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Neuanfang in den Hohen Tauern Porträt der Hüttenwirtin Caro Freisleben

Was wäre eine Bergtour ohne einen Stützpunkt, ohne Hütte oder Alm, auf der es ein warmes Bett und etwas zu Essen gibt! Vermutlich wäre es eine rechte Plackerei. Doch auch Bergsteiger zu bewirten ist manchmal genau das: viel Arbeit. Hüttenwirt zu sein ist dennoch für den einen oder die andere ein Lebenstraum. So auch für Caro Freisleben.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 25.05.2019

Ein Porträt der Hüttenwirtin Caro Freisleben | Bild: BR; Kilian Neuwert

Die Oberpfälzerin ist mehrere Autostunden von den Alpen entfernt aufgewachsen, verfolgt aber genau diesen Traum seit langem. Vor zwei Jahren schien er schon einmal in greifbarer Nähe: Die Oberpfälzerin bewirtete die Sudetendeutsche Hütte in den Hohen Tauern – doch nach einer Saison war Schluss. Nun hat Caro Freisleben ein neues Ziel vor Augen und lässt nicht locker.

Eine Hütte nach dem Winter in Betrieb zu nehmen, kommt manchmal einer kleinen Expedition gleich.

Exakt 2394 Höhenmeter trennen den gegenwärtigen Arbeitsplatz von Caro Freisleben von ihrem zukünftigen: Noch sitzt die 35-Jährige in Wolfsegg bei Regensburg am Gartentisch, vor sich ein aufgeschlagenes Rezeptbuch. In der Sonne plant Caro Freisleben, was sie kochen will, wenn es losgeht. Denn schon bald wird sie das Heinrich-Schwaiger-Haus führen. Es liegt auf 2802 Metern Höhe in der Glocknergruppe. Wenn man schon einmal eine eigene Hütte gehabt hat, sagt sie, dann kann man es einfach nicht lassen. Die eigene Hütte – im Falle der gelernten Bürokauffrau war das die Sudetendeutsche Hütte in der Granatspitzgruppe. Doch die Bewirtung der Sudetendeutschen Hütte blieb ein Intermezzo für nur eine Saison im Sommer 2017, denn die Hütte war sehr schwierig zu bewirtschaften. Laut Caro Freisleben ist sie ist zu unbekannt, liegt sehr abgelegen, und es kommen zu wenig Gäste, damit das Ganze rentabel ist. Dazu kam, dass sich die Oberpfälzerin noch im damaligen Hüttensommer von ihrem Lebensgefährten getrennt hat.

Heute sitzt Caro Freisleben - blonde Haare, randlose Brille, rosafarbene Kapuzenjacke - alleine am Gartentisch über den Rezepten. Eine Hütte gemeinsam zu bewirtschaften, resümiert sie, ist für eine Partnerschaft eine extreme Belastungsprobe. Es beginnt damit, dass man jeden Tag von früh bis spät arbeitet - jeden Tag! Privatsphäre gibt es so gut wie keine. Man sitzt aufeinander und muss die Probleme lösen, und die Angestellten bekommen alles mit. Da muss eine Beziehung sehr gefestigt sein, um all das unbeschadet zu überstehen.

Für Caro Freisleben soll hier endlich ihr lang gehegter Traum in Erfüllung gehen.

Die Fragen nach dem Vergangenen scheinen die 35-Jährige kaum zu berühren. Sie blickt nach vorn und hat das, was war, als Erfahrung verbucht. So bekommt man den Eindruck, dass da eine zupackende Frau vor einem sitzt, die recht genau weiß, was sie alles erwartet – auf ihrer neuen Hütte. Als Hüttenwirt muss man Koch, Handwerker und Betriebswirt in einem sein, Erfahrung in der Servicetechnik besitzen und vom Rettungsdienst bis zur Seelsorge alles bewältigen, und wenn es pressiert, auch noch in der Nacht. Genau diese Aufgaben-Vielfalt ist es, die für Caro Freisleben den Reiz des Berufs ausmacht. Gewürzt ist er ohnehin mit einer Prise Risiko und Unwägbarkeit.

Blick in die Ferne: Mit diesem Ausblick werden für Caro Freisleben die Tage im Sommer beginnen und enden.

Die größte Herausforderung für Caro ist die ganze Hüttentechnik. Man kann vom Wasserrohrbruch bis hin zu einem totalen Stromausfall alles erleben und weiß dann als Laie manchmal gar nicht, wo man anfangen soll nach der Ursache zu suchen. Nichtsdestotrotz: Am 28. Juni geht es für die 35-Jährige nun los auf dem Heinrich-Schwaiger-Haus, das zur Alpenvereinssektion München gehört. Anders als die einsam und abseits gelegene Sudetendeutsche Hütte ist es ein gern und gut genutzter Stützpunkt. Allein schon die hochalpine Umgebung mit dem 3564 Meter hohen Wiesbachhorn verspricht deutlich mehr Besucher. Dazu kommen viele Bergschulen, die den einfachen Dreitausender zu Ausbildungszwecken nutzen. Fünf Jahre lang will Caro Freisleben nun das Heinrich-Schwaiger-Haus bewirtschaften – und dieses Mal soll ihr Traum Wirklichkeit werden!

Karte: Die Sudetendeutsche Hütte

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Karte: Die Sudetendeutsche Hütte


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