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Mit Kind und Kegel auf den Piz Boè in der Sella Eine Zehnjährige und ihr erster Dreitausender

Mit Kindern in die Berge – das erfordert am Anfang, wenn sie noch kleiner sind, viel Geduld und Verständnis. Da heißt es, die eigenen Ansprüche herunterzuschrauben.

Von: Manfred Wöll

Stand: 03.08.2018

Mit Kind und Kegel auf den Piz Boè in der Sella | Bild: BR; Manfred Wöll

Viel wichtiger als Gipfel sind dann Steinmanderl bauen, Zweige in einen Bergsee werfen oder Brotzeit machen. Aber wenn man in dieser Lebensphase alles richtig gemacht hat und das Kind größer wird, dann bleibt vielleicht das Interesse am Gebirge erhalten, wie bei meiner Tochter Emilia.

Im Alter von zehn Jahren hat sie eines Tages gefragt, ob sie auch mal mit auf einen Dreitausender gehen darf. Sie durfte! Ziel war der Piz Boé in der Sella, ein stattlicher Dreitausender mit Hütte auf dem Gipfel. Von der Pordoipass-Straße aus könnte man einen Teil der gut 900 Höhenmeter per Seilbahn zurücklegen, aber das kam natürlich nicht in Frage.

Erstes Zwischenziel ist die Hütte an der Pordoischarte

Nach einer kurzen Stärkung an der Pordoihütte geht es hinauf auf das Sella-Plateau. Emilia ist gut drauf, unternehmungslustig, anstrengungswillig und sehr aufmerksam. Sie vergleicht die Steinwüste des Sella-Plateaus mit einer Mondlandschaft. Sind die Markierungspunkte auf den Felsen nicht mehr zu sehen, helfen Markierungsstangen weiter. Emilia freut sich auf die Kraxelpassagen, die ich ihr versprochen habe und schon kommen auch die ersten Drahtseile in Sicht.

Kinder lieben so kleine Kraxeleinlagen

Der Fels ist griffig, immer wieder hangeln wir uns über harmlose und kaum ausgesetzte Felsbrocken nach oben. Die Zehnjährige ist begeistert. Dass wir mit Hunderten Gleichgesinnten unterwegs sind, stört sie auf jeden Fall weniger als mich. Auf den letzten Metern ist die kleine Gipfelstürmerin nicht mehr zu bremsen – gleich steht sie auf dem Gipfel ihres ersten Dreitausenders!

Der Piz Boé - großes Bergerlebnis nicht nur für die jungen Bergsteiger

Die Rundumsicht ist prächtig. Die Geislerspitzen und die Königin der Dolomiten, die Marmolada, ziehen den Blick auf sich. Und am allerschönsten war es, als die Tagesgäste nach und nach die Hüttenterrasse der Capanna Piz Fassa verließen. Emilia und ich übernachteten auf der Hütte, auf der es nur 23 Schlafplätze gibt. Der Sonnenuntergang gehörte uns, die Nacht in einer Hütte auf über 3000 Metern rundete ein großartiges Bergerlebnis ab. Die Besteigung des Piz Boé war für Emilia ein gelungenes Abenteuer. Sie hat es sich vielleicht noch etwas anspruchsvoller vorgestellt. Doch - da waren wir uns später einig - das gefährlichste der zweitägigen Bergtour war die steile Holzleiter ins Hochbett. Da war schon ein bisschen Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich ...

Karte: Der Piz Boè

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Karte: Der Piz Boè


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