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Schwein gehabt Auf den Schweinsberg bei Fischbachau

Gamskogel, Falkenstein oder Schafreiter – viele Berge tragen Namen von Tieren, auch der Schweinsberg im oberbayerischen Leitzachtal.

Von: Andreas Estner

Stand: 21.08.2015

Tour auf den Schweinsberg | Bild: BR; Andreas Estner

Im Gegensatz zum Schweinberg bei Lenggries ist der Schweinsberg bei Fischbachau ein ziemlich unbekannter Berg, weil er sich im Schatten von zwei prominenten Gipfeln befindet. Er liegt zwischen dem Wendelstein und dem viel begangenen Breitenstein und wird somit kaum wahr genommen. Und warum er Schweinsberg heißt? Auch das ist ein Rätsel.

Alle Wege sind offen

An schönen Wochenende quillt die kleine Ortschaft Birkenstein fast ein wenig über, denn aus allen Richtungen kommen die Wanderer in den Bergort im Leitzachtal, schnallen ihre Rucksäcke auf den Rücken und marschieren auf den Breitenstein. Der Hausberg von Fischbachau lockt mit einer großartigen Aussicht und gemütlichen Hütten – doch was kaum einer weiß: direkt daneben liegt auch ein schöner Gipfel: der Schweinsberg.

Blick zum großen Bruder Wendelstein

Der Anstieg auf den Schweinsberg ist derselbe wie zum Breitenstein: Von Birkenstein geht’s eine Stunde hinauf zur Kesselalm. Dort sitzen die Gäste auf der Sonnenterrasse so eng beieinander wie die Kaspressknödel auf dem Teller liegen. Die Wanderer genießen die Köstlichkeiten der Hüttenküche und die Aussicht: hinüber auf die Feldspyramide der Aiplspitz, ins Leitzachtal und auf den großen Unbekannten, direkt vor der Hütte: den Schweinsberg. Ihn kennt von den Wanderern aus München kaum jemand. Zu Unrecht, sagt der Hüttenwirt von der Kesselalm, Ludwig Wetscher, denn der Gipfel im Schatten des Breitensteins ist auch ein wunderschöner Aussichtsberg.

Die Kesselalmkapelle

Dass ihn kaum einer kennt, liegt vielleicht daran, das er so komisch heißt: Schweinsberg. Lediglich ein paar Wanderer haben den Namen von ihrer Gipfel-App erfahren und spekulieren nun, warum der „Schweinsberg“ so heißt. Doch auch das World Wide Web weiß keine Antwort darauf, warum der Berg mit seinen Almwiesen so genannt wird. Vielleicht, so meinen manche, weil der lange grasige Rücken ausschaut wie der Rücken einer Sau? Oder weil hier irgendwann einmal auf 1500 Meter Schweine gezüchtet wurden? Ludwig, der Kesselalmwirt, hält zwei Teller mit Kaiserschmarrn in den Händen und schaut ebenfalls ein wenig ratlos.

Kesselalm mit Schweinsberg

Um die Namensgebung zu klären, fragen wir einen, der es wissen könnte: Hans Huber, genannt der Zach Hans, ist Almbauer, seine Familie bewirtschaftet seit Jahrhunderten einen Bergbauerhof am Fuße des Schweinsbergs und eine Alm. Und der Zach Hans verrät uns, dass der Name einen bajuwarischen Ursprung hat, aus dem Mittelalter stammt und überhaupt nichts mit Schweinen zu tun hat! Vielmehr kommt der Name vom bajuwarischen Adelsgeschlecht der Svino, die damals im Inntal ansässig waren.

Tolle Aussicht

Schweine gab es hier oben auf 1500 Meter nie. Der Schweinsberg ist aber trotzdem ein tierischer Berg, erzählen die Einheimischen, gibt es hier doch seltene Vögel wie den Spielhahn. Seit ein paar Jahren drehen auch Steinadler ihre Beuterunden. Und somit wird es jetzt Zeit für den Aufstieg auf den tierisch schönen Berg. Von der Kesselam über die Kotalm führt ein gut ausgeschilderter Weg in einer knappen Stunde zum Gipfel. Unterhalb des Gipfels steht ein Kreuz auf dem sogenannten Buamakogl. Aufgestellt wurde es von einer Bauernfamilie, die alle vier Söhne im zweiten Weltkrieg verloren hat. 

Almkühe grasen friedlich und die Aussicht ist einfach tierisch schön. Auch ein paar Gämsen lassen sich. Hier sind sie ungestörter als am vielbegangenen Breitenstein. Vielleicht sollte man den Schweinsberg deshalb umbenennen zum "Gamsberg".

Der Scheinsberg

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Der Scheinsberg


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