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Vertikale Spielwiesen für erste Griffe und Tritte Klettern für Anfänger in den Lienzer Dolomiten

Der II. Schwierigkeitsgrad stellt eine besondere Grenze dar im Bergsport, denn bis dahin gehen geübte Wanderer und Bergsteiger meistens noch seilfrei. Man braucht zwar auch die Hände zur Fortbewegung, aber die Schwierigkeiten sind „mäßig“, also für Geübte gut machbar. Ab dem III. Schwierigkeitsgrad aber braucht es ein Seil und die Sicherung. In den Lienzer Dolomiten kann ins Alpinklettern hineinschnuppern. Die Osttiroler Bergführerin Lisi Steurer bietet entsprechende Kurse für Anfänger an.

Von: Georg Bayerle

Stand: 22.08.2020

Vertikale Spielwiesen für erste Griffe und Tritte | Bild: BR; Georg Bayerle

Los geht es gleich einmal im unangenehmsten Gelände - einem schottrigen Hügel hinter der Karlsbader Hütte. Wer klettern will, muss hier erst einmal das Gehen lernen, sagt Lisi Steurer. „Trittschulung“ heißt das im Fachjargon. Das Steigen auf kleinsplittrigem Geröll klappt gut, doch der Blick in die um die Karlsbader Hütte herum kreisrund aufgereihten Felszacken beeindruckt die Kletterneulinge dann schon. Zweieinhalb Tage Klettern für Anfänger ist für die meisten schon eine echte Herausforderung.

Ausgleichsreihenschaltung an Schlaghaken

Nach der Gehschulung steht das Üben der Seil- und Knotentechnik in einem der Klettergärten nahe der Karlsbader Hütte an. Es geht 50 Meter die Felswand hinauf im IV. Grad, also mittelschwer – das heißt, der Fels hängt auch mal über oder es gilt, eine ziemlich glatte Platte hinauf und hinunter zu bewältigen. Vertrauen zu gewinnen ins Material und in den Fels ist die oberste Devise. Nebenbei gibt es im Kapitel Standplatzbau vom Bergführer noch eine Demonstration, wie ein guter Haken geschlagen werden muss. Vom Handwerk rund um die Sicherungstechnik sind die Kursteilnehmer beeindruckt.

Das Übungsgelände liegt direkt bei der Hütte

Das Gelernte jetzt gleich selbständig anzuwenden, wäre definitiv zu viel verlangt. Der Einstieg ins echte Alpinklettern über eine Kletterroute mit einigen mittelschweren Dreier oder Vierer-Stellen verläuft dann am Seil von Lisi Steurer oder einem ihrer Bergführerkollegen. Die Kulisse ist beeindruckend, denn die Route über eine mehrere hundert Meter lange Felskante umgeben senkrecht fluchtende Wände. Keine 48 Stunden nach den ersten Gehversuchen hinter der Hütte, stehen alle auf der Laserzwand und sind um eine packende alpine Erfahrung reicher. Zum eigenständigen Klettern reicht das natürlich nicht; dafür müssen Knoten- und Sicherungstechniken instinktiv und auch unter Stressbedingungen sitzen. Aber es ist ein Gefühl dafür entstanden, wie es sich anfühlt in einer Kletterroute und wie man mit den eigenen Bedenken umgehen kann, wenn ein Wandstück auf den ersten Blick unüberwindlich aussieht oder unter den Füßen der Abgrund gähnt.

Karte: Lienzer Dolomiten

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Karte: Lienzer Dolomiten


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