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Auf königlichen Schaftriften in West-Spanien Mountainbike-Tour in der Extremadura

Der Begriff „Vielfältigkeit“ beschreibt die Extremadura sehr gut. Die Region in West-Spanien, wo Störche und Kraniche überwintern, hat den Namen von den 800 Jahre währenden Kämpfen zwischen Mauren und Christen. Von den hoch gelegenen Gebirgsregionen der Sierra de Gata zu den Dehesas, den riesigen Weideflächen entlang der Stauseen, führen uralte königliche Wege, die Cañadas Reales, die nicht bebaut und nicht zerstört werden dürfen.

Von: Christoph Thoma

Stand: 05.10.2019

Unterwegs auf königlichen Schaftriften in West-Spanien | Bild: BR; Christoph Thoma

Doch diese Schaftriften, die festgelegten Routen der Transhumanz, werden immer weniger genutzt, und so gibt es jetzt ganz neu die Möglichkeit, die Extremadura mit ihren Vogelparadiesen, mittelalterlichen Städtchen und Olivenhainen auf gut fahrbaren Schäferpfaden mit dem Mountainbike zu erkunden.

Pizarro im Nebel

Cáceres erlebte seine Glanzzeit während der Herrschaft der Katholischen Könige. Die Provinz spielte eine große Rolle bei der Eroberung der neuen Welt. Franzisco Pizarro zum Beispiel stammt aus dem kleinen Ort Trujillo. Die Autonome Region Extremadura stößt im Norden an Kastilien und Leon, im Süden an Andalusien und im Westen an Portugal. Die Via de la Plata, die berühmte „Silberstraße“, ist eine der wichtigsten Pilgerrouten nach Santiago de Compostela.

Am Weg eine Aussichtskanzel

Überraschend ist die Tatsache, dass die Extremadura einerseits durchaus bergig ist und es viel Wasser gibt., vor allem Stauseen, die zu Vogelparadiesen geworden sind. Schafe und Vögel beherrschen das dünn besiedelte Land. Die Großtrappe ist der Charaktervogel der weit ausgedehnten, steppenartigen Meseta aus Schiefer und Granit. Große Haziendas, aber auch breite Korridore für die Schaftrift bestimmen das Bild. Die Landschaft ist ein wahrer Naturschatz und weitgehend menschenleer. Nur 27 Einwohner pro Quadratkilometer gibt es in der Extremadura. Die ungewohnte, hörbare Stille wird nur von heiseren Vogelschreien geteilt.

Ein wichtiges Zeichen

Kleine Schilder auf Granitsäulen verweisen darauf, dass die „Cañadas Reales“ unter dem Schutz des Gesetzes stehen. Die Buchstaben „VP“ stehen für Transhumanz. Die Cañadas sind die längsten und breitesten spanischen Triftwege. Sie wurden im Mittelalter mit speziellen königlichen Privilegien geschützt und spielten eine wichtige Rolle für die spanische Wollwirtschaft. Aufgrund ihrer ökologischen Bedeutung wurde ihr Schutz 1995 in modernes spanisches Recht übernommen. Radfahren hier passt ins Konzept. So eine Schaftrift, mit königlichem Siegel verbrieft, ist etwa fünfzehn Meter breit, in der Mitte verläuft meist ein mit dem Mountainbike gut zu passierender Feldweg. Einst zogen im Herbst die Schäfer mit Hunderten und Tausenden von Tieren aus den Bergen in die tiefer gelegenen Ebenen, wo Schnee selten ist und es immer Futter gibt. Im Frühjahr führte die Transhumanz zurück in die Hochlagen:

Dirk und Eduardo im Hochsitz

Wir sind mittlerweile gut fünfzehn Kilometer von Cáceres entfernt. Unser Transhumanz-Korridor schlängelt sich zwischen den Feldern der Bauern hindurch. Wir erreichen die Staatsstraße, queren sie kurz und sind wieder auf einsamer Route unterwegs. Auf der Schotterpiste werden wir rasch schneller, weil uns ein laut kläffender, gefährlich aussehender Hund begleitet. Aber offensichtlich beißen bellende Hunde tatsächlich nicht! Unsere Runde endet auch in Cáceres, in einem der schönsten mittelalterlichen Städtchen der Extremadura. Wir könnten aber durchaus noch weiter auf „Cañadas Reales“ radeln, zum Beispiel bis nach Badajoz am Rio Guadiana, ein Städtchen an der Grenze zu Portugal. Der letzte Stopp vor dem späten Mittagessen -typisch spanisch - ist noch einmal der Vogelbeobachtung gewidmet. Wir steigen in eine Art „Hochsitz“ hinauf und haben freien Blick über eine Weidefläche so groß wie hundert Fußballfelder. Nach dem späten Mittagessen lohnt es sich, Cáceres zu besuchen und zu besichtigen. Der mittelalterliche Stadtkern mit mehreren massiven Toren, die Kathedrale und die festungsartigen Häuser gehört komplett zum Weltkulturerbe der UNESCO.   

Vogelschutz groß geschrieben

Die alten Routen der Schaftrift sind heute für Tourenbiker ausgewiesen und markiert. Informationen zum Thema Biken und Transhumanz gibt es beim Spanischen Fremdenverkehrsamt und direkt vor Ort unter: www.stadtlandextremadura.de 

Karte: Cáceres

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Cáceres


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