2

Vom grünen Bergresort Gulmarg ins ewige Eis Schneetreiben in Kaschmir

Dass jemand noch nie Schnee gesehen und gefühlt hat, das kann man sich in unseren Breiten gar nicht vorstellen. In Indien mit seinen 1,2 Milliarden Bewohnern ist das allerdings die Regel. Umso bemerkenswerter ist es somit, dass seit ein paar Jahren indische Touristen die Berge des Himalayas in Kaschmir für sich entdeckt haben.

Von: Georg Bayerle

Stand: 09.06.2018

Vom grünen Bergresort Gulmarg ins ewige Eis | Bild: BR; Georg Bayerle

Diese Gebirgsgegend hat auch in Deutschland einen besonderen Klang. Leider wird Kaschmir seit Jahrzehnten von Unruhen erschüttert, aber wenn man für einen Besuch einmal eine ruhige Phase erwischt, dann verbinden sich urkomische mit überwältigenden Eindrücken.

Sie sagen, es ist die höchste Seilbahn der Erde

Es sei die höchste Seilbahn der Welt, heißt es stolz, die vom grünen Bergresort Gulmarg auf rund 4000 Meter hinaufführt – die Höhenangaben dazu schwanken, was typisch ist für den indischen Himalaya. So stimmt auch der Weltrekord nicht ganz, aber das macht Visonath Sen aus Kalkutta gar nichts aus, der mit Frau und Kind so wie Hunderten anderen indischen Touristen da hinauf will, um Eisfelder zu sehen und sich damit einen Lebenstraum zu erfüllen.

Touristenattraktion Schnee

Nach dem Verlassen der Bergstation spielen sich in der dünnen und kühlen Luft unglaubliche Szenen ab: Dutzende in wollene Hirtengewänder gehüllte Kashmiri erwarten die häufig südlich gekleideten und sandalenbeschuhten Touristen. An provisorischen Ständen mit Plastikplanen helfen sie mit Ausrüstungsgegenständen aus, vor allem mit schneetauglichen Schuhen respektive Gummistiefeln. Weil die aber viel zu sehr rutschen, warten 50 Meter weiter am Schneefeld schon die nächsten Serviceleute: drahtige, sonnenverbrannte Kashmiri, die sich selbst anfeuernd die indischen Touristen in einer langen Reihe auf Schlitten das Schneefeld hochziehen. Zwar könnten sie seitlich über grobes Geröll auch normal aufsteigen, aber dieser händische Schlittenaufzug über rund 100 Höhenmeter, für den die geschäftstüchtigen Kashmiri manchem Touristen mehr als 10 Dollar abknöpfen, muss sein. Die ganz Mutigen stellen sich dann noch in inniger Umklammerung bei so genannten Skilehrern auf meist vorsintflutliche Brettl und rutschen im Zweierpack quer über das Schneefeld. Es sind Szenen, die für berggewohnte Europäer geradezu absurd wirken, und doch beherrscht vor allem das Staunen über die Wunder der Hochgebirgslandschaft die Szene sowie der Eindruck, dass viele von ihnen etwas Größeres bisher nicht gesehen oder erlebt haben.

Schlittenaufzug auf den Berg

Wer ein paar Schritte geht, der hat es sofort einsam und gelangt in eineinhalb Stunden zum halbvereisten „Frozen Lake“ und auf rund 4500 Meter hohe Gipfel. Nur den 8125 Meter hohen Nanga Parbat jenseits der pakistanischen Grenze sehen wir heute nicht, bestätigt Showkat, einer der Skilehrer, weil er zusammen mit all den Siebentausendern in dichten Wolken steckt. Die Urgesteinslandschaft mit Blumen bis auf die Gipfel wirkt hochalpin, von 3500 Metern an abwärts gleitet die Gondel durch Kiefern, Tannen und Koniferen und über Almwiesen mit Kühen, Ziegen und Schafen.

Seelilien

Das legendäre Zentrum der ganzen Gegend aber ist Srinigar, der alte Handelsort am malerischen Dal-See, wo Shikaras, kleine flache Ruderboote, und die kastenartigen Hausboote das Bild bestimmen. Das Hausboot, auf dem wir uns befinden stammt von Briten, sagt Showkat Khan, der Inhaber. Die einstigen Transportschiffe auf dem See haben Armeeangehörige während des Zweiten Weltkriegs touristisch umgebaut. Der Aufenthalt im Hausboot in der überirdischen Ruhe und Stille des Sees bietet ein besonderes Erlebnis. Schier lautlos gleiten die Shikaras durch ein Meer blühender Wasserlilien auf verschwiegenen Kanälen und an den schwimmenden Gemüsegärten vor bei über den Dal-See. Diese Beete heben und senken sich mit dem Wasser. Mit Tomaten, Gurken, Bohnen und anderem Gemüse vom See wird die Stadt Srinagar versorgt. Grün und fruchtbar ist das gesamte Region, weshalb sie auch „die Schweiz des Himalaya“ genannt wird. Für indische Touristen wie für Europäer ist es eine einzigartige Landschaft.

Karte: Bergresort Gulmarg

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Bergresort Gulmarg


2