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Unterwegs im Dreiländereck der Julischen Voralpen Radtour ohne Grenzen bei Kranjska Gora

Das Dreiländereck der Julischen Voralpen südlich von Villach kennen viele nur von der Durchfahrt auf der Südautobahn Richtung Venedig oder durch den Karawankentunnel an die kroatische Adria. Kärnten, Slowenien und Friaul grenzen hier unmittelbar aneinander – ein Resultat der Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg. Gerade solche Regionen machen besonders bewusst, was es heißt, ohne Grenzen unterwegs sein zu können, zum Beispiel auf einer Radtour zwischen Jesenice und Tarvisio.

Von: Georg Bayerle

Stand: 23.05.2020

Unterwegs im Dreiländereck der Julischen Voralpen | Bild: BR; Georg Bayerle

Dem sportlichen Ehrgeiz sind hier keine Grenzen gesetzt: Der Wurzenpass oder der Vrsic eignen sich aufgrund ihrer Steilheit bestens, um auch trainierten Radfahrern den Zahn zu ziehen. Um sich ins Mosaik dieses Dreiländerecks einzufühlen, ist jedoch der gemütliche Alpe-Adria-Radweg, der im Tal auf eigener Trasse verläuft, ideal. Hier sind wir auf einer aufgelassenen Bahntrasse unterwegs, erklärt mir Radguide Dragan vom örtlichen Radverleih von Sattel zu Sattel, während wir gemütlich dahintreten. Es war die in K&K-Zeiten angelegte Bahn, die den Eisenindustrie-Standort Jesenice mit Tarvisio verbunden hat.  1967 wurde die Trasse stillgelegt und dann mit EU-Mitteln zum grenzüberschreitenden Alpe-Adria-Radweg umgebaut, der fernab der Straße durch unbeeinträchtigte Natur führt.

Viel Verkehr auf dem Radweg

Leute wie der junge Radtourenführer Dragan gehören zu einer Generation, die im vereinigten Europa aufgewachsen ist und mit den neuen Möglichkeiten wie eben dem sanften Radtourismus in diesem alpinen Gebirgsmosaik ihren Lebensunterhalt verdient: Wir radeln durch das obere Save-Tal auf der Südseite der Karawanken und entlang der Kulisse der wild zerfurchten Nordseite der Julischen Alpen auf der anderen Talseite. Auf den in Slowenien Kozolec genannten Harpfen trocknet das Heu, der Geruch von Holzfeuern liegt in der Luft. Von Mojstrana oder Kranjska Gora führen die Wege in den Triglav-Nationalpark zwischen dem slowenischen Nationalgipfel und dem bulligen Felsmassiv des Mangart.

Die Grenze

Land und Landschaft sind hier außerordentlich vielfältig. Nur ein paar Kilometer liegen zwischen deutschem, italienischem und slowenischem Sprachgebiet, in den Tälern dazwischen wie dem italienischen Val Resia sprechen sie zudem noch ganz eigene Dialekte und haben eigene Traditionen. Die Europäische Union ist hier mit zahlreichen Förderprojekten aktiv, die im Sinne der Alpenkonvention die lokale Bevölkerung mit ihren speziellen Kulturschöpfungen unterstützen. Im slowenischen Grenzort Ratece, hat Tina Berloga auf einem Tisch Schüsseln, Küchenwerkzeug, gekochte Kartoffeln, eingelegte Birnen und Schweinsgrieben hergerichtet. Sie macht die Krapi, Kartoffelteigkrapfen, die wahlweise mit Hüttenkäse oder mit Birnen und Grieben gefüllt werden Die alten Rezepten werden mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Auch diese Kochkultur wird speziell gefördert: Klemen Klinar leitet das Projekt „Alpine Foodways“ in der Region und verrät, dass durch die extreme Geographie von den Menschen hier die Lebensmittel und Zutaten immer besonders bewusst genutzt wurden. So geht es nicht nur darum, raffinierte und seltene Rezepte zu erhalten, sondern gleichzeitig auch um den Stil dieser Regionalküche. Die rezeptkundigen Frauen sollen sie an Restaurants weitergeben und so eine Esskultur fördern, die mit kurzen Transportwegen auskommt und sich aus lokalen Quellen speist.

Ankunft in Tarvisio

Gut, dass es hinter Ratece nur noch bergab geht, wenn man so eine Portion Krapi begleitet von einem slowenischen Weißwein intus hat! An einer unscheinbaren Stelle stehen Grenzschilder. Ein Radler macht Fotos, er ist auf dem Weg nach Tarvisio und fährt dann zurück nach Kranjska Gora.- eine einfache Tour; man fährt ab und zu mal über die Grenze, merkt aber keine Veränderung. Diese Errungenschaft in der einst durch Kriege und Nationalitäten bitter getrennten Region wird jetzt erst wieder so richtig bewusst, wenn durch eine Viruspandemie die Grenzbalken von neuem geschlossen sind. Die unglaubliche Vielfalt auf kleinstem Raum ist ein ungeheurer Reichtum, doch erst durch den Austausch wird das richtig fruchtbar. Wenn die Grenzen offen sind, dann lassen sich hier im Umkreis von 40 Kilometern spannende Welten entdecken im Dreiländereck der Julischen Voralpen.

Karte: Kranjska Gora

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Karte: Kranjska Gora


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