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Per Mountainbike von Ischgl zum Iseo-See Auf Transalp mit rüstigen Bayerwaldlern

Die Ortsgruppe Cham der DAV-Sektion Regensburg überquert die Alpen schon seit Jahren mit Muskelkraft und Mountainbikes. Ein E-Bike kommt für die Bayerwaldler dabei überhaupt nicht in Frage. Heuer steht die Jubiläumstour an, die 20. Unser Kollege Stefan Maier durfte letzten Sommer als einer von acht Teilnehmern bei der Transalp Nummer 19 mitradeln.

Von: Stefan Maier

Stand: 05.07.2019

Radeln über die Alpen ist immer noch etwas Besonderes. Vor allem dann, wenn man eine Tour selbst ausarbeitet und navigiert, wenn man alles im eigenen Rucksack dabeihat und auch in hochalpine Regionen vordringt – und alles ohne professionellen Anbieter, ohne Gepäcktransport, auf steilen Wegen und mit langen Tragestrecken. Die Ortsgruppe Cham der DAV-Sektion Regensburg überquert die Alpen schon seit Jahren auf diese Weise mit Muskelkraft und Mountainbikes. Ein E-Bike kommt für die Bayerwaldler dabei überhaupt nicht in Frage. Heuer steht die Jubiläumstour an, die 20. Unser Kollege Stefan Maier durfte letzten Sommer als einer von acht Teilnehmern bei der Transalp Nummer 19 mitradeln.

Auf zum Fimberpass

„Gscheide Leid, guade Kameraden sind eigentlich das Wichtigste!“ sagt Hans Grüneissl und erhält Beifall. Der Vorsitzende der DAV-Ortsgruppe Cham hat zum 19. Mal eine Transalp ans Ziel gebracht: von Ischgl in Tirol zum Lago d‘Iseo in der Lombardei. In unseren Beinen stecken fast 300 Kilometer und 9000 Höhenmeter. Die ersten vier Tage war es sonnig, die letzten beiden hat es geregnet. Wir sind patschnass, als wir am endlich am See stehen. Die Regenjacke, die einen auf dem Fahrrad trocken hält, muss erst noch erfunden werden. Bikeschuhe, Handschuhe, Helm - alles schwimmt. Trocken ist nur der Humor.

Herbert, Rentner aus Regensburg, ist schon zum achten Mal dabei und die Route - wie immer bei den Chamern - genial und voller landschaftlicher Highlights. Von Ischgl treten wir rauf zur Heidelberger Hütte und vorbei an den Wunden, die der Skibetrieb in die Landschaft gerissen hat. Dann heißt es: Schieben und Tragen bis auf 2600 Meter hinauf -, genau das richtige für Fritz, den Banker, und Robert, den Postler. Sein Highlight ist der Fimberpass und der Trail hinab nach Sent im Unterengadin. Am nächsten Tag geht es hinauf in die Sesvenna durch die grandiose Uina-Schlucht. Der Weg ist in den Berg gesprengt, links feuchte Felswände, rechts der Abgrund. Hier muss man schieben, die Schweizer sagen „stossen“. Dann: Verschnaufen auf der Sesvennahütte, Nachmittags-Spaghetti in Glurns im Vinschgau, Zähne zusammenbeißen und auf der Stilfserjoch-Straße noch bis Trafoi hoch biken.

Durch die Uina-Schlucht vom Engadin nach Südtirol

Die Alpencrosser kennen sich seit Jahren. Im Winter gehen sie Skitouren, im Sommer wandern oder radeln sie, oft am Arber und im Bayerischen Wald, aber auch gerne grenzüberschreitend in Tschechien, etwa am Cerchov. Sie sind großartige und gesellige Kameraden, haben mich, den Großstädter, sofort aufgenommen und ins Herz geschlossen. Die Abende, mal in Talquartieren, mal auf Hütten, sind lang und lustig. Herberts Abendgarderobe: Ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Unterschätze nie einen alten Mann mit Mountain Bike“.

Unser höchster Punkt am dritten Tourentag ist die 2793 Meter hohe Bocchetta di Pedenoletto in der Ortlergruppe. Auf der Scharte werfen wir Schneebälle. Dann folgen die berühmt-berüchtigten Dynamite Trails: alte Nachschubwege mit endlosen Kehren aus dem Ersten Weltkrieg, als hier Italiener und Österreicher in einem grausamen Gebirgskrieg aufeinander geschossen haben. Unsere Ausrüstung ist leicht und auf das Nötigste reduziert. Regenklamotten, Handschuhe, aufsteckbarer Spritzschutz, Kabelbinder und Notreparaturmittel sind unverzichtbar.

Die acht Bayerwaldler sind erfahrene Transalpler

Nach den Ortlerbergen durchqueren wir das Veltlin und müssen über zwei harte Straßenpässe. Bei sengender Sonne strampeln wir 1200 Höhenmeter auf den Passo del Mortirolo, über den erst kürzlich der Giro d‘Italia geführt hat. Am vorletzten Tag geht es in die Bergamasker Berge und wir quälen uns im Dauerregen 1000 Höhenmeter auf den Passo del Vivione. Das Wildgulasch auf dem Rifugio vergessen wir, denn am nächsten Tag bei der Abfahrt zum Lago d‘Iseo, immer noch im Regen, haben vier von uns acht Durchfall. Gut, dass Organisator Hans Grüneissl am Schluss immer einen Rasttag einplant, auch damit man die Gemeinschaft noch etwas genießen kann. Im Hotel am Iseo-See sperren wir die Bikes in die Garage, trocknen unsere Klamotten, essen Pizza – die einen mehr, die Magenkranken noch etwas verhalten.

Ankunft am Lago d'Iseo

Am Rasttag sind zum Glück alle wieder fit. Mit dem Schiff und ohne Fahrräder besuchen wir Monte Isola, mit 9 Kilometer Uferlinie eine der größten Inseln in einem europäischen Binnensee. Hier hat der Verpackungskünstler Christo 2016 seine gelben Floating Piers über den See gespannt. Doch das ist Geschichte, genauso wie die Transalp Nummer 19 der Ortsgruppe Cham. Dieses Jahr Ende August startet die 20. Tour - bei hoffentlich besserem Wetter! Die Route steht, Hans Grüneissl hat die Quartiere schon reserviert, genauso wie den Bike-Shuttle zurück zum Ausgangspunkt. Wie immer war auch die Jubiläumstour schnell ausgebucht. Sie wird noch einmal zum Lago d’Iseo führen, einem eher unbekannten Transalp-Ziel. Lasst die anderen ruhig zum Gardasee radeln - echte Bayerwald-Mountainbiker brauchen keine Hot Spots!

Karte: Lago d'Iseo

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Lago d'Iseo


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