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Sommer, Seen und Schären-Inseln in Schweden Eine Radtour in Östergötland

Schweden im Sommer - das heißt lange, helle Tage und viel Natur. Auch wenn Finnland als das Land der 1000 Seen bezeichnet wird, Schweden muss sich in dieser Hinsicht nicht verstecken. In den Wäldern glitzern unzählige Seen – große wie der Vätternsee mit über 300 Kilometern Umfang und winzige Lacken. In der waldreichen Region von Malexander in Östergötland, liegen zum Beispiel acht Seen im Umkreis von nur eineinhalb Kilometern. Da gibt es gar keine Möglichkeit, NICHT an einem See vorbeizukommen – ideal für schwimmfreudige Radsportler.

Von: Petra Martin

Stand: 22.06.2019

Sommer, Seen und Schären-Inseln in Schweden | Bild: BR; Petra Martin

Die Gegend um Malexander, in der Mitte zwischen Göteborg und Stockholm, ist noch immer sehr dünn besiedelt. Die Namen der meisten Orte enden auf „–bo“, das heißt “Leben”, oder auf „–hult“, ein Begriff für ein sehr kleines Haus. Daraus lässt sich ableiten, dass hier einst viele arme Leute gelebt haben. Das wertvollste Gut ist nach wie vor der Wald.

Die Straßen sind nicht geteert

Bis heute ist nur die Hauptstraße geteert, alle anderen Straßen sind Schotter- und Waldwege. Marianne und ihr Lebensgefährte Bengt-Göran haben hier an die 300 Kilometer Rad- und Wanderrouten im Wald erkundet und mit farbigen Holzlatten markiert. Da ist für jeden was dabei. Ich entscheide mich für eine „geschichtliche“ Tour, die mich von dem ehemaligen Pfarrhof, der jetzt das Hotel Sommarhagen ist, vorbei an der alten Schule zu einem Bauernhof führt. Heute ist hier ein Museum untergebracht. Es heißt Björnön, also „Bäreninsel“, obwohl es hier keine Bären gibt.

Die alten Bauernhöfe sind sehr malerisch

Mit Karte und Brotzeit gut ausgestattet, schwinge ich mich auf das Rad, das ich im Hotel ausgeliehen habe und mache mich auf den Weg. Vier Seen soll ich sehen, die geschotterte Straße führt geradewegs in den Wald. An einer Weggabelung sehe ich auch schon die erste Holzlatte mit Farbmarkierung – eine gute Orientierungshilfe. Dann komme ich an dem alten Schulhaus vorbei - es ist ein typisches dunkelrotes Schwedenhäuschen mit weißen Fensterrahmen. Nach der Lichtung führt die Schotterstraße wieder in den Wald hinein. Die Kiefern und Birken bilden ein grünes Dach, es duftet herrlich harzig in der warmen Sommerluft. Bald kommen die Sonnenstrahlen wieder besser durch das dichte Grün, es folgt eine weitere Lichtung mit einem alten Bauernhof. mit niedrigem Torbogen. Wie schon beim Schulhaus, ist auch hier alles im dunkelroten Schwedenholz gehalten, nur die Fensterrahmen sind weiß, so wie bei Michl in Lönneberga. Der alte Hof gehört dem örtlichen Heimatverein, manchmal ist auch jemand da, der eine Führung anbietet, heute aber nicht, deshalb muss ein Blick durch die Fenster genügen. Man sieht einen Webstuhl, einen weiß verputzten Kachelofen sowie alte Balken und Stühle.

Blüten für Bienen und Hummeln

Im hohen Gras rund um den Hof summt und brummt es. Auf den bunten Blüten landen Hummeln, Bienen und Schmetterlinge, manchmal machen sie es sich zu dritt bequem. Nektarpause für sie, Brotzeit für uns. Hier ist Schweden wie man es sich vorstellt und aus den Kinderbüchern und Filmen von Astrid Lindgren kennt. Es sieht oft aus wie in Bullerbü. Links und rechts der Schotterstraße stehen rote Holzhäuser und Scheunen, dann wird aus der Lichtung wieder dichter Wald. Es geht leicht bergab und hinter einer Kurve leuchtet es plötzlich tiefblau leuchten: es ist der See, von dem Marianne erzählt hat. Ein Stück weiter kommt man zu einem Platz, wo einst Sommerschlösser der reichen Stockholmer standen.

Hier muss man einfach schwimmen gehen

Am nächsten See halte ich Ausschau nach einer Badestelle. Das Ufer ist mit Schilf und Gebüsch gesäumt und außer mir niemand unterwegs. Ich entdecke eine schilffreie Stelle mit Steg. Wenn das keine Einladung zum Schwimmen ist! Das Wasser ist mit 23 Grad erstaunlich warm. Vom blauen Himmel strahlt die schwedische Sommersonne und trocknet nach dem Bad meine Haut. Einfach in einem See baden, das erlaubt das schwedische Jedermannsrecht: Man darf die Natur nutzen, aber keinen Müll hinterlassen - eigentlich selbstverständlich! Auf dem Rückweg mache ich noch einen Halt an dem See, an dem ich bei der Hinfahrt nur vorbeigeradelt bin. Mitten im Wald liegt die Wasseroberfläche dunkelblau und glatt. Die Bäume und die kleinen weißen Wattebauschwolken spiegeln sich im See. Nur meine eigenen Wellen kräuseln die Wasseroberfläche, ansonsten herrscht friedliche Ruhe.

Weiter Informationen gibt es unter www.sommarhagen.se

Karte: Östergötland

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Karte: Östergötland

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