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Rund um den Oberlauf der Soca Wildwasser und Wanderwege im Triglav-Nationalpark

Über 90 Prozent der Alpenflüsse sind verbaut, kanalisiert, verändert worden und unter denen, die ihren natürlichen Charakter behalten haben, sticht die Soca hervor. Vielen ist der grüne Bergfluss unter seinem italienischen Namen „Isonzo“ besser bekannt, vor allem auch durch die schrecklichen Schlachten im Ersten Weltkrieg. Heute ist insbesondere der Oberlauf der Soca, die im Triglay-Nationalpark entspringt, ein Anziehungspunkt für Naturliebhaber aller Art

Von: Georg Bayerle

Stand: 21.07.2018

200 Höhenmeter über dem Alpe-Adria-Wanderweg führt der Pfad an hüfthohen Kümmelblüten, Alpenveilchen und einem Wasserfall entlang hinein in einen klaffenden Felsspalt. Das Rauschen wird leiser, tief im Berg leuchtet in kristallinem Blau „Izvir Soce“ – die Quelle der Soca.

Am Alpe-Adria Weg

Die Steirerinnen Nicole und Lisa sind zum Wandern in den Nationalpark Triglav gereist, und wundern sich über den dichten Bergwald. Tatsächlich wurde hier die Berglandwirtschaft in den schwierigen Jahren von 1960 bis 1980 praktisch vollkommen aufgegeben. An vielen Orten sind neue Laubwälder gewachsen, das verstärkt noch den Eindruck des satten dichten Grüns unterhalb der nackten Karstgipfel der Julischen Alpen. Am südöstlichen Eckpfeiler der Alpen treffen unterschiedlichste Einflüsse aufeinander, zudem regnet es so viel wie nirgendwo sonst, denn das bekannte und berüchtigte Genua-Tief bleibt genau an diesen Bergen hängen.

Mit der Rute in Aktion

Marko Pretner leitet das Nationalpark-Besucherzentrum in Trenta, einem Dörfchen unweit der Soca-Quelle. Hier hat der Amerikaner Dwaine für 59 Euro seine Tageserlaubnis zum Fliegenfischen gekauft. Am Morgen ziehen dünne Nebelstreifen über den grünen Fluss. Dwaine steht mit Gummistiefeln im Wasser und lässt den bunten Köder knapp über der Wasseroberfläche kreisen. Für ihn ist ein Traum wahr geworden, sagt er. Es gibt nichts vergleichbar Schönes im Osten der Vereinigten Staaten, denn die Berge sind dort nicht so hoch und die Flüsse schmaler.

Fachsimpeln vor dem Bunkerschwall

Das Höhenprofil der Berge an der Soca gehört zu den extremsten in den Alpen: 1500 bis 1800 Höhenmeter geht es direkt steil bergauf zu den Gipfeln um Triglav und Jalovec. Noch berühmter aber ist der grüne Fluss selbst. Toni Prijon, Kajakbauer aus Rosenheim, ist in der Heimat seines slowenischen Vaters zum Wildwasserfahrer geworden. Mehr als 100.000 Besucher im Jahr kommen inzwischen zum Kajak- oder Raftingfahren an die Soca. In den 1990er Jahren wurde ein erster Schutz- und Nutzungsplan für die Soca entwickelt. Besonders in den vergangenen Jahren aber explodiert der Tourismus förmlich. Igor Mlekuz leitet die älteste Kajakschule an der Soca, ist hier geboren und aufgewachsen und liebt diesen besonderen Ort. Er möchte, dass ihn seine Kinder genauso erleben und der Fluss so bleibt wie er ist. Selbst Einsteiger können in einem Anfängerkurs diese Wildnis aus der Perspektive des Wassers erleben.

Die Farben des Flusses

Das Soca-Tal mit den kleinen Gemeinden von Bovec bis Tolmin steht vor der schwierigen Frage, den Tourismus in den begrenzten Bahnen der örtlichen Gegebenheiten zu halten und der Versuchung zu immer mehr Rafting, Ziplines und ähnlichen Attraktionen zu widerstehen, denn das würde aus der wilden Soca nur mehr einen gezähmten Abenteuerspielplatz machen.

Ins Wildwasser der Soca hat sich auch Bergauf Bergab begeben. Morgen geht es um Gebirgsflüsse, um die Tiroler Ache und eben auch um die Soca, um 18.45 Uhr im BR-Fernsehen.

Karte: Der Triglay-Nationalpark

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Karte: Der Triglay-Nationalpark


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