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Achttausender-Legende Kurt Diemberger 60 Jahre Erstbesteigung des Dhaulagiri

Es gibt nur zwei Menschen, die gleich zwei Achttausender erstbestiegen haben: der bereits verstorbene Hermann Buhl und Kurt Diemberger.

Von: Ernst Vogt

Stand: 09.05.2020

Dem gebürtigen Villacher und heute in Bologna lebenden Kurt Diemberger ist 1957 die Erstbesteigung des Broad Peak geglückt und am 13. Mai 1960 die Erstbesteigung des 8167 Meter hohen Dhaulagiri. Der Extrembergsteiger, Kameramann, Filmemacher und Autor gilt als Achttausender-Legende.

Im Gespräch mit Ernst Vogt blickt er auf die Erstbesteigung des Dhaulagiri, des siebthöchsten Berges der Welt vor 60 Jahren zurück.

Der Traum vom höchsten Postamt der Welt

Der Dhaulagiri

Rückblickend bezeichnet Kurt Diemberger die Expedition zum „Weißen Berg“ als eine „glückliche Expedition“. Der Schweizer Expeditionsleiter Max Eiselin hat schon damals den europäischen Gedanken vorweggenommen, indem er auch Gäste aus Österreich, Deutschland und Polen mitnahm. Zwar klappte bei weitem nicht alles, aber letztlich war es – so Diemberger – eine Expedition voller köstlicher Abenteuer. Eiselin hatte zum Beispiel die Idee, das Unternehmen durch den Verkauf von Postkarten zu finanzieren und wollte das „höchste Postamt der Welt“ am Dhaulagiri einrichten, hoch oben auf dem Gletscher. Das ging nur mit Hilfe eines Gletscherflugzeugs. Das Kleinflugzeug wurde auf den Namen „Yeti“ getauft und sollte auch die Mannschaft ein Stück weit hinaufbringen. Letztlich verunglückte der „Yeti“ bei einem schwierigen Startmanöver, wobei die beiden Piloten unverletzt blieben. Die Nepalesen hatten auch das Postamt auf dem Gletscher nicht genehmigt und so schrieben die Expeditionsteilnehmer am Ende eine Woche lang in Kathmandu 16.000 Postkarten; jeder der Empfänger hatte mit einer kleinen Spende zur Finanzierung des Unternehmens beigetragen.

Wolkenschauspiele am Gipfel

Ernst Forrer aus dem Gipfelteam

Am Gipfeltag, dem 13. Mai 1960, hatten die Bergsteiger richtig Glück mit dem Wetter. „Es war so absolut ruhig dort droben, windstill, dass wir uns auf dem Gipfel noch hinlegen und den Wolkentürmen zuschauen konnten, die rings um uns in die Höhe geschossen sind“, erinnert sich Kurt Diemberger. Das Gefühl, als erster Mensch den Fuß auf einen Achttausendergipfel zu setzten, beschreibt der heute 88-Jährige als „überwältigend“. Vor allem auf den letzten Metern fühlte er sich „von einem Wirbel von Gefühlen höhergetragen“. 60 Jahre nach der Erstbesteigung schreibt Kurt Diemberger nach wie vor Bergbücher – seine Achttausender-Erinnerungen kann man in „Aufbruch ins Ungewisse“ (Malik) nachlesen – und ist aktives Mitglied der Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness.

Karte: Der Dhaulagiri

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Karte: Der Dhaulagiri


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