger Horn könnte eine „Zukunftswerkstatt“ sein, ein Vorbild für viele andere Projekte in Bayern und darüber hinaus. Wichtig ist Steffen Reich vom Alpenverein bei der Umsetzung des Konzepts am Riedberger Horn vor allem, dass bestehende Angebote in das Konzept mit eingebaut und vernetzt werden unter Beteiligung der Bevölkerung und der Verbände vor Ort.

Skifahrer im Skigebiet Grasgehren

Genug ist genug! Laut einer Umfrage der Tiroler Zeitung geben 89 Prozent der Tiroler an, es gäbe bereits genug Pisten und Skigebiete in ihrer Heimat. Deshalb möchte der Österreichische Alpenverein mit der Kampagne „Unsere Alpen“ besonders die Konsequenzen eines geplanten Neuentwurfs des Tiroler Seilbahn- und Skigebiet-Programms bekannt machen. Im Kampf um den letzten Schnee und um Touristen sieht der Plan neue Möglichkeiten zur Erweiterung von Skigebieten vor, erklärt Rudi Erlacher, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins: „So dass es auch möglich wird, dort Talstationen zu bauen, wo gar keine Piste ins Tal geht. Man kann dann trotzdem auf den Berg hinauffahren und hat so eine Erweiterungsmöglichkeit. So kann man beispielsweise aus dem Inntal mit Pisten hinüber bis ins Zillertal kommen“ - durch bisher unberührte Natur. Erweiterungen durch bisher unberührte Naturräume gelte es zu verhindern.

Logo der Kampagne "Unsere Alpen"

„Unsere Alpen – So schön! Noch! Es lohnt sich für sie zu kämpfen!“ Unter diesem Motto wollen die Alpenvereine nicht nur ihre knapp zwei Millionen Mitglieder in Österreich, Südtirol und Deutschland auf die Bedrohung des Natur- und Kulturraums Alpen aufmerksam machen, sondern auch die breite Öffentlichkeit. In den sozialen Netzwerken wird unter #unserealpen gepostet. Die Kampagne ist im Netz auf der internationalen Website unsere-alpen.org verortet. Hier finden sich unter anderem Statements von vielen prominenten Bergsteigern und Kletterern wie Alexander Huber, Ines Papert, Alix von Melle und Bergfotograf Bernd Ritschel zum besagten Thema.


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