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Routenschrauber in Kletterhallen Der Künstler, Kletterer und Mathematiker Julius Kerscher

Klettern an künstlichen Wänden ist sehr populär und ist ein gutes Training für Körper und Geist. Für abwechslungsreiche und vor allem sichere künstliche Routen sorgen in den Kletterhallen Routenschrauber. Das ist nicht nur ein Handwerk, sondern in gewissem Sinne auch eine Kunst.

Von: Bernhard Ziegler

Stand: 21.11.2019

Routenschrauber Julius Kerscher testet eine seiner Routen | Bild: BR/Bernhard Ziegler

Immer mehr Menschen in Bayern zieht es in die Kletterhallen. Klettern an künstlichen Wänden ist derzeit sehr populär und auch ideal in der kalten Jahreszeit. Es macht zudem richtig Spaß und ist ein gutes Training für Körper und Geist. Für kreative, abwechslungsreiche, interessante und vor allem sichere künstliche Routen sorgen in den Kletterhallen die sogenannten Routenschrauber - und das ist nicht nur ein Handwerk, sondern in gewissem Sinne auch eine Kunst.

Rucksackradio-Reporter Bernhard Ziegler im Gespräch mit Julius Kerscher

Julius Kerscher ist der vielleicht bekannteste Routenschrauber in Bayern. Der 37-Jährige hat viele Talente: Er ist studierter Mathematiker, dazu Künstler, er hat für das BR Fernsehen den legendären Kletterer Hans Dülfer gespielt und er ist nicht zuletzt selbst ein hervorragender Bergsteiger und Kletterer. Das Thema seiner Diplomarbeit lautete „Ordnungen algebraischer Zahlkörper und ihre lokale Konstruktion“, und dieses Thema ist nicht nur in einigen seiner Gemälde wiederzufinden, sondern wohl auch in den Kletterrouten.

Klettern ist für Julius eine kreative Sache – wie auch die Mathematik und die Kunst. In der Halle eine Route zu schrauben gleicht einem ähnlich kreativen Prozess als hätte man als Maler ein weißes Blatt Papier vor sich. Die Ideen für den Routenbau holt sich Julius Kerscher zum einen draußen in der Natur, wo der Fels einen komplexen Bewegungsablauf vorgibt und dann oft Vorbild für eine künstliche Route in der Halle wird. Eins zu eins will Kerscher die Natur aber nicht abbilden. Nicht nur die Natur, auch das Material, also die Klettergriffe selbst, können durchaus inspirierend sein für einen Routenschrauber. So entstehen Ideen auch durch Material, Farbe und Form, sagt Julius Kerscher.

Zwei wichtige Kriterien gibt es aber immer: Erstens müssen die Routen sicher sein und zweitens möchten die Routenbauer in der Kletterhalle die ganze Palette des Kletterns abbilden. Mal braucht es vor allem Finger- oder Armkraft, mal ist Technik gefragt oder gar ein gewisses Tänzeln an der Wand - und oft gibt es auch eine Kombination aus verschiedenen Charakteristika.

Verschiedene Materialien für Klettergriffe

Julius Kerscher ist übrigens nicht nur Routenschrauber, sondern auch Designer von Klettergriffen. Zu seinen neuesten Kreationen gehören die sogenannten Herzgriffe. Auch hier war die Natur wieder Vorbild. Beim Wandern im Wilden Kaiser ist Julius Kerscher nämlich über einen herzförmigen Stein gestolpert - und schon war die Idee geboren. Vielleicht ist dieser Herzgriff auch ein Symbol für Julius Kerscher selbst, denn man spürt einfach, dass der sympathische Münchner für das, was er macht, brennt, dass Leidenschaft und Herzblut dahinterstecken.


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