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Der Gipfel-Geiger Nuno Santos Spiel auf den höchsten Wellen und höchsten Bergen

Wenn ein neues Jahr anbricht, dann setzt man sich oft ein Ziel, das man erreichen möchte: vielleicht ein besonderer Weitwanderweg oder eine spezielle Gipfelbesteigung. Einer, der die sieben höchsten Gipfel der Welt, die Seven Summits, besteigen will, ist der Portugiese Nuno Santos. Das allein wäre nicht so besonders, wäre da nicht seine Geige, die er mit auf den Berg trägt und auf jedem Gipfel spielt.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 04.01.2019

Nuno Santos spielt Geige auf dem 5897 Meter hohen Cotopaxi Vulkan in Ecuador | Bild: Nuno Santos

Und nicht nur dort, sondern ebenso auf den höchsten Wellen der Welt, die er surft und dabei auf dem Surfbrett geigt. Schier unglaublich, doch der 37-Jährige ist im portugiesischen Nazaré aufgewachsen, wo die Herbststürme hohe Wellen mit über 20 Metern heranpeitschen. Das Surfen wurde Nuno Santos sozusagen in die Wiege gelegt, das Bergsteigen aber musste er sich hart erarbeiten. Für 2019 hat er sich nun den höchsten Berg in Südamerika vorgenommen: den 6961 Meter hohen Aconcagua an der Grenze von Chile und Argentinien.

Nuno Santos spielt sich kurz auf seiner Geige ein. Dann präsentiert er sein Lieblingslied „Fire“. Der Titel dieses Musikstücks steht für das Verlangen, das in ihm brennt – nach der Musik, dem Meer und den Bergen. Sowohl in den Bergen als auch in den Wellen erkennt er immer wieder, worum es im Leben wirklich geht – nämlich darum, seine Balance zu finden.

Nuno Santos spielt Geige auf dem Surfbrett in einer Welle vor Nazaré

Nuno Santos hat großen Respekt vor den 20 Meter hohen Wellen, die im Winter vor seinem Heimatort Nazaré an die portugiesische Küste peitschen, und genauso viel Respekt hat Nuno Santos vor dem Gebirge. Man muss, so sagt er, sehr gefestigt sein und an sich glauben, wenn man auf einen Berg steigt, zumal dabei auch die Gefahr besteht, zum Beispiel einen Finger zu verlieren und nie mehr Geige spielen zu können. Deshalb nimmt er die Vorbereitung auf jede Wellen- oder Gipfeltour sehr ernst. Doch wie bereitet man sich in einem portugiesischen Küstenort auf einen Fast-Siebentausender vor? Nuno Santos ist von kräftiger Statur, er läuft jede Woche, steigt aufs Rad, absolviert Trainingseinheiten im Fitnessstudio und auf dem Surfbrett. Das Höhentraining wird er zeitgleich mit der Eingewöhnung vor Ort machen – Hochsteigen und zum Schlafen wieder Absteigen und dann wieder zurück nach Quito, immer wieder und wieder.

Nuno Santos im Hafen von Nazaré

Die Seven Summits in sieben Jahren – das ist das erklärte Ziel von Nuno Santos. In diesem Jahr startet er also mit dem Aconcagua, 2026 will er zuletzt den Everest besteigen und bis dahin auch die höchsten Wellen der Welt im Nord- und Süd-Pazifik, Nord- und Süd-Atlantik und im Indischen Ozean surfen. Die höchsten Berge im Gebirge und die höchsten Wellenberge im Meer haben seiner Meinung nach viele Gemeinsamkeiten. Weil es extreme Umgebungen sind, gibt es auch extreme Situationen, in denen das Innerste nach außen gekehrt wird, sowohl die Stärken als auch die Schwächen. So lernt man sich und seine Grenzen sehr gut kennen und dazu elementare Dinge wie Balance, Mut und Demut, resümiert der Geiger.

Das Instrument, das Nuno Santos mitnimmt, ist natürlich keine wertvolle Stradivari, sondern eine günstige, aber widerstandsfähige Geige. Auf dem Mount Everest will er die „Ode an die Freude“ von Beethoven spielen. Der studierte Musiker liebt aber auch den portugiesischen Fado, der zugleich Lebensfreude und Melancholie ausdrückt. Nuno Santos ist schon jetzt berühmt, noch bevor er auf den sieben höchsten Berggipfeln und Wellen gegeigt hat. Im Leuchtturm-Museum in Nazaré sind bereits eine Geige und ein Surfbrett von ihm ausgestellt.


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