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Der Deutsche Wetterdienst und die Winterprognosen Immer weniger Schnee

Einmal hat er sich ja schon kräftig gemeldet in diesem Jahr, der Winter, vor allem auf der Alpensüdseite. Momentan aber wirkt er wieder etwas unentschlossen, so richtig Schnee liegt nicht in der Luft. Das Thema wiederholt sich seit Jahren und der Eindruck täuscht nicht:

Von: Georg Bayerle

Stand: 07.12.2019

Deutsche Wetterdienst und die Winterprognosen | Bild: BR; Georg Bayerle

Während sich in Madrid gerade die Welt mit dem globalen Klimawandel beschäftigt, bestätigen auch die langjährigen Messungen beim Deutschen Wetterdienst den Trend zu immer weniger Schnee - und der wird sich vermutlich fortsetzen, auch, wenn er den Wetterexperten selbst nicht gefällt

Die Schneegrenze zieht sich nach oben zurück

Gudrun Mühlbacher, ist extra wegen des Schnees an den Alpenrand gezogen. Ihr geht das Herz auf, wenn sie im Winter aus der Tür auf die weiße Pracht blickt. Mit ihrem Beruf als Klimaexpertin beim Deutschen Wetterdienst in München hat sie genau das Richtige getroffen – oder auch nicht, denn ihre Forschungsergebnisse aus den Messreihen klingen nicht so gut. Vor allem in mittleren und tiefen Lagen gibt es eine signifikante Abnahme der Schneedeckenzeiten von 8 bis 11 Tagen, und die maximale Schneehöhe ist in allen Lagen um bis zu 20 Zentimeter niedriger. 20 Zentimeter hören sich zunächst nach nicht so viel an, aber wenn die Schneedecke gerade in tieferen Lagen durchschnittlich nur 30 bis 50 Zentimeter dick ist, dann fallen 20 Zentimeter stark ins Gewicht.

Kristallbildung

Derzeit ist die Höhenlage über 1500 Meter noch relativ schneesicher, unterhalb von 1000 Metern aber wirkt sich die Temperaturänderung stärker aus. Die Verschiebung der Schneegrenze lässt sich grundsätzlich leicht berechnen: Um rund 1,5 Grad ist die Durchschnittstemperatur in den Bayerischen Alpen in den vergangenen 100 Jahren angestiegen - die Nullgradgrenze ist damit um rund 300 Höhenmeter nach oben geklettert. Die Folgen dieser Erwärmung hat der Wetterberater des Deutschen Wetterdienstes in München, Raik Schaab, besonders intensiv wahrgenommen.

Nach dem Schneefall tagelange Nordstaulage

Noch in den 1990er-Jahren gab es oft schon im November viel Schnee. Im Winter 2006/07 war die Verzweiflung aber so groß, dass er nach Norwegen gereist ist, um auf Schnee zu treffen. Ganz so schlimm ist es natürlich nicht, dass der Schnee nur noch im Exil im Norden anzutreffen wäre. Aber die Folgen des Rückgangs beim Schneefall sind inzwischen überall spürbar, auch weil gleichzeitig die Sommermonate trockener und wärmer werden. Gibt es weniger Schnee, verlieren die Alpen als Wasserspeicher zunehmend Gletscher. Damit verändert sich die Bergnatur.

Ohne Kunstschnee geht auf den Pisten fast gar nichts mehr

Gudrun Mühlbacher gehört zu einem internationalen Expertengremium, das auch die Skigebiete berät. Hier beruht die Antwort auf den Klimawandel bisher im massiven Ausbau der Kunstschneeanlagen. Aber auch diese technologische Anpassung betrachtet die Expertin kritisch. Weil sich die Wasser-Reservoirs nicht immer auffüllen lassen, sind Veränderungen in der künstlichen Beschneiung zwangsläufig. Insofern meint es das erste Dezemberdrittel in diesem Jahr mit Frosttemperaturen in der Nacht gut mit den Skigebieten, denn ab minus drei Grad können die Schneekanonen mit passablem Wirkungsgrad laufen. Aber aus den Analysen des Deutschen Wetterdiensts geht klar hervor, wohin die Reise geht. Gerade der Niederschlag gehört zu den größten Variablen im Wettergeschehen. Zwar wird es immer wieder kalte und schneereiche Winter geben, aber die Häufigkeit, dass es wärmer und verregneter wird, nimmt zu.

Jeden Tag aber sitzen die Schneeliebhaber beim Deutschen Wetterdienst wie Raik Schaab vor ihren Vorhersagemodellen und warten auf die legendäre Nordstaulage oder auf den Schub eines Adriatiefs, das sich über den Alpenhauptkamm bis in den Norden schraubt. Dann kann es – wie im Januar 2019 - auch bei uns einmal tagelang heftig schneien, was dann allerdings auch schnell wieder zu viel werden kann.

Eine ausführliche Sendung zum Thema Schnee gibt es am kommenden Freitag, 13. Dezember, um 9 Uhr in Bayern2 in der Sendung „radioWissen“.


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