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Risiken und Nebenwirkungen der neuen Wettkampfdisziplin Klettern bei Olympia

Nach vielen Diskussionen angesichts der weltweiten Corona-Lage und nach einer Verschiebung im letzten Jahr beginnen sie nun also wirklich: Die Olympischen Sommerspiele in Tokio. In den kommenden Wochen können wir allerlei Wettkämpfe sehen – im Rudern, Laufen oder Turnen. Doch es sind auch neue Sportarten dabei: Sportklettern zum Beispiel. Allerdings ist der Wettkampfmodus in der Kletterszene umstritten und so mancher prominente Vertreter der Sportart macht sich Sorgen über negative Folgen wie beispielweise durch Doping.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 24.07.2021

Eine olympische Flagge weht über der Tribüne des Ariake Tennis Center in Tokio, Japan. | Bild: dpa-Bildfunk/Kiichiro Sato

Ortstermin in der Regensburger Kletterhalle: Klettertrainer Erik Müller-Rochholz steht gemeinsam mit seiner Trainerkollegin Magdalena Kärcher vor sieben Jugendlichen. Erst gibt es ein paar Aufwärmübungen, dann werden Routen geklettert - so wie sie die bunten Kunstgriffe vorgeben.

Die Jugendlichen sind das Wettkampfteam der Regensburger Alpenvereinssektion. Hier an der Basis verfolgen sie genau, wie sich der Klettersport jüngst verändert hat. Trainerin Magdalena Kärcher attestiert ihm mehr Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz. Viele Eltern pushen ihre Sprößlinge und setzen viele Hoffnungen in sie hinein. Die Leistungsdichte hat jedenfalls deutlich zugenommen.

Die Jugendtrainerin geht davon aus, dass sich der Klettersport weiter professionalisieren wird. Beitragen dürfen dazu wohl auch die Olympischen Spiele in Tokio. Erstmals treten dort auch Kletterer als Athleten an. Sie messen sich an Kunstgriffen – genau wie im Training in Regensburg. In der Szene ist das Echo jedoch geteilt. Das eine Lager ist euphorisch. Profikletterer wie der Berchtesgadener Alexander Huber sorgen sich andererseits um mögliche negative Begleiterscheinungen auf lange Sicht, wenn der Sport mehr Aufmerksamkeit bekommt und auch mehr Geld fließt. Bisher ist das Klettern auch im Wettkampfbereich ein sehr sauberer Sport, aber Doping könnte in der Zukunft durchaus ein Thema werden, sagt Huber. Auch Extremkletterer Stefan Glowacz, der in den 1980er-Jahren erfolgreich an den allerersten Kletterwettkämpfen teilgenommen hat, sorgt sich um gesundheitliche Folgen für die Sportler, da es sich inzwischen um einen Hochleistungssport handelt, der auch seinen Tribut an Verletzungen fordert. Doch nicht nur mögliche Begleiterscheinungen beschäftigen die Szene. Auch das Olympische Format selbst, denn in Tokio werden sich die Kletterer in einem extra erdachten Wettkampfmodus mit drei unterschiedlichen Disziplinen miteinander messen. Das kritisiert auch der fränkische Spitzenkletterer Alex Megos. Er ist einer der beiden Deutschen, die bei den Kletterwettkämpfen in Tokio antreten.

Alex Megos

Der Olympische Wettkampfmodus fordert Alex Megos wie auch seine Konkurrenten heraus – das gibt er offen zu. Denn wer gewinnen will, muss in einer Kombination brillieren, die erst seit kurzer Zeit existiert: im Lead- und im Speedklettern sowie im Bouldern. Es geht – stark vereinfacht – um das erfolgreiche Durchsteigen von schweren langen Routen, um Klettern auf Zeit und um maximale Schwierigkeiten in Absprunghöhe. In gewisser Weise, so resümiert Megos, haben wir schon unsere Seele verkauft, um uns bei Olympia präsentieren zu dürfen. Doch trotz seiner kritischen Haltung reizt es Alex Megos, seinen Sport als einer der ersten bei Olympia zu repräsentieren. Langfristig hofft er allerdings auf ein anderes Wettkampfformat. Und in der Heimat? Da ist Megos längst ein Idol geworden, vor allem wegen der vielen schweren Routen, die dem Franken im echten Fels gelungen sind. Auch im Regensburger Wettkampfteam, das in der Halle trainiert, blicken sie auf zu Alex Megos und wollen die Kletterwettkämpfe bei Olympia verfolgen.


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