5

Alpinist und Bergführer Der DAV-Expeditionskadertrainer Fritz Miller

Großes Aufheben macht der 1984 geborene Fritz Miller - Alpinist, Bergführer und Trainer des DAV-Expeditionskaders - nicht um sich. Auch wenn er zu den festen Größen in der deutschen Bergsportszene gehört, gilt er als „Undercover-Alpinist“.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 15.01.2021

Fritz Miller, Lebenspartnerin Michaela Schuster und Seilpartner Thomas März, Mitglied im DAV-Expeditionskader | Bild: BR/Kilian Neuwert

Er kletterte in nur etwas mehr als fünf Stunden durch die Eiger-Nordwand und bewältigte den legendären „Weg durch den Fisch“ an der Marmolada-Südwand im Alleingang: Fritz Miller hat nicht nur schwere, sondern auch schnelle Begehungen vieler Routen in seinem Tourenbuch stehen. Eines seiner beliebtesten Ziele in den vergangenen Jahren waren die Berge seiner Allgäuer Wahlheimat. An einigen dieser Gipfel fand Miller eine perfekte Spielwiese, um quasi vor der Haustür seiner großen Leidenschaft zu frönen: dem Winterbergsteigen oder Mixed-Klettern.

Winterbegehung am Aggenstein bei Pfronten

Fritz Miller und seine Freundin Michaela teilen die Leidenschaft fürs Klettern

In einer Bauernhof-WG nahe Kempten wohnt Bergführer und Profialpinist Fritz Miller. Heute will er mit seiner Freundin Michaela und Seilpartner Thomas an den Aggenstein bei Pfronten. Der Winter ist noch jung. Doch die eiskalten Temperaturen und der Schneefall der letzten Tage lassen die drei auf gute Bedingungen hoffen. Der Zustieg geht über die Nordwand des Aggensteins, von dort aus klettern sie eine klassische Route, die Haffroute. Das Ganze ist Mixed-Klettern: Klettern in Schnee, Fels, Eis oder an gefrorenem Gras. Einziges Manko: Noch liegt zu wenig Schnee, um mit den Skiern hinaufsteigen und später herunterfahren zu können.

Mixed-Klettern: Klettern an Eis und Fels

Vor allem bei Wanderern ist der Aggenstein mit seinen nicht ganz 2.000 Metern im Sommer beliebt. Die meisten steigen von Süden, aus dem Tannheimer Tal, auf den Allgäuer Grenzgipfel. Jetzt im Winter sieht die Landschaft hier oben anders aus: Frischer Schnee, das nahe Skigebiet coronabedingt geschlossen. Steil und abweisend ragen die Nord- und die Nordostwand auf, Mauern aus grauem und gelbem Kalkgestein. Für Fritz Miller sind sie ein idealer Spielplatz. Denn das Winterbergsteigen oder das Mixed-Klettern – also das Klettern an Eis und Fels –  ist quasi seine Spezialdisziplin. „Letztlich ist es so, dass das Klettern an höheren Bergen oder im Winter eine total komplexe Angelegenheit ist. Man hat mit den verschiedensten Elementen zu tun. Und dann muss man den Schwierigkeiten mit dem richtigen Werkzeug begegnen.

Schlüsselerlebnis in der Schweiz

Hier am Aggenstein hat Miller zwei sehr schwere Routen erstbegangen. Teils splittriger Fels, mitunter überhängende Wandpartien. Fotos zeigen ihn über einer Eispassage, frei hängend an seinen Eisgeräten. Für Fritz Miller, Jahrgang 1984, war es ein langer Weg bis zu derartigen Höchstleistungen. Bock zum Klettern hatte er immer, sagt er. „Und gleichzeitig habe ich das auch immer verknüpft mit dem Lösen von Problemen. Dann haben wir als Kinder und Jugendliche an Bäumen rumexperimentiert, uns improvisierte Klettergurte gebastelt und  als Jugendliche Sicherungstechniken erarbeitet. Das hat sich so durchgezogen. Nur das Umfeld wurde extremer.“

Irgendwann, so beschreibt es Fritz Miller heute, entschied er sich dafür, alles zu geben für seine Leidenschaft, den Alpinismus. Ein Schlüsselerlebnis war für ihn Anfang 2006 am Kandersteg in der Schweiz, ein Eisklettergebiet. „Da hing ich irgendwo in einem Wasserfall und habe so in die Berge geschaut und mir gedacht: eigentlich ist das genau das, was du brauchst und was du willst. Wenn du es schaffst, irgendwie an so einem gefrorenen Wasserfall hochzuklettern, dann wird das auch das Richtige sein. Und wenn dich das so zufrieden stellt, geht das vielleicht auch in eine berufliche Richtung.“

Eiger-Nordwand und Marmolada

Miller kündigte seinen Job und widmet sich ganz dem Bergsteigen. Eine wichtige Station: Der Expeditionskader des Deutschen Alpenvereins. Später wurde er Bergführer. Heute leitet er den Kader, gegründet zur Förderung junger alpinistischer Talente. Dabei kann er auf viele Erfahrungen zurückgreifen: Die Eiger-Nordwand kletterte er mit Michael Wohlleben in nur fünf Stunden und zehn Minuten, den legendären Weg durch den Fisch an der Marmolada im Alleingang. Immer wieder führten ihn Reisen in die USA oder nach Patagonien. Seilpartnern gilt er als ruhig, als extrem fokussiert auf seine Ziele.

Zuletzt gelang Miller mit seiner Freundin Michaela Schuster  eine Neutour durch die winterliche Nordwand der Zugspitze. Ein dreitägiges Abenteuer: Mixed-Klettern auf hohem Niveau, teils technische Kletterei. Erstbegehungen wie diese veröffentlicht Miller zwar, er gilt aber manchem als Undercover-Alpinist, weil seine Arena eher die Wände der Alpen als die Sozialen Medien sind.

Karte: Aggenstein

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Aggenstein


5