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Meersalz, Stare und der weltbeste Haferbrei in Südschweden Eine Radtour auf dem Kattegattleden

Helsingborg liegt in Schweden, an der Südwestküste gegenüber von Helsingör in Dänemark. In Helsingborg beginnt der Radweg am Kattegat, der auf Schwedisch „Kattegattleden“ heißt und der erste nationale Radweg Schwedens ist, weshalb die Route auch die Nummer „1“ bekommen hat.

Von: Petra Martin

Stand: 31.08.2019

Meersalz, Stare und der weltbeste Haferbrei in Südschweden | Bild: BR; Petra Martin

Der Kattegattleden führt an der Westküste Schwedens entlang bis nach Göteborg und ist fast 400 Kilometer lang. Kattegat heißt übrigens „Katzenloch“ und bezeichnet die Nordsee zwischen dem dänischen Jütland und Westschweden.

Blick auf Helsingborg

Ein seltsames Geräusch lässt mich anhalten, obwohl ich gerade erst losgeradelt bin. Ich blicke zum Himmel – und der ist schwarz. Unzählige Stare sammeln sich hier, um bald nach Süden zu ziehen ins Winterquartier. Begleitet von den Staren, die in wilden Flugmanövern über mich hinwegflattern, setze ich meine Radtour fort nach Höganäs, einige Kilometer nördlich von meinem Startpunkt in Helsingborg. Links ist das silbrig-graue Meer, große Schiffe ziehen langsam vorbei, auf der anderen Seite liegt Dänemark.  Die Orientierung ist einfach: Wer wie ich nach Norden will, hat das Meer immer links, und dazu gibt es auch noch die roten Schilder mit der weißen „1“. Seit 2016 ist der Kattegattleden als erste nationale Radroute in Schweden zertifiziert. Er eignet sich für sportliche Fahrer ebenso wie für Familien. Wer nur Abschnitte fahren möchte, kann zwischendurch auch in den Zug einsteigen.

Große laute Wellen an der Nordsee

Im Süden des Kattegattleden ist die Landschaft von freien Feldern mit Hügeln und Landwirtschaft geprägt. Im Norden, im Bohuslän, beginnen die Schären und es gibt viele kleine Inseln und Fischerdörfer. Weil das Meer nah ist, riecht es nach Salz und Algen. Nach Höganäs führt der Radweg windgeschützt durch einen dichten Kiefernwald. Es duftet intensiv nach erdigem Waldboden und Kiefernharz. Am nächsten Tag geht es dann wieder am Meer entlang. Große grüngraue Wellen brechen sich schon weit draußen mit weißen Schaumkronen. Der Wind kommt mir direkt entgegen, ich muss richtig kräftig in die Pedale treten, um vorwärts zu kommen – echtes Nordsee-Feeling! Auf einer alten Bahntrasse rollt es dann wieder wie von selbst, der Weg ist breit, es gibt weder krasse Steigungen noch enge Kurven, dafür Zeit für eine Mittagspause in Halmstad bei Ralf Tebay, einem Rheinländer, der seit 20 Jahren hier als Landwirt einen Hofladen betreibt. Anfangs wurde er von der Landbevölkerung kritisch beäugt, mittlerweile hat er viele Stammkunden. Eine deftige Brotzeit gibt mir Energie für die zweite Radetappe an diesem Tag. Sie führt nach Steninge, nur noch 25 Kilometer, die zum Teil wieder direkt am Meer entlangführen. Hinter einem Hügel höre ich es schon rauschen, der Wind hat sich zum Glück gelegt.

Haferbrei-Weltmeister Per mit Catarina

In Steninge erreiche ich das Vandrarhem von Catarina und Per - ein Hostel direkt an der Küste. Mit einer Engelsgeduld rührt Per den weltbesten Haferbrei in einem großen Topf. Die ganz feinen Haferflocken hat er schon über Nacht in Wasser eingeweicht. Per rührt heute seinen bereits 93. Haferbrei, der auf Schwedisch „gröt“ genannt wird. Beim Kochen, sagt er, muss man sich Zeit lassen, etwa 25 Minuten oder länger, und immer umrühren und etwas Wasser dazu geben, so als ob man Risotto machen würde, dann entsteht ein cremiger Haferbrei. Das Salz gibt Per erst ganz zum Schluss dazu. Immer neue Varianten fallen ihm und Catarina ein, zum Beispiel „creme brulee-gröt“, also Haferbrei mit Karamellkruste. 2017 gewann Per in der “Speciality class” bei der Haferbrei-Weltmeisterschaft in Schottland. Es war übrigens das erste Mal in 25 Jahren, dass ein Schwede den Preis bekam. 2018 hat er dann auch in der Klassischen Kategorie abgeräumt und ist jetzt also amtierender Meister in der Zubereitung von Haferbrei. Es schmeckt tatsächlich vorzüglich: weich, aber nicht pampig. Ich gebe ein paar Preiselbeeren, Mandeln und Honig dazu, genieße den weltmeisterlichen „gröt“ und bin gestärkt für meine letzte Etappe auf dem Kattegattleden.

Karte: Helsingborg

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Karte: Helsingborg

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