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Panorama & Pferdestärken Die Hohen Rossfelder im Hagengebirge

Insgesamt gibt es im Berchtesgadener Land gleich vier Rossfelder, das bekannteste darunter dürfte wohl das Rossfeld sein, auf das die „Rossfeldstraße“ führt, Deutschlands höchstgelegene durchgehende Straße, die einst im Dritten Reich der wunderbaren Aussicht wegen geplant und gebaut wurde.

Von: Christian Riedl

Stand: 14.08.2015

Die Hohen Rossfelder | Bild: BR; Christian Riedl

Daneben gibt es aber auch die weitaus weniger bekannten Hohen Rossfelder im Hagengebirge unter dem Fagstein. Sie sind kein klassisches Wanderziel, schon deshalb nicht, weil es hier keine beschilderten und markierten Wanderwege gibt.

Beppo Maltan, der Vorsitzende der Berchtesgadener Alpenvereinssektion, kennt sich allerdings bestens aus in den Hohen Rossfeldern. Über einsame steile Grasflächen und durch Blaubeersträucher führt der Pfad hoch zu einer alten, bizarr verkrüppelten Lärche auf gut 1900 Meter Höhe im Schatten des Fagstein-Gipfels. Der Baum trotzt Wind und Wetter, weiter unten schmiegen sich satt grüne Almwiesen an die Flanken des Fagsteins: Es sind die Hohen Rossfelder.

Einst waren sie Bergweiden für junge Rösser. Die alte Literatur beschreibt hier oben auch noch eine „Roßhjöwig“, also eine Herberge, einen Unterstand. Wo genau, das lässt sich jedoch nicht mehr eruieren, denn schon lange bringen die Almbauern keine Rösser mehr auf die Hochweiden.

Anstelle der Pferde grasen auf den Hohen Rossfeldern, den höchstgelegenen Almen in den Berchtesgadener Alpen, viele Jungrinder. Der Nationalpark-Ranger Wolfgang Palzer ist immer wieder mal auf den Hohen Rossfeldern unterwegs und schaut nach dem Rechten, im Sommer allerdings seltener als im Winter. Erst wenn sich hier oben der Schnee ausbreitet, bevölkern Freizeitsportler die Hänge. Als Abfahrt von der Kleinen Reib‘n oder vom Tal aus als anspruchsvolle Tour sind die Hohen Rossfelder bei Skitourengehern beliebt. Jetzt aber hat man die beeindruckende Aussicht für sich allein.

Plötzlich hallen schrille Pfiffe durch die Bergwelt – wie nicht anders zu erwarten, haben uns die Murmeltiere entdeckt. Sie tun gut daran aufmerksam zu sein, um nicht von den Adlern überrascht zu werden. Vier Brutpaare leben momentan im Nationalpark und mit etwas Glück und Geduld lassen sie sich dabei beobachten, wie sie über den Jenner kreisen. Aber auch ohne Adler im Blick entschädigt das Panorama für den technisch zwar einfachen, aber anstrengenden, da langen und steilen Aufstieg auf die Hohen Rossfelder.

Zwar lockt dann noch das Gipfelkreuz des Fagstein, doch der Aufstieg auf den 2164 Meter hohen Berg ist nur geübten Bergsteigern vorbehalten, mahnt Beppo Maltan. Besser also man steigt von den Hohen Rossfeldern auf demselben Weg wieder ab zur bewirtschafteten Priesberg-Alm mit ihrer Enzianbrennhütte und weiter entweder zur Mittelstation der Jennerbahn oder zum Wanderparkplatz Hinterbrand.

Auf den Rossfeldern


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