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Die Ferrata Susatti hoch über Riva am Gardasee Klettersteig auf die Cima Capi

See und Berge, das sind die beiden Grundelemente, die die nördliche Gardasee-Region prägen. Dazu geht es kaum bizarrer: Direkt vom Lido, dem Stadtstrand von Riva, steigen die Felsen rund 1000 Meter hoch in den Himmel. Es gibt einige Klettersteige verschiedener Schwierigkeitsgrade, die nahezu direkt nach oben führen. Viel unmittelbarer lässt sich dieses Nebeneinander von See und Bergen kaum erleben, zum Beispiel auch auf der Ferrata Susatti an der 909 Meter hohen Cima Capi.

Von: Georg Bayerle

Stand: 18.05.2019

Die Ferrata Susatti hoch über Riva am Gardasee | Bild: BR; Georg Bayerle

Es staut sich oben am felsigen Gipfel der Cima Capi. Eine ziemlich große italienische Gruppe mit Kindern hangelt sich die Drahtseile hinauf, mittendrin Guiliano, ein sonnengebräunter älterer Mann mit großen braunen Augen und etwas verrutschtem Kletterhelm. Er führt eine Jugendgruppe der Alpenvereinssektion Modena. Die 14 Kinder machen gerade einen Kurs in Sachen Alpinismus, Botanik, Zeltaufbau, Orientierung im Gelände - und heute eben ein Klettersteigtag.

Blick vom Monte Creino zur Cima Capi und dem Ledro-Tal

Die Ferrata Susatti, ist ideal, sagt Giuliano, denn sie ist sehr gut versichert. In der Vergangenheit war der Panorama-Klettersteig ein österreichischer Kriegssteig und viel weniger sicher. Heute lässt sich hier gut über die Geschichte des Kriegs sprechen und über die Geologie. Von unserem Standpunkt direkt an der Bergkante schweift der Blick über den gesamten nördlichen Gardasee und abgeschliffene Felsplatten. Vor 23.000 Jahren hat hier ein Gletscher den See geschaffen – und die „Lasagne“. Das, so klärt mich Giuliano auf, ist das Modell, um die Schichten der Sedimentbildung zu erklären, die man in den Bergen erkennen kann - Schichten wie bei einer Lasagne.

Der Weiterweg folgt direkt dem ehemaligen österreichischen Gipfelsteig, ist nun schmal und ausgesetzt. Nur einen versprengten Deutschen treffe ich am Steig, einen Schwaben aus Ulm, der eigentlich lieber unten am See beim Surfen wäre. Die extreme geographische Lage des Sees sorgt bei gutem Wetter für die legendären Winde, die die deutschen Surfer seit den 70er Jahren angezogen haben. An einem bedeckten und eher schlechten Tag wie heute aber pritscheln die Wellen nur ganz sanft an den Hafen von Torbole, wo der alte Luciano mit einem Kumpel gerade an seinem Fischerboot herumschraubt.

Abendstimmung über der Ferrata Susatti

Hecht, Barsch, Forellen und Sardinen lassen sich im Gardasee fangen. Wenn die Sardinen im Februar an der Mündung der Sarca zur Laichablage zusammenschwärmen, sieht man ein Dutzend Boote da draußen, erzählt Luciano. Die Sardinen werden mit Salz und Kräutern eingelegt, und es gibt die traditionellen Spaghetti mit Sardinen. Im Sommer, wenn die vielen Touristen eintreffen, fährt Luciano schon um halb fünf in der Früh hinaus, denn ab 11 Uhr bläst die Ora. Dann sieht man die Welle förmlich von Süden heranrollen - und es wird ungemütlich draußen auf dem See. Pelér heißt der Nordwind aus den hohen Bergen, der frühmorgens, oft noch in der ausgehenden Nacht einsetzt, und Ora der Südwind, der mit der Mittagshitze aus der Poebene aufsteigt. So liegt der See zwischen den Polen der hohen Gipfel und der mediterranen Ebene. Nirgendwo sieht man es besser als auf den bizarren Felsspitzen, auf die Giuliano seine Alpenvereins-Kinder geführt hat.

Karte: Die Cima Capi

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Cima Capi


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