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Mit dem Mountainbike vom Tuxer- zum Pfitscherjoch Eine hochalpine Zweitagestour nur für Geübte

Zwischen Gletscher und Gondel, zwischen Natur und Verbauung: es ist eine Tour der Kontraste, die mit dem Mountainbike in zwei Tagen zweimal über den Alpenhauptkamm führt - über das beliebte, 2338 Meter hochgelegene Tuxerjoch geht es ins ursprüngliche Schmirntal und über den Brenner hinauf zum einsamen Pfitscherjoch.

Von: Elisabeth Tyroller

Stand: 30.08.2018

Mit dem Mountainbike eine hochalpine Zweitagestour nur für Geübte | Bild: BR; Elisabeth Tyroller

Am ersten Tag führt die Tour von Finkenberg im Zillertal nach Padaun im Schmirntal. Verschlossene Hotels und riesige Werbetafeln säumen den Weg von Finkenberg nach Hintertux. Winterskiorte im Sommer haben etwas Eigenartiges, auch wenn das Tuxer Gletscherskigebiet das ganze Jahr geöffnet hat. Immerhin stehen im Hochsommer neben den Wanderern vereinzelt auch Skifahrer an den Bushaltestellen am Straßenrand.  

Von Finkenberg gehts auf Asphalt nach Tux

Acht Kilometer und knapp 900 Höhenmeter sind es vom Ort Hintertux zum Tuxerjochhaus. In angenehmer Steigung geht es nach oben. Die Spuren des Winters sind am Berg allerdings nicht zu übersehen: Gondel- und Liftbauten blitzen in der Morgensonne am Berg, riesige Lawinenverbauungen stehen Spalier auf den letzten Höhenmetern zur Hütte.

365 Tage Skibetrieb heißt, dass auch bei sommerlichen Temperaturen Skifahrer in den Gondeln unterwegs sind

Es ist schwer vorstellbar, dass das Tuxerjochhaus vor über 100 Jahren in eine unberührte Landschaft gebaut worden ist, und zwar vom Opa von Franz Hotter, der hier oben Wirt in der vierten Generation ist. „Zwischen 1908 und 1910 haben sie sie gebaut, von der Schmirner Seite haben sie das Baumaterial alles hochgetragen. Da hat es noch nix mit Hubschrauber gegeben“, erzählt er. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Hütte vom österreichischen Touristenklub gekauft, seitdem haben sie die Hotters in Pacht.

Zwischen 1908 und 1910 wurde die Hütte gebaut, damals in wirklich noch unberührter Natur

Einen Tourentipp hat Franz Hotter, der nicht nur Wirt sondern auch Bergführer ist, gleich parat: die Hohenspitze hinterm Haus, in einer knappen Stunde zu machen. Oben sind zwei Seillängen zum Klettern im dritten Schwierigkeitsgrad, dann steht dem gigantischen Ausblick auf den Tuxer Hauptkamm nichts mehr im Wege. Wir verlassen nun das Skigebiet und blicken am Gipfelkreuz vom Tuxerjoch noch einmal zurück ins Skigebiet und auf den Speichersee. Dann geht es weiter ins Schmirntal und hinein in unberührte Natur. Ein ausgewaschener und schwieriger Trail führt vorbei an einer Kuhherde hinab ins Tal. Das Glockengebimmel scheint uns anfeuern zu wollen, trotzdem heißt es auf dieser Strecke oft schieben.

Der Weiler Padaun gehört auch zu den Bergsteigerdörfern und ist ideal zum Übernachten auf der Zwei-Tagestour

Unten im Tal dann das Kontrastprogramm zu Hintertux: die Bergsteigerdörfer Vals,  St. Jodok und Padaun. Keine Werbetafeln am Rand, keine Skilifte an den Hängen - es scheint, als wäre hier die Zeit stehengeblieben. Unsere Tagesetappe endet nach 46 Kilometern und rund 1900 Höhenmetern im kleinen Weiler Padaun, der idyllisch auf einem Hochplateau liegt. Martina Wolf führt mit ihrem Mann in sechster Generation den Gasthof Steckholzer. Seit 1313 steht er auf dem Platz. und weil der Weiler zu den sogenannten Bergsteigerdörfern gehört, haben die Gastbetriebe die Möglichkeit zu überleben, ganz ohne Liftanlagen und riesige Hotelbauten.

Am nächsten Morgen verlassen wir die Einsamkeit von Padaun und peilen den Brenner an. Für ein kurzes Stück reihen wir uns neben Autobahn und Zugschienen ein, doch schon kurz nach der Grenze geht es beim Schild „Wolf – Al Lupo“ hinauf zum Flatschjöchl. Die ersten Höhenmeter begleitet uns noch der Lärm der Brennerautobahn, doch schon bald taucht man in die Stille der steinigen und kargen Landschaft ein. Keine Menschenseele ist hier unterwegs. Nach zweieinhalb Stunden Bergaufradeln belohnt ein herrlicher Ausblick ins Pfitschtal die Mühen.

Die Grubenkopfhütte ist leider nur zum Rasten und nicht zum Einkehren

Auf einem perfekten Trail geht es nun hinab zur Grubenkopfhütte und über die Dörfer St. Jakob und Stein weiter in Richtung Pfitscherjoch. Dort wartet der zweite Anstieg mit 750 Höhenmetern und zehn Kilometern bis zum Joch hinauf. Das 2246 Meter hohe Joch bildet die Grenze zwischen Südtirol und Tirol, das Pfitscherjochhaus liegt noch auf der italienischen Seite. Neben dem Cappuccino gibt es gleich noch einen Tourentipp von Einheimischen: die Rotbachlspitze, ein Berg aus rotem Gestein und einer Quelle, der Rotbachlquelle. Das Wasser soll angeblich rot und so eisenhaltig sein, dass es ungenießbar ist. Überprüfen können wir den Tipp nicht, aber wir wissen, dass dieses Gebiet für besondere Steine bekannt ist. Das letzte Wegstück zum Pfitscherjochhaus fährt man tatsächlich auf hell funkelnden Steinen. Früher wurden hier Edelsteine abgebaut, mittlerweile ist es aber verboten.

Auf einem herrlichen Platten-Trail gehts Richtung Tal

Langsam geht nun die Sonne unter und vor uns liegt noch ein letzter Trail, der uns zurück ins Zillertal führt. Die Abfahrt auf großen Steinplatten ist ein Genuss, wenn auch zwischendurch ein wenig knifflig, aber insgesamt ziemlich perfekt zum Fahren. Noch 20 Kilometer, dann sind wir wieder zurück in Finkenberg am Ausgangspunkt der anspruchsvollen Zweitagestour mit 4000 Höhenmetern und 120 Kilometer Länge.

Karte: Tuxer- und Pfitscherjoch

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Tuxer- und Pfitscherjoch


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