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Hans Engl aus Waakirchen zum 75. Geburtstag Als erster Deutscher auf dem Everest ohne künstlichen Sauerstoff

Was verbindet Reinhold Messner und Peter Habeler mit Hans Engl? Es ist der Mount Everest – der höchste Berg der Welt! Messner war der erste Südtiroler, der ohne künstlichen Sauerstoff am Gipfel stand, Peter Habeler der erste Österreicher und Hans Engl aus dem oberbayerischen Waakirchen der erste deutsche Bergsteiger.

Von: Angela Braun

Stand: 10.10.2019

Hans Engl | Bild: picture-alliance/dpa

Das wissen aber nur Bergsteiger, Wegbegleiter und ein paar Freunde. Denn Hans Engl hat nie viel Aufhebens gemacht um diese außergewöhnliche Leistung im Oktober 1978. Am 12. Oktober 2019 wird Hans Engl 75 Jahre alt.

Ein Glückstag: der Aufstieg am 14. Oktober 1978

Die Everest-Leute auf der Bühne

„Nachts war Sturm und wir haben nicht schlafen können. In der Früh hat der Wind nachgelassen. Und Sepp hat gesagt, „jetzt gemma“! Sepp hat gespurt und ich bin schön langsam hinter ihm nachgestapft.“ – so beschreibt Hans Engl den 14. Oktober 1978, „einen Glückstag“, an dem er den Gipfel des Mount Everest erreicht hat. Engl war Teilnehmer der Herrligkoffer-Expedition. Dass er als einziger ohne künstlichen Sauerstoff hinaufkam, das hatte auch mit der Ausrüstung zu tun. Denn es gab ein Problem mit den Sauerstoffmasken, erinnert sich der Waakirchner. Da wurde dann überlegt, wer eine bekommt und wer nicht. Engl hat den anderen Expeditionsteilnehmern im Oktober vor 41 Jahren die Entscheidung abgenommen und gesagt: „Ich versuch es einfach so“.

Es sei eine starke Mannschaft damals gewesen, betont Engl. Die meisten Mitglieder der Expedition kamen auf den 8848 Meter hohen Gipfel – manche mit und Hans Engl ohne künstlichen Sauerstoff.

Hans Engl – kein einsamer Gipfelstürmer

Bereits in der Schule hat Hans Engl seine Leidenschaft fürs Bergsteigen entdeckt. Dank eines Lehrers, der seine Begeisterung an die Schüler weitergegeben hat. „Unser Schullehrer hat uns immer dazu animiert, auf die Berge zu gehen – zum Beispiel auf den Rechelkopf, aufs Brauneck oder die Benediktenwand. In der 7. Klasse Volksschule haben wir schon Touren gemacht. Dadurch ist schon ein bisschen die Bergbegeisterung entstanden!“

Hans Engl sah – und sieht sich auch heute nicht - als einsamen Gipfelstürmer, sondern als Teil einer Gemeinschaft. So habe er seinen Erfolg auch anderen zu verdanken, sagt er. Ein Beispiel ist sein Alleingang auf den Nanga Parbat 1982. Tausend Meter unter dem Gipfel hatten seine Begleiter Probleme mit der Höhe und Engl wollte darum mit der Gruppe umkehren. Aber sein Freund Hubert sagte zu ihm: „Ich geh obi. Du bleibst und versuchst es!“. Das hat Hans Engl dann auch gemacht und – es auf den Gipfel geschafft!

Noch mit 75 aktiver Bergsteiger und Bergwachtler

Profi-Bergsteiger wollte der Zimmerermeister aus Waakirchen nie werden. Noch heute ist Hans Engl aktiver Bergwachtler der Bereitschaft Rottach-Egern. Seit drei Jahren hat er auch ein E-Bike. Das wird klimaneutral über die heimische Solaranlage aufgeladen. 11.000 Kilometer stehen auf  dem Tacho. Das E-Bike schätzt er, weil man damit „an den langen Staus im Tegernseer Tal vorbeifahren kann“. Seine liebsten Ziele liegen ganz in der Nähe: Roß- und Buchstein, Ruchenköpfe, Rotwand – Gipfel in den Bayerischen Voralpen.  

Sorge wegen Massentourismus im Everest Gebiet

Den Massentourismus am Everest verfolgt Engl mit Kopfschütteln: Diese Entwicklung könne man offenbar nicht aufhalten, meint der Waakirchner. Auch weil Länder wie Nepal davon wirtschaftlich stark profitieren. Selbst ein Reinhold Messner habe es ja immer wieder vergeblich versucht, meint Engl. Um die beliebten Gipfel der Welt zu schützen, müssten alle an einem Strang ziehen: Gemeinden, Hüttenbesitzer und Tourismusverantwortliche.      


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