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Brentari-Weg, Cima Tosa und die Guglia Herausforderung: Klettern in der Brenta

Der Name Brenta lässt die Augen von Bergsteigern aufleuchten. Die Kette von Türmen und kastellartigen Bergklötzen nördlich des Gardasees ist eine vertikale Herausforderung. Vor allem die Klettersteige haben einen legendären Ruf, machen aber nur einen Teil aus, wenn man auf einen der höchsten Brentagipfel, die Cima Tosa möchte.

Von: Georg Bayerle

Stand: 16.06.2018

Brentari-Weg, Cima Tosa und die Guglia | Bild: BR; Georg Bayerle

Mit Kaskaden und Schluchten vermittelt das Val d’Ambiez eine naturromantische Stimmung, die auf den Hochweiden am Talschluss beim Rifugio Cacciatore der Verblüffung weicht: Sind das nicht Yaks? Ja, sagt Matteo Margonari, sie liefern das Fleisch für die Cacciatore-Hütte. Die 14 Yaks ohne Hörner wurden in Zermatt gekauft, sie haben sich hier bestens eingelebt und sind fast das halbe Jahr hier oben.

Die Routen bis zum 9.Grad sind eine Herausforderung

Die Agostinihütte über dem Val d'Ambiez

Eine Felsstufe führt zum Rifugio Agostini, dann steht man direkt vor senkrechten Wänden. Luca, der junge Bergführer, nimmt mich mit auf ein immer schmaler werdendes Band, das abseits des Wegs unter wulstigen Überhängen in die Wand der Cima d’Ambiez leitet. Eine epische Spitze, meint der junge Kletterer. In den 1940er Jahren wurden die ersten Klettereien durch diese 480 Meter hohe Wand erschlossen – heute gibt es Routen bis zum 9.Grad. Für unsere Klettersteiggruppe vom DAV Summit-Club ist diese Exkursion nur zum Staunen gedacht.

Luftiger Weg

Weiter oben in der immer engeren Schlucht zwischen den Felswänden zweigt der Brentari-Weg ab und führt zuerst über einen kleinen, aber ganz schön harten und steilen Gletscher, bis an der Felswand direkt der Klettersteig hochzieht. Die felsigen Riesen ahnen wir momentan mehr als wir sie sehen, denn unterdessen vollzieht sich eine typische Brenta-Dramaturgie: Nebel hüllen plötzlich die Felswände und Gipfel ein. Für eine Weile laufen wir auf einem schmalen Felsband wie durch graue Luft, dann reißen mit einem Mal die Wolken wieder auf – an der besten Stelle. Von einem kleinen Sattel aus blicken wir auf das Herz des Gebirges: die ganzen Guglie - eine bizarre Skyline aus Fels.

Eigentlich ein Weltwunder

Der Felszahn des Campanile Basso

Im amerikanischen Südwesten wäre eine derartige Szenerie längst zum Weltwunder erklärt worden – hier auf dem Brentari-Weg genießen wir sie exklusiv. Weil Luca ein junger, engagierter Bergführer ist und die Gruppe alpinistisch gut drauf, klettern wir noch über eine Route im III. Grad auf die Cima Tosa – einst der höchste Gipfel der Brenta, aber das einst markante Schneedach ist mittlerweile ordentlich geschrumpft. Dennoch bleibt die Cima Tosa der eleganteste Südpfeiler der Alpen, und sie besitzt auch deshalb eine ganz besondere Faszination, weil schon die Atmosphäre der Palmen und Oliven am nahen Gardasee spürbar ist.


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