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Klassische Kletterführe durch die sonnige Südwand Das Wagendrischlhorn auf der Reiter Alm

Noch einmal warmen, trockenen Fels in den Fingern spüren, bevor der Winter kommt? Eine schöne und für Kletterer mit Seilschafts-Erfahrung leichte Tour führt auf das 2251 Meter hohe Wagendrischlhorn, das auf der Reiter Alm in den Berchtesgadener Alpen steht.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 27.10.2018

Klassische Kletterführe durch die sonnige Südwand | Bild: BR; Sebastian Nachbar

Von der Südseite bei Lofer erreicht man die Sonnenseite des Berges, mitten durch seine senkrechte Südwand zieht sich die sogenannte Zellerführe - klassisches Klettergelände im dritten Schwierigkeitsgrad.

Erster Blick auf die Südabbrüche der Reiteralm

Reiter Alm, Berchtesgadener Alpen. Nie gehört? Dann bitte mal den berühmten Kletterführer von Walter Pause zur Hand nehmen: „Im extremen Fels“, Erstausgabe von 1970, ein Sammlerstück, mehrere Hundert Euro wert. Darin enthalten sind 100 schwere Superklassiker quer durch die Alpen, sozusagen die Best-of-Liste für Alpinisten schlechthin. Mittlerweile wurde das Buch überarbeitet und neu aufgelegt. Aber im Original finden sich ab Seite 118 Tour Nummer 56: Großes Grundübelhorn, Südverschneidung oder Tour Nummer 57: Großes Mühlsturzhorn, direkte Südkante. Für solche Touren steht die Reiter-Alm, auch wenn sie weniger berühmt ist wie die großen Gipfel ringsum: Watzmann, Hochkalter, Hoher Göll, Untersberg. Während sich dort massenweise Wanderer tummeln, ist die Reiter Alm das Revier der Kletterer geblieben.

Im Osten der Hochkalterstock mit seinen Seitentälern

Es pfeift senkrecht in die Tiefe, denn die Reiter-Alm ist ein Plateauberg - eine ebene Hochfläche in der Mitte, ringsum senkrechte Wände und am Rand ein Kranz aus Gipfeln mit festem Fels, ideal zum Klettern. Zu den großen Klassikern gehört die bereits erwähnte „Direkte Südkante“ am Großen Mühlsturzhorn - eine Wahnsinns-Erstbegehung von Toni Kurz und Anderl Hinterstoisser im Sommer 1936. Nur wenige Tage später wurden die beiden weltberühmt, als sie dann im Juli so tragisch in der Eigernordwand ums Leben kamen.

Am Einstieg in die Zellerführe, einer klassischen Klettertour im dritten Grad.

Wir sind heute eher gemäßigt unterwegs - in der Zellerführe am Wagendrischlhorn, erstbegangen 1909 von Max Zeller aus Ruhpolding und viel leichter als die 8- von Kurz und Hinterstoisser, aber trotzdem schön. Das Wagendrischlhorn ist der dritthöchste Gipfel der Reiter Alm nach Stadelhorn und Großem Häuselhorn. Nach Süden bricht das Wagendrischlhorn senkrecht ab, eine abweisende Felswand, gelb und grau, eigentlich nur was für athletische Sportkletterer, wäre da nicht diese Falte im Berg, quer durch die Südwand, schräg von unten nach oben. Sie bildet ein durchgängiges Band, das schön zu Klettern und nicht schwerer als dritter Schwierigkeitsgrad ist. Auf halber Höhe kommt man an einem riesigen Loch im Berg vorbei: die Zellerhöhle, bekannt bei Höhlenfans. Wir folgen der Führe lieber weiter nach oben zum Gipfel des Wagendrischlhorns. Im Hochsommer wird es ziemlich heiß in der Südwand, denn die Sonne knallt hier direkt hinein. Der Herbst gilt als die beste Zeit. Beim Klettern ist es warm, ansonsten angenehm kühl – und wir sind heute ganz allein in der Wand!

Karte: Das Wagendrischlhorn

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Das Wagendrischlhorn


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