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Höchstes Hotel auf der Zugspitze 90 Jahre Schneefernerhaus

Während die touristischen Betriebe in den Bayerischen Alpen derzeit geschlossen sind, jährt sich die Eröffnung des einst höchsten Hotels Deutschlands zum 90. Mal: Am 20. Januar 1931 wurde das Schneefernerhaus auf der Zugspitze eröffnet; es war nach der Fertigstellung der Zahnradbahn der buchstäbliche Gipfel der touristischen Erschließung der Alpen.

Von: Georg Bayerle

Stand: 15.01.2021

Schneefernerhaus | Bild: M. Neumann UFS GmbH

Nur für wenige Menschen ist das Schneefernerhaus heute einer der herausragenden und exklusivsten Arbeitsplätze, die Deutschland zu bieten hat: der Geophysiker Till Rehm zum Beispiel, der mit der kleinen Privatgondel vom Sonnalpin auf dem Zugspitzplatt auffährt: „Für mich ist es jeden Tag schön; es ist ein bisserl was Besonderes.“

Die Faszination des Hochgebirges erleben

Anfahrt zum Schneefernerhaus

Am 20. Januar 1931 hatte das Schneefernerhaus zugleich mit der Gipfelseilbahn seinen Betrieb aufgenommen. Es war damals buchstäblich der Gipfel des touristischen Höherstrebens in den Bayerischen Alpen und das Ergebnis eines Wettlaufs. Seit die Tiroler den zweigeteilten Zugspitzgipfel 1925 mit der Seilbahn erreicht hatten, schufteten tausende Arbeiter auf der deutschen Seite im Sommer wie im Winter, um das Ganze mit Zahnradbahn und Berghotel noch zu toppen. Ähnlich wie die älteren Gletscher- und Berghotels in der Schweiz, sollten die Gäste auch im Schneefernerhaus die Faszination Hochgebirge quasi vom Liegestuhl aus genießen können.

Das Schneefernerhaus war einst ein Hotel, heute ist es eine Forschungsstation

Die einstündige Bahnfahrt endete einst direkt an dem wie ein Schwalbennest in den 45 Grad steilen Berghang gepflanzten Hotel. Nicht nur für den Bahntunnel und den Bauplatz wurde damals mit Sprengstoff nicht gespart: Auch der 800 Meter lange Kammstollen Richtung Gipfel wurde durch den Berg gesprengt. Heute ist er eines der speziellsten geologischen Forschungslabore Deutschlands: Der Stollen schneidet durch den Bereich, in dem der Fels im Inneren gefroren ist, den so genannten Permafrost. Mit speziellen elektrischen Impulsen wird hier die Veränderung des eisigen Inneren des Gesteins gemessen.

Auslöser für Gründung des Lawinenwarndienstes Bayern

Wie ein Schwalbennest ist das Schneefernerhaus in den Berghang gepflanzt

Dass die einst touristischen Anlagen heute der Forschung dienen, hat auch mit einem der schwersten alpinen Unglücksereignisse in Bayern zu tun: Bei besten Frühjahrsskibedingungen löste sich am 15. Mai 1965 der Schnee im Südhang über dem Hotel. Eintausend Helfer suchten eine Woche lang, bargen 10 Tote und 21 Verletzte. Das Lawinenunglück war dann der Auslöser für die Gründung des bayerischen Lawinenwarndienstes – eine seiner örtlichen Kommissionen arbeitet heute noch auf dem Schneeferner der Zugspitze. Till Rehm, der Geophysiker vom Schneefernerhaus gehört zu diesem Team. Wie er müssen auch die anderen Wissenschaftler eine gewisse Sympathie für Eis und Schnee haben, die in Deutschlands höchster Forschungsstation arbeiten, zu der das Schneefernerhaus 1999 umgebaut worden ist.

Vom Ehrgeiz, auch den höchsten Gipfel Deutschlands zu erschließen, über den Luxus, das Hochgebirge touristisch zu genießen bis hin zur klimatologischen Spitzenforschung – von jenem 20. Januar 1931 spannt sich eine wechselvolle Geschichte darüber, was der Mensch mit dem Berg anstellen kann.

Karte: Schneefernerhaus

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Karte: Schneefernerhaus


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