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Auf sagenhaften Spuren bei Aitrang im Ostallgäu Radeln zwischen Blauhösler und Krähberg-Drachen

Das Ostallgäu ist sagenhaft schön mit Löwenzahnwiesen, kleinen Hügeln, Badeseen und dem Blick auf die nahen Berge. Die Gegend zwischen Aitrang, Bidingen, Biessenhofen und Ruderatshofen ist zudem reich an Geschichte und Geschichten. Das beweist der „Sagenhafte Weg“, eine in vier gut miteinander kombinierbare Runden eingeteilte Radroute für die ganze Familie.

Von: Christoph Thoma

Stand: 28.06.2019

Radeln zwischen Blauhösler und Krähberg-Drachen | Bild: BR; Christoph Thoma

Bei den fünfzehn Kilometern rund um das Dorf Aitrang kommt es nicht so sehr auf körperliche Höchstleistungen an, sondern auf die Feen, Hexen, Kobolde und all die seltsamen Figuren, die man unterwegs so trifft: die „Geißzenz“, das „Geigerlein“, den „Blauhösler“ oder die „Krähberg-Drachen“. Das Symbol der Kleinen Hexe auf ihrem Reisigbesen sorgt zuverlässig dafür, dass man an Abzweigen nicht in die Irre fährt.

Aufbruch am Ulrichs-Brunnen in Aitrang

Wir starten am Ulrichs-Brunnen in Aitrang. Da ist gleich von der „Geißzenz“ die Rede, einer Weibsperson, die mit den stärksten Stieren fertig wurde: „Sie kannte keine Angst und brüstete sich damit, sie würde nachts nur mit einer Mistgabel bewaffnet über den Friedhof gehen.“

Der Bürgermeister von Aitrang, Jürgen Schweikart, ist ein leidenschaftlicher Radfahrer. Um seinen „Sagenhaften Weg“ kümmert er sich natürlich selbst. Die Radrouten auf den Spuren der zahlreichen Sagen und Legenden der vier Gemeinden sind ein Projekt der gesamten Verwaltungsgemeinschaft, gedacht für die eigenen Bürger und für die Feriengäste.

So gut wie kein Autoverkehr auf den Nebenstraßen

So geht es mit dem Rad zu ausgewiesenen Sagenplätzen, mit Einkehrmöglichkeiten und der Erklärung heimischer Sagengeschichten. Der Sagehafte Weg bei Aitrang verläuft auf oft asphaltierten Feldwegen und ist deshalb auch mit Tourenrad gut zu machen. 300 Höhenmeter sind in Summe zu bewältigen. Schon der erste Anstieg auf den Krähberg geht in die Waden. Unsere kleine Gruppe ist bunt gemischt. Auch ein E-Bike ist im Einsatz. In weichen Wellen führt die Route über frisch gemähte Wiesen, vorbei an Feldkreuzen und verstreuten Bauernhöfen. Wirklich „sagenhaft“ – sagenhaft schön!

Bei den Krähberg-Drachen

In grauer Vorzeit gab es nicht nur Riesendrachen, sondern auch kleine, nur katzengroße Drachen. Sie waren bösartig und dienten den Dämonen als Vollstrecker höllischer Befehle. Die „Krähberg-Drachen“ sollen sich beim Streit um eine arme Seele selber in die Haare respektive Schuppen gekommen sein …

Gespräche vor der Kirchentür – St. Alban ist ein Kleinod

Der Abstecher von Görwang zur Wallfahrtskirche St. Alban lohnt sich. Die Kastanien in der Allee haben Kerzen aufgesteckt und neigen sich zum Tunnel. Mesner Harald Propst erzählt von der Vergrößerung der mittelalterlichen Kirche um 1700. Kein Geringerer als der später berühmte Wessobrunner Baumeister Dominikus Zimmermann hat den Stuck für das Gotteshaus und damit sein Gesellenstück geliefert.

In der Einöde Königsberg trieb einst ein schalkhafter, aber gutmütiger Kobold sein Unwesen. Am liebsten hockte er im Kamin. Wenn die Bäuerin anfeuerte, rief sie: „Glei fuirats!“ Als sie dies jedoch einmal vergaß, versengte es dem Kobold den Hosenboden. Damit er nicht aus Verärgerung ihr Haus verließ, strickte die Bäuerin ihm aus blauem Garn ein winziges Höschen. Von der Zeit an war in der Gegend nur noch vom „Blauhösler“ die Rede.

Aber eine „Radler“ im Schatten tut jetzt allen gut

Im schattigen Wald von Münzenried stößt unser Schotterweg wieder auf Asphalt. Das Vogelkonzert ist gratis. Die rasante Abfahrt bis zum Waldrand kühlt. Hier stand einst die Burg Nebenried, und was wäre eine Burg so ganz ohne Burggeist: „Der Wald hier wird im Volksmund Hauren genannt. Und im Hauren spukte früher der Haurewaser, steinalt, mit langem Bart, angetan wie ein französischer Kürassier. Als letzter Herr des versunkenen Schlosses Nebenried soll er aus Geiz ganz allein gelebt haben, bis er schließlich einsam auf seiner Schatztruhe starb.“

Die Pfarrkirche St. Johannes-Baptist von Huttenwang

Eine gute Viertelstunde brauchen wir für den letzten Steilanstieg bis zum höchsten Punkt der Runde: Huttenwang mit einem der schönsten Dorfplätze im gesamten Allgäu und einem Bergpanorama vom Aggenstein bis zur Zugspitze. Der letzte Stopp erfolgt an der Kapelle der Heiligen Rosina in Wenglingen, 1679 erstmals urkundlich erwähnt. Es ist die einzige Kapelle für die mittelalterliche Märtyrerin in der Diözese Augsburg - und das ist nun keine Sage, sondern die pure Wahrheit.

Karten und Informationen zum „Sagenhaften Weg“ gibt es unter: www.aitrang.de und www.landkreis-ostallgäu.de

Karte: Aitrang, Bidingen, Biessenhofen, Ruderatshofen

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Karte: Aitrang, Bidingen, Biessenhofen, Ruderatshofen


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