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Unterwegs am Tegelberg in den Ammergauer Alpen Klettersteige mit Kindern

Mit dem Nachwuchs auf den Klettersteig: Viele Familien wünschen sich das. Denn Klettersteige versprechen Bergerlebnisse mit kalkulierbarem Risiko. Doch ganz so einfach ist es nicht: Denn wer Kindern und Jugendlichen bei einer Begehung helfen will, sollte eine ganze Menge beachten oder besser: wissen.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 04.08.2022

Unterwegs am Tegelberg in den Ammergauer Alpen  | Bild: BR; Kilian Neuwert

Bergführer Thomas Hafenmair unternimmt regelmäßig Klettersteigtouren mit Familien. Besonders gern dort, wo er sich gut auskennt: Am Tegelberg in den Ammergauer Alpen. Dort hat er mehrere Klettersteige gebaut und jüngst auch eine Familie aus seinem Heimatort begleitet. Mit dabei: Die Eltern Thomas und Claudia und ihre beiden elf und 14 Jahre alten Töchter Michaela und Anna. Der Bergführer will ihnen zeigen, wie man Kinder in den Bergen sichern kann. Nicht nur am Klettersteig, sondern auch, wenn der Berg mal steiler wird.

Letzte Vorbereitungen und Absprachen, dann geht es los

Für die beiden Mädchen gehört das Berggehen in den heimischen Ammergauer oder Allgäuer Alpen dazu. Sie sind gewissermaßen in eine bergbegeisterte Familie hinein geboren. Am Tegelberg – dem Ziel der Gruppe – gibt es gleich mehrere Klettersteige. Der Steig, den Thomas Hafenmair heute gehen will, ist nicht unbedingt für Familien ausgelegt. Hafenmair aber traut ihn seinen Gästen zu. Zumal sie dort einiges lernen können.

Problem: Kinder oft zu leicht für Klettersteigsysteme

Oft ist Thomas Hafenmair hier auch mit Familien unterwegs.

Grundsätzlich sollten sich auch Kinder am Klettersteig mit Klettersteigsets aktueller Bauart sichern: So ein Set, das in den Klettergurt gefädelt wird, besteht aus zwei elastischen Lastarmen mit Karabinern und einem Falldämpfer. Beide Karabiner werden ins Drahtseil eingehängt. Der Falldämpfer soll bei einem Sturz aufreißen und diesen so bremsen. Kinder jedoch sind oft zu leicht für die Systeme – was insbesondere im senkrechten Gelände heikel werden kann. Bergführer Hafenmair erklärt: „Beim Sturz in der Senkrechten haben wir das Problem, dass Annas Klettersteigset sich bei 40 Kilo auslöst. Aber: Sie ist noch keine 40 Kilo schwer und somit ist das bei ihr ein komplett statischer Sturz. Die tut sich dann weh. Deswegen sichern wir sie hinterher wie beim Klettern, also immer auf Zug.“

Thomas Hafenmair sichert Anna an einer senkrechten Passage nach. Mit einem kurzen Seil und einem Sicherungsgerät. Beides hat er eigens dafür dabei. Bergsportartikelhersteller haben für diesen Zweck inzwischen spezielle Produkte entworfen. Sie sind so leicht zu handhaben, dass Eltern keine Experten sein müssen, was Sicherungstechnik angeht.

Eltern sollten immer in Reichweite bleiben

Vater Thomas mit Tochter Michaela im Tegelbergsteig.

Für Anna und ihre Schwester Michaela hat Thomas aber noch etwas Anderes im Gepäck: Eine kurze vernähte Bandschlinge samt Karabiner. Die Schlinge wird neben dem Klettersteigset in die Anseilschlaufe des Gurtes gefädelt. Mit ihr können sich die Kinder zwischendurch einhängen und rasten – und zwar so, dass das Stahlseil für sie in Reichweite bleibt. In Reichweite sollten auch stets die Eltern sein, mahnt Bergführer Thomas Hafenmair. Statt wie normalerweise auf Abstände zu achten, die der Sicherheit dienen, falls jemand stürzt, sollten Eltern die Kinder betreuen können. „Wenn wir jetzt hier mit Kindern unterwegs sind, dann müssen wir unbedingt dicht bei dicht. Das heißt, jedes Pärchen ist in einem Segment. Weil sonst kannst du nicht handeln und reagieren. Du musst ja umhängen helfen. Da löst sich das auf mit den großen Abständen.“

Dabei gilt es die Kinder nicht zu überfordern, sagt Hafenmair. Ohnehin tun sie sich manchmal schwer, Trittstifte oder Sicherungen zu erreichen, weil sie kleiner sind. Das Gelände müsse passen, rät der Bergführer. Das Risiko sich bei einem Sturz im Klettersteig schwer zu verletzen, ist hoch, weil der Körper auf den Fels prallt. Die moderne Ausrüstung verhindert in erster Linie einen Absturz, bläut auch Thomas seinen Gästen ein.

Anna und ihre Schwester Michaela beherzigen die Ratschläge. Bis zum Schluss des Steiges, wo erst der Ausblick über die Ostallgäuer Seen und dann eine extra große Portion Pommes lockt.

Stürze ins Klettersteigset sind gefährlich. Thomas achtet deshalb genau auf die Kinder und geht ausnahmsweise direkt bei ihnen.

Doch so leicht sich die beiden Schwestern an der Seite ihrer bergerfahrenen Eltern auf dem Tegelbergsteig auch getan haben – Bergführer Thomas Hafenmair rät Nachahmern, den Steig keinesfalls zu unterschätzen. Vor allem nicht mit Kindern:
„Der fordert natürlich schon Erfahrung im Klettersteiggehen. Auch bezüglich Tagesplanung, Zeitmanagement und Risikomanagement im Bereich Wetter. Und man braucht hier auch mehr Kraft als bei manch anderen Klettersteigen.“


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