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Der Bergsport wird weiblicher Unterwegs mit Bergführer-Aspirantin Maria Pilarski

Fast das ganze Jahr unterwegs, oft im schwierigen Gelände, im Sommer auf Hochtour oder beim Klettern, im Winter auf den Skiern, dazu braungebrannt, gestählte Unterarme - das verbinden viele Menschen mit dem Bergführerberuf, der bis heute ein männlich dominierter Werdegang ist. Doch langsam entscheiden sich mehr Frauen dafür, die langwierige Ausbildung zu absolvieren, zum Beispiel Maria Pilarski. Die angehende Bergführerin hat uns einiges über ihre Motivation verraten.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 17.10.2019

Bergführer-Anwärterin Maria Pilarski | Bild: BR/Kilian Neuwert

Kurz nach vier am Morgen: Neonlicht erhellt den Schuhraum der Conscrits-Hütte im Mont-Blanc-Massiv. Bergsteiger schnüren ihre Stiefel. In einer Ecke des Raumes klinkt Maria Pilarski Karabiner in ihren Klettergurt. Sie ist schlank, trainiert. Die langen braunen Haare hat sie zum Zopf gebunden. Ein letzter Blick in die Karten-App auf dem Handy. Sie ist leicht nervös, denn noch ist es dunkel und es gilt, den richtigen Weg da hoch zu finden.

In Chamonix und im Mont Blanc Massiv fühlt sich die gebürtige Niedersächsin wohl. Hier auf dem Mont Blanc.

Wir begleiten Maria Pilarski auf der Traversée Royale, einer mehrtägigen Überschreitung des Mont Blanc. Maria ist dabei, Bergführerin zu werden. Die letzten Prüfungen stehen kurz bevor. Sie trägt daher den Titel „Aspirantin“, darf also bereits mit Gästen unterwegs sein. Unser Weg führt uns im Westen des Massivs über den Firngrat der Dômes de Miage. Als die Sonne aufgeht, zeigt Maria auf die umliegenden Gipfel: Überall in den Flanken sind die Spuren von Steinschlag zu sehen. Das zeigt deutlich, wie stark die Natur durch den Menschen beeinflusst ist. Im Gebirge sieht man die Klimaerwärmung am schnellsten.

Mit dem Umzug von Niedersachsen nach München wuchs Marias Leidenschaft für die Berge

Die klimatischen Veränderungen treiben die Siebenundzwanzigjährige um. Sie fühle sich regelrecht ohnmächtig, sagt sie. Oft vermisse sie auch bei Bergsteigern ein entsprechendes Umweltbewusstsein. Maria ist eigentlich Ärztin. Vor Kurzem hat sie ihr Medizinstudium beendet und startet bald in den Klinikalltag. Die Bergführerausbildung absolviert sie nebenbei. Menschen in die Berge zu bringen und ihnen zu zeigen, wie schön es da draußen ist – das ist ihr Ziel in diesem Beruf. Die Verbindung der beiden Berufsbilder – Bergführerin und Ärztin -  scheint auf den ersten Blick anstrengend. Doch Maria Pilarski ist überzeugt, davon zu profitieren, denn beide Berufe bedeuten, dass man Verantwortung für andere Menschen übernimmt. Das ist sicherlich nicht leicht, auf der anderen Seite aber auch ein Ausgleich, der Kraft gibt. Man muss verarbeiten, dass man in der Klinik von zum Teil viel Leid umgeben ist. Draußen am Berg hat man dann viel Zeit, um nachzudenken und einen gewissen Ausgleich und Abstand zu finden.

Ein Großteil der deutschen Bergführer führt nebenberuflich, heißt es seitens ihres Berufsverbandes. Die Ausbildung aber ist schwierig. Nur sehr gute Allround-Bergsteiger dürfen sie überhaupt absolvieren. Lediglich elf ausgebildete Bergführerinnen listet der Verband aktuell. Insgesamt aber wird der Bergsport allmählich weiblicher, resümiert Maria Pilarski. Es gibt immer mehr Frauen-Seilschaften am Berg, auch das selbstständige Bergsteigen bei Frauen ist inzwischen gut vertreten.

Bei Maria wuchs die Leidenschaft für die Berge mit einem Umzug nach Bayern. Aus Niedersachsen ging es zum Studium nach München. Dort begann sie zu klettern. Schnell wurde sie so gut, dass sie in den Expeditionskader des DAV aufgenommen wurde und schließlich mit der Bergführerausbildung begann. Während des Medizinstudiums war die angehende Bergführerin viel unterwegs. Inzwischen wohnt sie in Garmisch-Partenkirchen. Auch wenn sie gerne im gesamten Alpenraum unterwegs ist, fühlt sie sich hier angekommen. Schließlich ist das Bergsteigen oder Klettern eine gute Möglichkeit, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen und Freunde zu finden.

Programmhinweis

In der "Nahaufnahme" auf Bayern 2 hören Sie am Freitag, 25. Oktober, um 15.30 Uhr eine Reportage über den "Traumberg Mont Blanc".

Karte: Mont Blanc

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Mont Blanc


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