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Wintersport versus Winterruhe der Wildtiere Neue Wildschutzzonen im Ammergebirge

Diesen Winter wird auf Grund der Corona-Pandemie erneut ein großer Ansturm von Skitourengehern, Langläufern und Schneeschuh- und Winterwanderern auf die bayerischen Berge erwartet. Die Ranger im Naturpark Nagelfluhkette sind schon jetzt sehr besorgt, da es bereits im letzten Winter auf dem Siplingerkopf und Riedberger Horn übervoll war. Aber auch im Naturpark Ammergauer Alpen bangt man sich um die Winterruhe der Wildtiere, wenn es Menschenmassen ins Gebirge zieht.

Von: Chris Baumann

Stand: 05.12.2020

Wintersport versus Winterruhe der Wildtiere | Bild: BR; Chris Baumann

Jäger, Tourismusverband, Deutscher Alpenverein und Wintersportler haben sich deshalb zusammengesetzt und mit neuen Wildschutzzonen noch strengere Maßnahmen vereinbart.

Die Wildschutzzonen mit absoluten Betretungsverbot umfassen die Gebiete am Aufacker und am Köpfen bei Unterammergau sowie das Hörnle bei Bad Kohlgrub. Gerade das Hörnle ist ein gefragter Skitourenberg und auch bei vielen Münchnern ein beliebtes Ziel. Deshalb wurde hier die so genannte „Hörnlerunde“ etabliert, sagt Michael Clever, der Vorstand des Skiclubs Bad Kohlgrub. Mit entsprechenden Hinweisschildern werden die Skitourengeher und Winterwanderer am Hörnle auf einen Rundkurs und vorbei an den Ruhezonen der Wildtiere gelenkt.

links hinter dem Zaun ist die „Rote Zone“, das Wildschutzgebiet am Altherrenweg in Oberammergau Richtung Aufacker

Die Wildschutzzonen sind aber nicht nur am Berg, sondern auch im Tal wichtig, betont der Naturparkkoordinator Klaus Pukall. Im Talbereich gibt es viele Rotwildfütterungen, und für diese Bereiche wurde nun ein Betretungsverbot erlassen. Das befürwortet auch der Jäger Martin Wallis aus Unterammergau, denn die ausgewiesenen Betretungsverbote verhindern, dass die Wildtiere im Winter aufgeschreckt werden und dann zu einer kräfteraubenden Flucht ansetzen. Auch bei den Wildfütterungen wäre eine Störung durch Mensch oder Hund fatal, weil das Rotwild die Wildfütterung dann schlagartig verlassen, sich in die Einstandsgebiete zurückziehen, dort dann den Baumbestand anknabbern und somit den Waldschutz gefährden würde.

Muss ein Reh oder Hirsch bei heruntergefahrenem Stoffwechsel flüchten, dann verbraucht das Tier dabei das Vier- bis Fünffache der normalen Energiemenge, und das in einer Zeit, in der es nur wenig Futter gibt. Das Rotwild beispielsweise senkt die Temperatur in den Beinen bis auf 18 Grad ab. Wenn es dann aufgeschreckt wird, muss es sozusagen mit kalten Füßen starten, was auch für ein Tier sehr schmerzhaft ist.

„Skitourengehen umweltfreundlich“ Schild mit „Wald-Wild-Schongebiet“ oberhalb von Unterammergau

Wer jetzt im Spätherbst und Frühwinter in den Ammergauer Bergen unterwegs ist, der sollte sich, so Naturpark-Rangerin Deniz Göcen, schon bevor er losgeht mit den möglichen Auswirkungen seiner Tour auf die Wildtiere beschäftigen und die Route sorgfältig auswählen. Auch bei noch so guter Vorbereitung kann es passieren, dass einem plötzlich ein Wildtier begegnet. Dann sollte man Ruhe bewahren und nicht näher herangehen, sondern dem Wild eine Rückzugsmöglichkeit lassen. Zwar gibt es kaum ein schöneres Erlebnis, als ein Wildtier in seinem angestammten Lebensraum zu sehen, doch noch besser ist es, ihm überhaupt nicht zu begegnen.

Zwar informieren die Naturpark-Ranger und Jäger über die Verbotszonen und stoßen bei den meisten Natur- und Outdoor-Freunden auch auf viel Verständnis, aber nicht bei allen, wie der Jäger Martin Wallis erlebt hat. Wo Schilder mit einer zeitlichen Verbotsbegrenzung von November bis Mitte April aufgestellt sind, kommt es immer wieder vor, dass uneinsichtige Menschen die Schilder zusammenklappen, so dass sie nicht mehr lesbar sind. Das ist als Sachbeschädigung zu werten, und wer das Betretungsverbot der Wildschutzgebiete nicht respektiert, kann ebenfalls belangt werden, sagt Jan Knopp vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen – mit Bußgeldern in Höhe von 300 bis 5000 Euro. Informationen zu den neuen Wildschutzzonen gibt es auf der Homepage der Ammergauer Alpen: www.naturpark-ammergauer-alpen.de


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