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"Zug-Bus-Berg" Öffi-Streckenpläne in einem Rutsch?

Mehr als 70 Prozent der Tourenangebote führt die DAV-Sektion Gay Outdoor Club in München mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch – alpenvereinsweit dürfte das ein Spitzenwert sein, denn laut einer Umfrage betrachten 70 Prozent der Alpenvereinsmitglieder das eigene Auto als unverzichtbar für die Anreise in die Berge. Es gibt inzwischen aber verschiedene Initiativen und Informationsmöglichkeiten.

Von: Georg Bayerle

Stand: 21.08.2021

Der Bergbus soll Wanderer aus München in die Alpen bringen | Bild: BR; Martin Breitkopf

So hat der bekennende ÖPNV-Bergsteiger Michael Vitzthum in der aktuellen DAV-Mitgliederzeitschrift Panorama einen Streckenplan von Stuttgart bis Salzburg mit allen Bahn- und Busverbindungen veröffentlicht. In der Alpenvereinssektion München gibt es die Gruppe „ZugBusBerg“, die ebenfalls Streckenpläne und Fahrkarteninfos auf ihrer Webseite öffentlich verfügbar gemacht hat.

Seit gut zwei Jahren trifft sich die Gruppe ZugBusBerg regelmäßig. Rund ein Dutzend engagierter Mitglieder wollen den Bergsport umweltfreundlicher machen, einige haben sogar ihr Auto verkauft. Sie haben sich die Aufgaben und die Bergregionen aufgeteilt. Birgit Heinke hat erst einmal auf der Karte nachgeschaut, wo die attraktiven Ziele liegen und dann recherchiert, wie sie mit Bus und Bahn hinkommen kann. Spätestens an dieser Stelle ist oft der Punkt erreicht, wo selbst gutwillige und umweltfreundliche Bergsportler dann doch lieber das eigene Auto nehmen. Die Leute aus der ZugBusBerg-Gruppe aber haben genau da weitergemacht und die Arbeit erledigt, die man eigentlich von den Verkehrsträgern, der Bahn oder dem Bayerischen Verkehrsministerium erwarten würde.

Ein Mitglied der Gruppe hat sich beispielsweise durch den Ticketdschungel geschlagen – vom Bayernticket über das regionale Werdenfelsticket bis zum Allgäu-Ticket. Jedes Ticket hat einen anderen Geltungsbereich. Detailliert nachzulesen ist diese Fleißarbeit auf der ZugBusBerg-Seite, die Teil der Webseite der Alpenvereinssektionen München-Oberland ist. Das Bayerische Verkehrsministerium erklärt auf Anfrage des Bayern-2-Rucksackradios, dass derzeit an einem bayernweit einheitlichen E-Ticket gearbeitet werde. Wann es das aber geben wird, steht in den Sternen.

Wer soweit ist, dass die Ticketfrage auftaucht, der hat zumindest schon ein Ziel vor Augen - und hier hat die ZugBusBerg-Gruppe um Jürgen Grabbe Aufbauarbeit geleistet und für jede Gebirgsregion in Bayern die Streckenpläne erarbeitet, die die verschiedenen Verkehrsmittel und Anbieter in einem Gesamtnetz darstellen. Jede einzelne Verbindung ist genau erfasst, denn der inzwischen in zahllosen Büchern vorhandene allgemeine Hinweis, genügt nicht, sagt Jürgen Grabbe. Schließlich ist auch die Information wichtig, wann der erste Bus fährt, welche Busnummer er hat, usw. Auf wenigen Seiten finden Neulinge hier alles, um einfach mal einzusteigen ins Öffi-Tourengehen. Viele merken dann schnell, wie entspannt das Ganze doch ist. Oft ist man mit dem Auto schneller, steht man aber im Stau, ist es im Zug ungleich bequemer.

So wie in der Gruppe ZugBusBerg haben engagierte Ehrenamtliche die offiziellen Stellen beim Thema umweltfreundlicher Bergsport längst überholt. Das ist kein gutes Zeugnis für Bahn, politische Verantwortliche und auch den Deutschen Alpenverein, aber bemerkenswert für das inzwischen breite Engagement in der Bergsportszene selbst. So hat auch der engagierte Öffi-Tourengeher Michael Vitzthum einen Streckenplan für die gesamten bayerischen Alpen erarbeitet – das aktuelle DAV-Panorama stellt ihn vor. Aus einer österreichischen Initiative ist die Webseite „Bahn zum Berg“ entstanden, auf der zahlreiche Tourentipps frei zugänglich und abrufbar sind. Tipps und Infos gibt es also genug!

Übrigens - der Münchner Bergbus geht dank breiter Unterstützung nach zweimonatiger Testphase nun in die Verlängerung. Das nachhaltige Mobilitätsprojekt der Alpenvereinssektionen München & Oberland wird bis Ende Oktober 2021 angeboten. Möglich wurde das durch Förderungen des Mobilitätsreferats der Landeshauptstadt München sowie der Gemeinden Kreuth, Bad Wiessee, Rottach-Egern und Steinberg am Rofan.


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