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„Grasblumenblühen“ im Werdenfelser Land Kletterroute am Höllentorkopf in Corona-Zwangspause saniert

Im Homeoffice arbeiten ist ein Privileg, das längst nicht alle Berufsgruppen genießen. Bergführer zum Beispiel hatten es während der Corona-Zwangspause nicht leicht. Peter Albert aus Garmisch-Partenkirchen hat die auftragslose Zeit aber gut genutzt: Er hat Kletterrouten in seiner Heimat saniert und somit etwas für die Allgemeinheit getan. Auch der Kletterroute „Grasblumenblühen“ am Höllentorkopf hat er wieder zu einer neuen Blüte verholfen.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 25.07.2020

Kletterroute am Höllentorkopf in Corona-Zwangspause saniert | Bild: BR; Kilian Neuwert

„Herrliche, abwechslungsreiche Riss- und Plattenkletterei in wasserzerfressenem Wettersteinkalk“ - so beschreibt ein gängiger Kletterführer die Route „Grasblumenblühen“ am Höllentorkopf in der Nähe der Alpspitze.

Bequem geht es mit der Alpspitzbahn hinauf und dann zu Fuß in die Rinderscharte

Steil fällt hier das Gelände ab, in der Ferne hüllt sich der Zugspitzgipfel in Wolken, darunter schmollt der Höllentalferner. In der Nähe des Wandfußes sortieren die Garmischer Simon Siedersleben und Thomas Bräckle ihr Material. Sie ziehen Karabiner und Schlingen aus den Rucksäcken, denn sie wollen einen Versuch in der Route wagen. Die Schwierigkeit der Tour liegt bei 7+, das ist schon schwierigeres Gelände, in dem man aufpassen muss und einen zuverlässigen Seilpartner braucht. Simon und Thomas kennen sich von der Bergwacht.

Die Zugspitze

Die Route, in die beide nun einsteigen, stammt aus den frühen Achtzigerjahren, ist aber nie zu einer Modetour unter Garmischer Kletterern geworden, obwohl der Höllentorkopf über die Alpspitzbahn schnell zu erreichen ist und einige sehr beliebte Kletterrouten durch seine Südwestwand ziehen. Erstbegangen wurde die Route von den Brüdern Bader. Sie galt schon damals als klettertechnisch anspruchsvoll, war aber nur mit Normalhaken und somit ziemlich schlecht abgesichert. Im Zuge der Sanierung ist die Tour jetzt viel sicherer geworden, und das ist dem Garmischer Bergführer Peter Albert zu verdanken: Während der Corona-Zwangspause hatte er unverhofft Zeit und musste statt zu führen zu Hause bleiben. Um die Zeit zu nutzen, entschied er sich, die Kletterroute Grasblumenblühen zu sanieren. Eine Art „Beschäftigungstherapie“, sagt er. Er hat sich die Skier und das Material geschnappt und ist mutterseelenallein zum Höllentorkopf aufgestiegen.

Über viele Stufen geht es zum Einstieg

Viele Tage hat Peter Albert mit der Sanierung verbracht, denn er musste erst einmal vom Gipfel in die Wand kommen. Mit den Erstbegehern hatte er zuvor Kontakt aufgenommen, doch von ihrer Begehung zeugten kaum Haken: Die Absicherung war dünn, die alte Route kaum zu finden - alles in allem also viel Aufwand für den Bergführer, um die Route mit modernem Bohrhaken sicherer zu machen. Jetzt ist sie mit Stand- und einigen Zwischenhaken so abgesichert, dass schwerste Verletzungen bei einem Sturz unwahrscheinlich sind.

Die Szenerie gefällt auch Simon und Thomas. Nach der zweiten Seillänge macht Thomas Stand unter einer Rinne. Sie wird die beiden weiter nach oben in die steilsten Passagen der Wand führen. Die imposante Steilheit der Tour begeistert die beiden jungen Kletterer ebenso wie den Sanierer Peter Albert. So hatte die Corona-Zeit auch etwas Gutes: Statt in Vergessenheit zu geraten, kann die Route Grasblumenblühen nun deutlicher einfacher wiederholt werden.

Karte: Höllentorkopf

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Höllentorkopf


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