9

Wilder Bike-Boom versus DAV-Kampagne „Respekt“ Konfliktthema Mountainbike

Der Bergsport boomt in praktisch allen Bereichen. Das ist einerseits eine schöne Entwicklung, aber sie zieht andererseits auch Probleme und Konflikte nach sich. Das Konfliktthema dieses Sommers könnte das Mountainbiken werden.

Von: Georg Bayerle

Stand: 12.05.2018

Wilder Bike-Boom versus DAV-Kampagne "Respekt" | Bild: BR; Georg Bayerle

800.000 Mountainbikes werden jährlich in Deutschland verkauft, davon bereits 100.000 Elektro-Mountainbikes. An die 600.000 Alpenvereinsmitglieder fahren Mountainbike, also die Hälfte der DAV-Mitglieder. Aus diesem Grund hat der Deutsche Alpenverein den Bergsport Mountainbike zu dem Thema des Jahres gemacht.

In rasantem Tempo hat sich der Mountainbike-Sport verändert: Abfahrten durch wildes Gelände, alpine Gipfeltouren, Nachtfahrten mit Halogen-Stirnlampe sind gefragt. Es geht nicht darum, dass mittlerweile an schönen Wochenendtagen bis zu 500 Bergradler zum Karwendelhaus unterwegs sind, sagt die Teamleiterin im Naturpark Karwendel, Sina Hölscher, sondern um das wilde Biken. Buchstäblich überfahren vom Bike-Boom wurden auch die alpinen Verbände, während Tourismusorte die neue Nachfrage erst recht anheizen. An einigen Orten gibt es mittlerweile hauptamtliche Wegepfleger, die Schäden und Erosionsspuren ausbessern. Norman Bielig vom Mountainbike-Lehrteam des DAV will in diesem Punkt auch die Mountainbiker selbst in die Pflicht nehmen.

„Respekt“ ist das Leitmotiv der Kampagne, mit der der Alpenverein die gegenseitige Rücksichtnahme auf den Wegen fördern will, denn neue Infrastrukturen im Gebirge sollen möglichst vermieden werden. Nicht nur die Tourismusdestinationen sind da weit weniger sensibel, sondern auch viele Biker, die, wie so häufig in den sozialen Medien, die vermeintlich coolsten Runs umgehend posten.

In den Alpenländern und sogar zwischen Bayern und Baden-Württemberg unterscheiden sich im Übrigen die gesetzlichen Bestimmungen, auf welchen Wegen überhaupt Mountainbiker fahren dürfen. Sina Hölscher geht mit ihrem Team vom Naturpark Karwendel auf Festivals und betreibt Aufklärung im Gelände. Zudem stellt sich die Frage, ob Mountainbikes angesichts der technischen Weiterentwicklung überhaupt noch Fahrräder oder nicht schon längst Motorräder sind? Müsste der DAV angesichts dieser Entwicklung also nicht ähnlich wie beim Klettern eine Art „Rotpunkt“-Philosophie vertreten, einen Bike-Bergsport ohne technische Hilfsmittel wie eben den Elektromotor am Rad? Roland Stierle, Vizepräsident des DAV meint, dass man zumindest darüber diskutieren muss.

Der DAV betrachtet das Mountainbiken als neue alpine Kernsportart und will deshalb zusammen mit dem Bayerischen Umweltministerium in Modellgebieten, vergleichbar dem Projekt „Skibergsteigen Umweltfreundlich“, Nutzungspläne entwickeln und geeignete Wege und Berge kennzeichnen. In der Schweiz dagegen soll ab diesem Sommer Heli-Biking angeboten werden: Die Biker werden auf Berggipfel geflogen, um dann auf Wanderwegen ins Tal zu brettern. Das Thema „Respekt“ wird gerade auch unter dem Gesichtspunkt „Respekt vor der Natur“ eine zentrale Rolle spielen in diesem Sommer.


9