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Die Alpenkönigroute in den Hohen Tauern Versteckter Traumpfad vom Maurertal ins Umbaltal

Wer zum Bergsteigen in die Alpen geht, sucht meist ein schönes Naturerlebnis, Ruhe und die bergsteigerische Herausforderung. All das bietet die Alpenkönigroute im Nationalpark Hohe Tauern. Fernab der Massen lockt hier ein einsamer hochalpiner, traumhaft schöner Übergang am Rand der Venedigergruppe in Osttirol. Die Panorama-Wanderung führt auf knapp 3000 Metern von der Essener-Rostocker-Hütte im Maurertal zur Clara-Hütte im Umbaltal.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 05.09.2019

Osttirol: Start an der Essener Rostocker Hütte | Bild: BR/Ulrike Nikola

Für Bergführer Sigi Hatzer ist die Alpenkönigroute eine der schönsten Touren in den Ostalpen. Mit seiner Gruppe macht er sich vor der Essener-Rostocker-Hütte bereit, während die Sonne gerade erst aufgeht. Vor uns liegt eine siebenstündige Bergtour über ein einsames Kar mit herrlichen Bergseen, rund tausend Meter über dem Umbaltal. Die Alpenkönigroute ist ein wohlgehütetes Geheimnis ohne jegliche Wegmarkierung. Neben Ausdauer und Trittsicherheit braucht man daher ein gutes Orientierungsvermögen und sollte sich am besten einem Bergführer anschließen.

Bergführer Sigi Hatzer

Zunächst geht es von der 2208 Meter hoch gelegenen Essener-Rostocker Hütte über ein kleines Hochmoor voller Wollgras hinüber zur markanten Quirl-Wand. Der steile Felsaufschwung mündet oben in einen schneidigen Grat und fällt nach Norden hin ziemlich steil ins Maurertal ab. Ein bisschen schweißtreibend ist der Aufstieg an der Quirlwand mit ein paar Stellen zum Kraxeln schon, doch der Rundumblick vom Quirlsattel beziehungsweise der Hochkar-Scharte auf 2888 Metern ist grandios: Die gesamte Venedigerkrone mit dem Großvenediger glänzt schneebedeckt vor uns im Sonnenlicht, dazu im Süden die Lasörlinggruppe und im Osten die Schobergruppe – gewaltig!

Unterwegs zu den namenlosen Bergseen

Wir machen eine Pause und packen die mitgebrachten Brote aus, denn es gibt auf der Alpenkönigtour keine Hütte, aber viel abwechslungsreiche Natur. Zwischen Alpenrosen sind wir am Morgen gestartet, über das Hochmoor zum Fels gelangt und nun geht es weiter über ein graues Schiefer- und Geröllfeld, auf dem es sich dann gut „abfahren“ lässt zu den grünen Wiesen in der Hohen Grube. Hier glitzern einsame, namenlose Bergseen blaugrün unter Eisresten. Wir queren ein letztes Schneefeld und gelangen an einen fast magischen Ort: Eingerahmt von den steil aufragenden Felswänden des Ogasils spiegelt sich der Himmel im klaren Bergwasser. Mitten in diesem einsamen Paradies holt Bergführer Sigi Hatzer eine Mundharmonika aus seinem Rucksack und spielt für uns ein Lied. Es ist schwer, sich von diesem schönen Ort loszureißen. Wir folgen ein Stück dem Wasser, das von den Seen talwärts fließt.

Gipfelglück bei bestem Wetter

Die Alpenkönigroute ist übrigens nach dem Bergführer Alois Bergner aus Prägraten benannt, der mittlerweile schon über 80 Jahre alt ist. Früher hat er regelmäßig Gäste über den Quirl geführt. Weil er oft als „Alpenkönig“ tituliert wurde, hat diese schöne Panorama-Wanderung dann den Namen Alpenkönigroute bekommen. Weil die Tour überwiegend durch wegloses Gelände führt und es auch nur eine Stelle gibt, an der man zur Clara-Hütte absteigen kann, ist ein erfahrener Bergführer angeraten. Vor allem bei schlechter Sicht oder Nebel sind gute Gelände- und Ortskenntnis unerlässlich.

Vor dem letzten Abstieg bilden wir eine Seilschaft. Über 600 Meter fällt die Bergflanke vor uns hinab zur Clara-Hütte. Kein Weg ist erkennbar, nur Spuren, die Gämsen und Steinböcke hinterlassen haben. Stolpern darf man hier nicht! Der eineinhalbstündige Abstieg fordert volle Konzentration und Trittsicherheit, am Ende sind wir erst einmal geschafft. Doch die fantastische Bergkulisse und die unberührte Natur auf der Alpenkönigroute werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Karte: Nationalpark Hohe Tauern

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Nationalpark Hohe Tauern


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