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Kalkwände mit Prättigauer Plattenschüssen Klettersteige an der Sulzfluh im Rätikon

Die steilen Kalkwände des Rätikons sind vor allem unter Felskletterern legendär. Ob an Drusenfluh, Schijenflue oder Kirchlispitzen - die Felsabbrüche dort locken die Vertikal-Experten, vor allem diejenigen, die etwas ambitionierter unterwegs sind. Aber auch Ferratisti kommen an den Gipfeln im schweizerischen Prättigau auf ihre Kosten. Erst recht, seitdem in Nachbarschaft zum bekannten Sulzfluh-Klettersteig zwei neue Drahtseilwege auf die Gemstobelwand führen. Einer ist ausdrücklich für Klettersteig-Novizen gedacht. Beim anderen ist ein kräftiger Bizeps nicht von Nachteil.

Von: Folkert Lenz

Stand: 29.08.2020

Kalkwände mit Prättigauer Plattenschüssen | Bild: BR; Folkert Lenz

Ganz klein fühlt sich, wer unter den Südabbrüchen der Sulzfluh steht. Von der nahegelegenen Carschina-Hütte klingen die Schellen der Kühe auf der Alp herüber.

Direkt über den erwartungsfreudigen Klettersteiggehern baut sich die 450 Meter hohe Felswand auf, durch die sich seit ein paar Jahren der Sulzfluh-Klettersteig zieht. Bergführer Michi Senn verweist auf ein paar leicht überhängende Stellen und die typischen von Wasserrillen durchzogenen Kalkwände. Auf der 750 Meter langen Drahtseilstrecke geht es bisweilen ganz schön zur Sache. Einige Stellen in der Klassiker-Route schmiegen sich förmlich an die Senkrechte. Zwischendurch warten auch einige Quergänge auf die Ferratisti, darunter auch ein „Götterquergang“ wie in der Eiger-Nordwand. In der Wandmitte gibt es sogar noch eine Bank zum Hinsetzen. Der Rätikon-Kalk ist bekannt dafür, dass er recht kompakt daherkommt. Häufig wirkt der Fels in den Plattenschüssen abweisend, und steil sind die Wände der Klettergipfel im Graubündner Prättigau ohnehin. Der Drahtseilweg durch die Sulzfluh-Südwand folgt der naturgegebenen Felsstruktur. Gequert wird auf natürlichen Bändern, auch die Tritte sind recht gut genutzt worden, so dass man nicht überall auf Eisen unterwegs ist. Nach dem Zackengrat über den Geißrücken, der luftigen „Panoramica-Passage“ und der „Klagemauer“ ist nach etwa zweieinhalb Stunden der Ausstiegsschotter erreicht. Am mächtigen schwarzen Sulzfluh-Gipfelkreuz ist dann endlich Zeit, sich ausgiebig umzuschauen. Der Blick schweift über die sanften Alplandschaften von Sr. Antönien in Richtung Madrisa und Davos.

Szenenwechsel: An der Gemstobelwand gleich neben der Sulzfluh hat der Bergführer und Industriekletterer Andres Scherrer im vergangenen Jahr zwei neue Klettersteige in die Felsen gebaut. Der Abschnitt am Wandfuß ist ausdrücklich für Klettersteig-Neulinge und Familien gedacht. Der obere Teil der neuen Route, die „Partnunblick“ heißt, ist dagegen ungeeignet für Kinder oder Ferrata-Novizen. Fast könnte man denken, dass Scherrer am Start der Tour auf Abschreckung setzt, damit hier nur erfahrene Wagemutige einsteigen. Gleich zu Beginn gibt es einen Seil-Quergang mit gut 40 Meter Luft unter den Fußsohlen. Dann kommen so genannte „Bombenlöcher“ mit zwei Bäuchen drin, was ordentlich in die Arme geht! Viel Metall hilft an diesen Wandüberhängen. Hunderte Trittbügel haben Scherrer und seine Kollegen an diesem Klettersteig im oberen Schwierigkeitsgrad verbaut. Als Lohn der schweißtreibenden Mühe lockt am Ende dann der prächtige Ausblick von der Gemstobelwand, auf die Schijenflue und den Partnunsee, der je nach Lichteinfall seine Farbe wechselt.

Karte: Carschina-Hütte

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Karte: Carschina-Hütte


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