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Meilenstein für fränkischen Spitzenkletterer Alexander Megos und die Route „Bibliographie“

Die Kletterroute „Bibliographie“ hat die höchste Schwierigkeitsstufe in den französischen Alpen. Sie wurde vor elf Jahren eingebohrt, doch erst jetzt hat sie jemand erstmals durchklettert. Und dieser Jemand ist der 27-jährige Alexander Megos aus Erlangen - einer der besten Kletterer der Welt.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 10.10.2020

Am 5. August 2020 gelang Alex Megos die Erstbegehung von „Bibliographie“(9c) in Céüse im im Département Hautes-Alpes. Die „Bibliographie“ hat ihn viel Vorbereitungszeit gekostet. Aber schließlich ist es ihm gelungen.

„Bibliographie“ – 35 Meter lange Route im Klettergebiet Céüse La Falais

Sie ist für ihn ein Meilenstein, seine bisher schwerste Route - die „Bibliographie“ in den französischen Alpen. Drei Jahre lang ist Alexander Megos sie immer wieder geklettert. Insgesamt 60 Tage hat er dort zur Vorbereitung am Fels verbracht - mehr als an irgendeiner Route je zuvor. „Die schwierigste Stelle für mich in der Route war ein Boulderproblem bestehend aus vier Zügen in der Mitte der Route“, berichtet der Erlanger. Da habe er sehr lange gebraucht, bis er von unten die Stelle einmal geschafft habe. „Und das erste Mal, dass ich durch diese Passage durchgekommen bin, war ungefähr eine Woche bevor ich die komplette Route geklettert habe“, erzählt der 27jährige.

Bewertung mit 9c auf der französischen Kletterskala

Die 35 Meter lange Route "Bibliographie" befindet sich im Klettergebiet Céüse La Falais. Der Amerikaner Ethan Pringle hatte sie 2009 eingebohrt, seitdem hat sie niemand geschafft. Alexander Megos bewertet die Route auf der französischen Kletterskala als 9c. Denn er habe „einige Routen davor im Grad 9b geklettert und auch eine 9b+ und diese Route hat mir doch Einiges mehr abverlangt als die anderen davor. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, diese Route mit 9c zu bewerten“. Zu dieser Bewertung kam er, wie er sagt, einfach auch “weil ich denke, dass es für den Klettersport wichtig ist, auch höhere Grade zu vergeben, sonst bleibt der Klettersport irgendwann stehen“.

Qualifikation für Olympia – doch dann kam Corona

Alexander Megos

Vergangenes Jahr hatte sich Alexander Megos für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio qualifiziert - beim Wettbewerb im Olympic Combined, einem Dreikampf aus Bouldern (Klettern in Absprunghöhe), Lead (sprich Vorstiegsklettern mit Seil) und Speedklettern (Klettern auf Geschwindigkeit). Dann kam die Corona-Pandemie mit der Absage der Spiele und allen sonstigen Wettkämpfen. Doch Alexander Megos hat im Sommer das Beste daraus gemacht. Er war viel in Frankreich, Österreich und Italien unterwegs und ist am Fels geklettert. „Für mich war Felsklettern schon immer das Wichtige am Klettern und ich bin ja nur so nebenbei ins Wettkampfgeschehen eingestiegen“. Dieses Jahr konnte er also durch Corona mit Felsklettern verbringen, was ihm eigentlich am meisten Spaß macht. Insofern war 2020 für mich eine willkommene Pause von den ganzen Wettkämpfen.

Körperliche Fitness hat nicht unter der Wettkampfpause gelitten

Die körperliche Fitness und Technik des 27-Jährigen sind unglaublich gut. Er ist ein Athlet durch und durch, mit einem guten Kraft-Last-Verhältnis und optimalen Hebeln. Alexander Megos begann schon als Kind zu klettern und im Alter von 10 Jahren absolvierte er gemeinsam mit seinem Vater seine ersten Mehrseillängentouren. Die erste 8 c Route bewältigte er als Sechzehnjähriger. Und als er in der Fränkischen Schweiz die Supernova geklettert ist, etablierte er damit vermutlich die erste Route im Grad 11+ im deutschsprachigen Raum - das entspricht dem französischen 9a bis b. Mitentscheidend für seinen Erfolg ist seine mentale Fitness, meint der Franke, weil es einfach irgendwann mal darauf ankomme, alles genau auf den Punkt zu bringen. „Es gibt einiges an Einflussfaktoren wie Wetter, Temperatur, Feuchtigkeit usw. und da ist die mentale Fitness sehr wichtig, weil ganz oft fühlt man sich körperlich fit, aber die äußeren Bedingungen stimmen nicht, um die Route zu klettern. Und da muss man dann trotzdem dranbleiben, motiviert bleiben und es ist ein Wartespiel auf den Moment, wo alles zusammen kommt“.

Während Alexander Megos am Fels genau weiß, wo es langgeht, hängt er bei der weiteren Planung seiner nächsten Ziele in der Luft. Denn coronabedingt ist ungewiss, wohin der Kletter-Champion als nächstes reisen kann. Die Grampians und Blue Mountains in Australien müssen jedenfalls warten. Doch: Die Fränkische Schweiz vor seiner Haustür geht immer.


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