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Hochtour auf den Großvenediger Ein Besuch der „weltalten Majestät“

Der Großvenediger belegt den vierten Platz in der Rangliste der höchsten Gipfel von Österreich - je nach Schneehöhe misst er 3666 Meter. Der Großvenediger in den Hohen Tauern besticht durch seinen immer schneebedeckten Gipfel und den formschönen Grat. Bergsteigerisch ist die Tour auf den Großvenediger nicht schwer, aber die Höhe und vor allem die Spalten im Gletscher sind eine Herausforderung. Deshalb ist der Aufstieg nur mit einem Bergführer zu empfehlen, und für viele ist der Großvenediger die erste Tour mit einer Gletscherüberquerung.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 17.08.2018

Großvenediger: Vom Defreggerhaus über Mullwitz Aderl | Bild: BR/Ulrike Nikola

Draußen vor dem Defreggerhaus machen sich in aller Herrgottsfrüh die Bergsteiger fertig, während sich das Morgenrot über die Gipfel der Venedigergruppe legt. Sigi Hatzer von den Venediger-Bergführern hilft seiner Seilschaft mit dem Anlegen der Ausrüstung. Hinter der Hütte führt ein kurzer Anstieg auf den Rücken des Mullwitz-Aderls, dem Anseilpunkt der Gletschertour. Von hier blicken die Großvenediger-Aspiranten auf das blendende Weiß des Rainerkees und auf die Großvenedigerkrone mit all den Dreitausendern ringsum.

Bergführer Sigi Hatzer bereitet die Seillängen vor

Jetzt im Sommer reichen die leichteren Grödel für den Aufstieg, da der Gipfelgrat nicht vereist ist. Die schweren Steigeisen kommen erst wieder im Herbst zum Einsatz. Sigi Hatzer führt die Seilschaft an. Wie auch die anderen Venediger-Bergführer ist er immer mit einem gut zwei Meter langen Haselnussstab unterwegs, der speziell am Gletschers den Vorteil hat, dass man bei den Spalten besser sondieren kann als mit einem kürzeren Pickel oder den Stöcken. Auch für eine eventuell notwendige Spaltenrettung kann man mit dieser Alpenstange einen guten Anker machen, und beim Bergabgehen entlastet der lange Haselnussstab ideal die Gelenke.

Bergsteigerisch ist die Großvenediger-Tour nicht schwer, aber die Höhe über 3000 Metern strengt an, die Spalten im Gletscher sind dazu tückisch und verändern sich laufend. Wenn es in der Nacht nicht gefriert und der Schnee sehr weich ist, dann kann man auch durch eine meterdicke Schneebrücke brechen und in eine Spalte stürzen, vor allem im wild zerrissenen Rainerkees. Der erfahrene Bergführer kann das Eis lesen, also die unterschiedlichen Verfärbungen deuten, und er weiß, wo es Eisbrücken und Spalten unter dem Schnee gibt. Zwischen Hohem Aderl und Rainerhorn schnaufen wir hinauf zum Rainertörl. Auf knapp 3500 Meter Höhe sind schon Dreiviertel des Aufstiegs geschafft, nun sind es nur noch 40 Minuten bis zum Gipfel des Großvenedigers. Bald wird Bergführer Sigi Hatzer ein Jubiläum begehen. Nur noch 25 Aufstiege fehlen bis er dann zum 1000. Mal auf der „weltalten Majestät“ steht.

Wolkenlücke am Gipfel des Großvenedigers

Weil es sehr windig und kühl ist, machen wir uns bald auf den Rückweg. Unterwegs erzählt der Bergführer, dass die Gletscherzungen in den vergangenen dreißig Jahren über mehrere hundert Meter zurückgegangen sind. Auf 3400 Meter Höhe ist der Gletscher noch ungefähr 200 Meter dick. Das Rainerkees ist ständig in Bewegung, man sieht dunkle und helle Schichten. Die dunklen Schichten entsprechen den Sommermonaten, in denen Staub und Sand komprimiert werden. Die hellen Schichten signalisieren die Wintermonate und verraten, wo es stark geschneit hat und ob der Winter schneereich war. Das leise Rauschen der Gletscherbäche begleitet den Abstieg zurück zum Defreggerhaus, und der Faszination der Gletscherwelt kann sich noch lange keiner entziehen.

Karte: Defreggerhaus und Großvenediger

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Defreggerhaus und Großvenediger


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