5

Ein Jahr Monopteros-Peak Alpines "Höhentraining" mitten in München während Corona

Vor einem Jahr während des ersten Lockdown habe ich meine tägliche Runde durch den Englischen Garten vorgestellt: Fit bleiben trotz Lockdown, und auch ohne in die Berge zu können Höhenmeter machen. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass ich meine Monopteros-Peak-Runde ein Jahr später immer noch laufen würde - jeden Tag. Und ich bin offenbar nicht die einzige, die eine ganz persönliche Corona-Runde hat in einer sehr besonderen Zeit.

Von: Barbara Weiß

Stand: 10.04.2021

Alpines „Höhentraining“ mitten in München während Corona | Bild: BR; Barbara Weiß

Mehr als 365 Mal die gleiche Strecke durch den Englischen Garten: vorbei am Kleinhesseloher See zum Monopteros und zum Wasserfall, insgesamt 6,5 Kilometer. Erst war es eine Ablenkung, im ersten Lockdown letztes Frühjahr, als man auch nicht in die Berge durfte. Dann wurde es zur Routine, zu einer Konstante im Alltag, der nicht mehr Alltag war. Mit dem Monopteros hat man sogar noch einen winzig kleinen Berg auf der Strecke, etwa 10 Höhenmeter – schöngeredet! Ein kleines bisschen Training, wenn die echten Berge fehlen.

Wintereinbruch

Auch andere haben IHRE Runde im Corona-Lockdown, den Olympiaberg zum Beispiel, und das scheint nicht nur für die Münchner zu gelten, sondern auch für Nürnberger. Da sind einige im Marienbergpark unterwegs, der zwar nicht so groß ist wie der Englische Garten in München, dafür aber bald ermöglicht, dass man jede Blume und jeden Stein kennt und den Bäumen beim Wachsen zusehen kann. Kölner dagegen haben ihren Stadtwald und die Kanäle. Hauptsache eine tägliche Runde, frische Luft und Bewegung – das ist schon fast ein Ritual, das vielleicht auch Halt gibt in dieser speziellen Zeit: immer der gleiche Weg, immer zur gleichen Uhrzeit. Das muss auch gar nicht langweilig sein. Es kommt wie so oft nur auf die innere Einstellung an. Wie sich die Natur das Jahr über verändert, der Wandel der Jahreszeiten - all das kann man ganz in Ruhe beobachten. Jetzt blühen zum Beispiel die Kirschbäume – zauberhaft! Überhaupt fängt es langsam an wieder überall zu blühen im Englischen Garten. Ein Jahr Corona ist vorbei, und das hat durchaus etwas Irritierendes.

Der Monopteros im Abendlicht

Inzwischen ist der Monopteros auch wieder geöffnet. Vermutlich hat der Englische Garten noch nie so viele Besucher gehabt wie in der Corona-Pandemie. Deshalb musste der Monopteros, jener künstliche Hügel mit dem kleinen griechischen Tempel, zeitweise sogar aus Infektionsschutzgründen gesperrt werden. Als ein besonderer Platz in der Monotonie des Lockdown wurde der Monopteros förmlich überrannt. Der Reiz liegt im Blick über München - mal eine andere Perspektive. Genau das ist es, was man braucht – eine andere oder neue. Perspektive. Dasselbe sucht und genießt man ja auch auf einem hohen Berggipfel - den Perspektivwechsel, das Gefühl über allem zu stehen und die Freiheit.

Wasserfall beim Monopteros

Gut, die Münchner Stadtberge sind zugegebenermaßen nur ein bedingter Ersatz für echte Bergerlebnisse. Aber besser als nichts! Doch nach 365 Tagen, 400 Tagen, 500 Tagen – da wird die Luft allmählich dünn. Kein Wunder, dass sich so mancher wünscht, dass wir uns alle, wenn die Bäume das nächste Mal blühen, dann zum Beispiel am Fockenstein treffen. Vielleicht auch schon früher. Die Hoffnung trägt - und bis dahin gehe auch ich meine Münchner Runde, auch wenn man jeden Tag wahrscheinlich dieselben Eichhörnchen und Krähen trifft. Vielleicht kennen die mich ja auch schon …


5