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Gipfeltour auf den Mera Peak Ein leichter Sechstausender im Makalu-Barun-Nationalpark

Der Mera Peak in Nepal ist für viele ambitionierte Alpinisten ein Traumziel. Schon der Anmarsch zu dem entlegenen Berg im Makalu-Barun-Nationalpark bietet ein einzigartiges Erlebnis. Zudem weist der vergletscherte Gipfel nicht allzu große technische Schwierigkeiten beim Anstieg auf, und man kann daher relativ einfach über die magische 6000-Meter-Marke hinaus bis auf 6461 Meter Höhe klettern.

Von: Folkert Lenz

Stand: 28.12.2018

Der Mera-Pass: Das nächste Etappenziel schon fest im Blick  | Bild: BR/Folkert Lenz

Eine fordernde Unternehmung ist die Besteigung aber trotzdem, auch wenn der Mera Peak offiziell in Nepal noch zu den „Trekking-Gipfeln“ zählt.

Mantra-Singsang - der Auftritt des Mönches im Drachenhöhlen-Kloster von Tangnak wirkt schamanenhaft, während er Segenssprüche vor sich hinmurmelt. In der kühlen Felsnische des Mini-Heiligtums kauert eine Handvoll Bergsteiger des Bremer Alpenvereins auf den hölzernen Sitzbalken und verfolgt die Puja, das Ritual, das Buddhisten vor dem Aufbruch zu einer großen Reise feiern. Man weiß, dass es ernst wird beim Bergsteigen, wenn eine solche Puja ansteht. Die Spitze des Mera Peak scheint zwar nicht mehr fern, doch es sind noch fast zwei Kilometer Höhendifferenz vom Boden des Hinku-Tals bis zum Ziel auf über 6400 Metern. Anderthalb Wochen Anmarsch durch Terrassenfelder, Rhododendron-Wälder und den Nebel-Dschungel liegen hier bereits hinter einem.

Kraft-Tankstelle: Im Hochlager wartet ein Nickerchen

In Khare, einem kleinen Bergdorf auf 4800 Meter Höhe, gibt es die letzte Chance zum Verschnaufen vor dem Gipfelaufstieg. Es ist die letzte Möglichkeit, den Körper mit Akklimatisationswanderungen an die dünne Luft zu gewöhnen. Die Spannung unter den Mera-Peak-Aspiranten steigt. Dann geht es in stundenlanger Kraxelei über verschneites Schutt-und Blockwerk-Gelände bis zum Fuße des Gletschers und an zwei Fixseilen über zwei Steilstufen im Firn. Nach dem Mera Pass kommt langsam die Felsinsel in Sicht, auf der das Hochlager steht. Bis zur Ankunft vergehen aber noch Stunden in monotoner Stapferei durch den Schnee. Nach dem Passieren der 5000-Meter-Marke spürt auch der eine oder andere den fehlenden Sauerstoff in der Luft. 60 Schritte, dann fordert die dünne Luft eine Pause.

Gletscherspalten und Höhensturm: Der Mera Peak zeigt die kalte Schulter

Das Wetter ist nicht wirklich schlecht, doch in der großen Höhe wirkt das einsetzende Schneetreiben bedrohlich. Manchmal ist die Spur kaum zu erkennen, man sieht nur Stock-Einstiche rechts und links. Doch die Trasse führt schnurstracks ins Camp auf 5700 Meter Höhe. Auf Felsabsätzen und kleinen Terrassen drängeln sich hier die Zelte unmittelbar neben dem blauen Eis eines Gletscherabbruchs. Die Behausungen bieten ein bisschen Schutz für eine schlaflose Rast. Nachts um drei Uhr geht es weiter. Kälte und kniehoher Schnee bringen einige Bergsteiger an ihre Grenze.

Mount Everest: Der höchste Berg der Erde will sich hinter dem Autor (Folkert Lenz) verstecken

Firnhänge, Stapfen. Gletscherspalten, Stapfen. Ein letzter Steilaufschwung, Stapfen. Dann ist der höchste Punkt erreicht. Ein Gefühls-Wirrwarr entsteht am Gipfel, als der Höhenmesser am Handgelenk 6461 Meter anzeigt. Nicht nur der Wind treibt Tränen in die Augen. Mount Everest, Lhotse, Kangchendzönga und weitere Achttausender sind im Blick, dazu schneebedeckte Himalajya-Gipfel bis zum Horizont. Nach außen hin schweift der Blick über das Panorama. Das Innere denkt zurück an den Mönch, der einen erst fünf Tage zuvor ins alpine Abenteuer Mera Peak entlassen hat.

Karte: Sherpaland

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Sherpaland


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