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Mythische Felsmauer mit Mittagsloch und steilen Schrofen Klettern am Untersberg

Egal ob von Salzburg oder Berchtesgaden: Der Untersberg ist als nördlichstes Massiv der Berchtesgadener Alpen trotz seiner vergleichsweise moderaten Höhe eine markante Landmarke. Wer von Süden, also von Marktschellenberg oder Berchtesgaden auf den Untersberg blickt, dem fällt auch die gelb leuchtende Felsmauer auf, die wie ein eigenes Stockwerk auf das Bergmassiv aufgesetzt ist. Sie ist ein geradezu natürlicher Magnet für Kletterer, die bis heute immer schwierigere Routen erschließen. Aber auch der Anblick allein lohnt den Aufstieg zum Stöhrhaus.

Von: Georg Bayerle

Stand: 13.07.2019

Mythische Felsmauer mit Mittagsloch und steilen Schrofen | Bild: BR; Georg Bayerle

Kurz unter dem Stöhrhaus auf dem Plateau des Untersbergs tut sich plötzlich eine Lücke auf: Es gähnt der Abgrund und die Kalkwände ragen derart überhängend auf, dass manche gleich um ihren Schlaf fürchten. Ganz entspannt hockt dagegen Peter an der Kante und studiert einzelne Kletterrouten, die anhand der Haken erkennbar sind.

Logenplatz vor der Wand

Sehr ausgefallen ist auch der Zustieg zu den Kletterrouten. Wer von oben kommt, der sucht in den Mulden des Karstplateaus nach einem Höhleneingang, dem so genannten Mittagsloch, das in leichter Kletterei mitten durch den Berg führt. Schwarz gähnt es aus den Latschen heraus, aus dem Höllenschlund selbst dringen Stimmen nach oben. Der Sage nach soll wahlweise Kaiser Karl oder Friedrich Barbarossa im Untersberg schlafen und auf seine Auferstehung warten. Sollte jetzt dieser Tag gekommen sein? Nachdem die Einstiegsleiter frei ist, steigen wir in die Höhle ein. Ein Drahtseil hilft beim Abstieg über die schmierigen Felsen. Dann gibt uns die eindrucksvolle Karsthöhle gut 100 Meter tiefer wieder ins Tageslicht frei. Über steile Schrofen führt ein ausgesetzter Steig unter der Felswand entlang - die vor 100 Jahren erstmals bestiegene Route durch die alte Südwand.

Vom Hochthron der Blick in die Berchtesgadener Berge

An einer Stelle taucht wie aus dem Nichts ein großer Schatten auf. Mythengläubige könnten an einen Unterweltsvogel der im Berg eingeschlossenen deutschen Kaiser glauben, tatsächlich aber liegen die Hohen Tauern, wo die einst ausgestorbenen Bartgeier wieder freigesetzt werden, in Luftlinie nicht weit entfernt. Vom Gipfel, dem Berchtesgadener Hochthron führt dann ein kurzer Abstieg über das Plateau wieder zum Stöhrhaus. Wirtin Walburga Gschossmann weiß natürlich, was in den Felswänden unter der Hütte alles los ist. Da werden neue Routen geschraubt, und der Thomas Huber macht schon mal einen „Zehner“. Das Kletterer-Nest auf dem Untersberg ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Mariele und Josef aber kommen nicht mehr zum Klettern hierher, sondern einfach nur zum Wandern, weil es einfach so schön und die Aussicht schier grenzenlos ist.

Karte: Das Stöhrhaus

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Karte: Das Stöhrhaus


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