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Vier Südtirolerinnen und ihr erster Gletscherberg Der Hohe Weißzint in den Zillertaler Alpen

Einmal über 3000 Metern stehen, auf einem Gletscherberg - das ist ein Erlebnis, von dem viele träumen. Es gibt eine ganze Reihe von Paradegipfeln, die nicht schwer und, vorausgesetzt es herrschen gute Verhältnisse, auch für weniger Erfahrene machbar sind. Der Hohe Weißzint in den Zillertaler Alpen ist so ein Kandidat. Der 3371 Meter hohe Gipfel steht etwas im Schatten seiner berühmten Nachbarn Hochfeiler und Großer Möseler, aber als Gipfel im Zillertaler Hauptkamm braucht er sich keineswegs verstecken. So ist der Hohe Weißzint ein Ziel, das sich eine Gruppe von Südtirolerinnen ausgesucht hat.

Von: Georg Bayerle

Stand: 26.09.2020

Vier Südtirolerinnen und ihr erster Gletscherberg | Bild: BR; Georg Bayerle

Aufgebrochen sind sie mit dem Tagesanbruch – es ist die köstlichste Stunde am Berg.

Aufbruch von der Edelrauthütte

Schnell sind sie im Morgenlicht gut 300 Höhenmeter von der Edelrauthütte zur Moränenkante aufgestiegen. Heidi, Maria, Petra und Sabine aus Meran unternehmen jedes Jahr eine gemeinsame Tour. Die Aussicht auf ihren ersten Gletschergipfel ist eine neue Herausforderung, weshalb alle jetzt auch etwas aufgeregt sind. Die vier Südtirolerinnen schließen sich uns an, das hat sich am Abend zuvor auf der Hütte so ergeben. Umkehren können sie ja immer noch, wenn die Route zu streng oder die Verhältnisse doch zu schwierig werden. Aber die Bedingungen sind ideal, hat der Hüttenwirt Much Weissteiner versprochen, und so haben sie sich auf das Abenteuer eingelassen.

Aufstieg am Weißzintferner

Auf etwa 3000 Metern erreichen wir den kleinen Rest des Weißzintferners – nur noch ein etwas größeres Schneefeld, das sanft geneigt, nahezu spaltenlos und nach einer Kaltfront in den Vortagen mit einer bestens begehbaren Schneeauflage versehen ist. Zwei Frühaufsteher kommen uns da schon entgegen – ausgelassen, mit großen Sprüngen bergab durch den Schnee. Es sind Einheimische aus dem Pustertal, die mal schnell eine lohnenswerte Tour gemacht haben. Immer prachtvoller schieben sich aus allen Richtungen immer mehr Berggipfel über den Horizont, nachdem wir die Weißzint-Scharte erreicht haben. Eine sanfte Querung führt jetzt über den oberen Gliderferner mit dem benachbarten Hochfeiler. Dann folgt mit dem Bergschrund das einzige echte Kriterium der Tour. Doch der Bergschrund ist tief verschneit, so wie es vom Hüttenwirt beschrieben worden war. Dann geht es im guten Trittschnee noch eine kurze steile Schneeflanke hinauf und der Gipfel ist erreicht.

Glück ist...

Alle vier Damen haben es geschafft und genießen jetzt das Gipfel-Glücksgefühl und das Panorama: reinweiß verschneite Zillertaler Gipfel, weiter im Norden ein Wolkenmeer, von Osten über Süden bis in den Westen nichts als Berge – Ortler, Marmolada und wie sie alle heißen. Im Vergleich zu diesen klingenden Gipfelnamen erscheint der Hohe Weißzint wie ein Niemand. Aber das ist ein Irrtum, zählt er doch zu den ganz besonders eindrucksvollen Dreitausendern, die auch für weniger geübte Bergsteiger machbar sind.

Karte: Der Hohe Weißzint

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Karte: Der Hohe Weißzint


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