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Große Ziele für den alpinistischen Spitzen-Nachwuchs 20 Jahre DAV-Expedkader

In dieser Woche haben ein Dutzend junge Nachwuchs-Alpinistinnen die Berge um Mittenwald unsicher gemacht, denn dort hat das Auswahlcamp für den nächsten Frauen-Expeditionskader des Deutschen Alpenvereins stattgefunden - bei hochwinterlichen Bedingungen mit rund einem halben Meter Neuschnee oben im Karwendel.

Von: Georg Bayerle

Stand: 24.10.2020

Große Ziele für den alpinistischen Spitzen-Nachwuchs | Bild: DAV-Silvan Metz

Seit 2011 gibt es den Frauen-Expeditionskader. Der zunächst vor allem männlich besetzte DAV-Expeditionskader besteht seit genau 20 Jahren. In der kommenden Woche begeht der Deutsche Alpenverein den Geburtstag dieser besonderen Einrichtung zur Förderung junger Spitzen-Alpinistinnen und -Alpinisten. 

Eigentlich hätte das Auswahlcamp für den neuen Frauen-Expeditionskader wie üblich im Montblanc-Gebiet stattfinden sollen, doch wegen Corona blieb das Team im Lande. Auf den Gipfeln im Karwendel aber fand die Bergführerin Caro North in dieser Woche Verhältnisse vor wie bei einer winterlichen Hochtour. Zum vierten Mal wurden sechs junge Spitzen-Alpinistinnen für den neuen Expeditionskader der Frauen ausgewählt. Drei Jahre lang durchlaufen sie jetzt rund ein Dutzend verschiedene Lehrgänge zu allen Fassetten des Alpinismus, erklärt die Bergführerin und Ausbilderin Dörte Pietron.

Die drahtige Heidelbergerin war selbst die erste und einzige Frau, die es 2003 mit gerade einmal 22 Jahren in den damals noch gemischten Kader geschafft hat. Seitdem hat sie viel dazugelernt. Dörte Pietron ist auch ein Beispiel dafür, wie der Expeditionskader des Alpenvereins zu einem Sprungbrett in den Beruf werden kann.

Grundsätzlich geht es im Expedkader um Leistung, aber auch darum, diese richtig zu dosieren. Nicht bei einem Kaderlehrgang, aber im Umfeld des Expeditionskaders ist es trotzdem auch zu tragischen Unfällen gekommen. Florian Storkenmaier vom Bodensee, der im aktuellen Männerkader klettert, beschreibt, wie man hier mit dem Thema Risiko angesichts objektiver Gefahren umgeht.

Entstanden ist der Expedkader im Jahr 2000. Damals begann der kometenhafte Aufschwung des Sportkletterns, während der Nachwuchs im Allround- und Hochtourenbergsteigen ausblieb. Tom Strobl managt den Ausrüster des Kaders, er war damals im Ausschuss für Auslandsbergfahrten des DAV, wo regelmäßige Trainingsexpeditionen organisiert wurden. Daraus entstand dann die Idee zu einem Expedkader mit der dreijährigen Ausbildung. Damit wurde der Expedkader zum Vorbild für ähnliche Alpinkader in anderen Ländern. Wie gut das Konzept ankommt, zeigt auch, dass sich jetzt 30 junge Frauen für die aktuelle Auswahl mit ihren Tourenberichten beworben hatten: Sechs von ihnen werden nun ihre dreijährige Kaderzeit beginnen, die danach dann hoffentlich wieder traditionell mit einer großen Abschlussexpedition enden wird.

Ausführliche Interviews zum Expeditionskader gibt es auch in einem Podcast des DAV unter www.alpenverein.de/bergpodcast, der ab dem 27 Oktober online steht.


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