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Ladinische Loipen und Legenden Langlaufen in Alta Badia

Die Südtiroler Wintersport-Destination „Abtei“ hat nichts mit einem Kloster zu tun. Besser bekannt ist Abtei als „Badia“ und das „Val Badia“ bezeichnet das Gadertal zwischen St. Lorenzen und Corvara. Noch bekannter ist das Skigebiet „Alta Badia“. Badia ist ein ladinischer Name, und überhaupt ist diese Region ladinisch geprägt. Die Einheimischen sprechen gleich drei Sprachen: Deutsch, Italienisch und eben Ladinisch - und sie lieben Sagen und Legenden. Auch wer in Alta Badia in den Loipen unterwegs ist, kommt an den ladinischen Legenden nicht vorbei.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 11.01.2019

Ladinische Loipen und Legenden | Bild: BR; Bernd-Uwe Gutknecht

„Bon di“, also einen guten Tag wünscht Michil Costa. Er ist überzeugter Ladiner sowie Hotelier, Wein-und Zigarren-Liebhaber. Gleich nach dem Frühstück erzählt er mir die Legende von der Königin Dolasilla.

Ladinische Loipen und Legenden | Bild: BR; Bernd-Uwe Gutknecht

Michil Costa ist ein überzeugter Ladiner, Hotelier, Impresario und Geschichtenerzähler

Sie war bildschön, blitzgescheit und tapfer und hatte magische, treffsichere Pfeile. Dolasilla besiegte im Bündnis mit den Murmeltieren jeden Feind in Blitzesschnelle. Dann schickt mich Michil in die Loipe zu Maria Canins, die auch eine siegreiche Prinzessin und Legende ist. Sie war Weltmeisterin im Langlauf, Rennradfahren, Mountainbiken und Wintertriathlon! Mit ihr erkunde ich einen Teil der 25 Kilometer langen Loipe zwischen Saré und Armentarola. Das Panorama ist großartig und reicht vom Valparolapass und Settsass im Osten über die Conturines-Spitzen bis zum Peitlerkofel im Nordwesten.

In seinem Restaurant „Stüa dla La“ kocht Andrea Irsara ladinische Spezialitäten

Auch das Gelände ist Legende! Zu Mittag kehren wir bei Andrea Irsara ein, einem ladinischen Spitzenkoch in Badia. Sein Restaurant heißt „Stüa dla La“, was so viel wie „Omas Stube“ bedeutet. Schließlich hat die Oma in dieser Stube die Familie großgezogen und hier bis zuletzt gelebt. Natürlich greift Andrea auf Rezepte seiner Oma zurück und somit auf eine authentische und ehrliche Küche, zum Beispiel gibt es Schlutzkrapfen mit Spinat und Zwiebeln gefüllt und mit Käse bestreut.

Die Hochebene ist umgeben von beeindruckenden Bergen wie den Cunturines

Bevor es dann wieder gut gestärkt in die Loipe geht, erzählt Michil die Legende von Dolasilla weiter. So nahm der Zauberer Spina de Mul durch eine List Dolasilla ihre unfehlbaren Pfeile ab, verteilte sie an die Gegner, die mit den unfehlbaren Pfeilen auf Dolasilla schießen und sie töten. Die Königin und die befreundeten Murmeltiere ziehen sich in die unterirdischen Gänge der Fanes zurück. Doch der König, der mit dem Zauberer paktiert und Dolasilla getötet hat, erstarrt zu Stein und ist noch heute als „fausto rego“, als falscher König, oben am Falzarego-Pass zu sehen ...

Umrahmt ist das Langlaufgebiet von Gipfeln wie Peitlerkofel, Setsas oder Valparola

Nach einem Langlauftag mit legendären Loipen und Geschichten wartet am Abend eine große Portion ladinischer Spezialitäten im Maso Runch bei Enrico Nagler: Turtres, gesalzene Teigfladen gefüllt mit Quark, Sauerkraut und Kartoffeln sowie die Cajincis arstis, Krapfen aus Hefeteig, gefüllt mit Spinat und Quark. Da Fleisch früher unerschwinglich war, wurden die Speisen aus dem zubereitet, was es am Hof immer gab: Mehl, Butter, Quark, Eier, Milch, Kraut und Spinat. Doch das ladinische Arme-Leute-Essen von einst hat sich längst zu einer Spezialitätenküche gemausert.

Alta Badia


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