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Mit Zee Ndaba durch die Tugela-Schlucht in den Drakensbergen Südafrikas erste schwarze Bergführerin

Sie ist eine Schwarze und eine alleinerziehende Mutter. All das für sich genommen macht das Leben für Zee Ndaba in der recht traditionellen, um nicht zu sagen patriarchalischen Gesellschaft Südafrikas schon recht ungemütlich. Überdies ist Zee Ndaba aber auch noch Bergführerin, und zwar die erste und bisher einzige schwarze Bergführerin Südafrikas.

Von: Folkert Lenz

Stand: 16.05.2020

Mit Zee Ndaba durch die Tugela-Schlucht in den Drakensbergen | Bild: BR; Folkert Lenz

Da könnte es ihr zugutekommen, dass sie zu einer Krieger-Ethnie gehört – zum Stamm der Zulu, der größten Volksgruppe Südafrikas.

Nasses Ende: „Schuhe aus“ ist hier das Richtige

In den Drakensbergen kennt sich Zee Ndaba besonders gut aus – und sie ist bekannt für klare Ansagen. Gerade bricht sie mit ihrer Gruppe zu einer Klettersteigtour an einer rund 1000 Meter hohen Steinwand in einem felsigen Amphitheater im Royal-Natal-Nationalpark auf. Ihr Ton ist dennoch „verbindlich“, man könnte auch sagen burschikos. Sich durchzusetzen - das hat die 41-Jährige in der harten Männerwelt in den südafrikanischen Bergen gelernt. Doch hinter der harten Schale verbirgt sich ein durchaus weicher Kern. Die Berge sind ihre Seelenlandschaft, ohne Berge kann und will sie nicht leben, schon gar nicht ohne die Felsgipfel, die sich über ihrem Heimatdorf Amazizi am Fuße der Drakensberge aufbauen. Als Jugendliche strolchte sie tagelang über die Höhen, meistens mit ihren zwei Brüdern, erzählt sie. Ihre Kindheit mit vier Geschwistern und einer Witwe als Mutter war kein Zuckerschlecken. Als Heranwachsende versuchte sie aus der Enge der Zulu-Siedlung auszubrechen und ging nach Großbritannien. Doch Jobs in Büros, wilde Partys und viel Alkohol gaben Zee Ndaba nicht das, was sie suchte. So kehrte die junge Schwarze zurück nach Amazizi und ließ sich zur Bergführerin ausbilden, zur Spezialistin für Mountaineering, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter, die darin keinen ordentlichen Beruf sieht.

Abklatschen, wenn das Ziel erreicht ist. Hier auf dem Hochplateau am Amphitheater

Vor vier Jahren begann Zee Ndaba professionell damit, Menschen in den südafrikanischen Bergen als Guide zu begleiten. Damit stieß sie in eine Welt vor, die bislang eher den Weißen, vor allem aber den Männern im Land gehörte. Doch gerade ihre Herkunft aus dem Kriegervolk der Zulu half, sich gegenüber diesen zu behaupten, denn sie ist, wie sie betont, einfach besser, schneller, trägt mehr Gewicht auf dem Rücken und kann sich als Frau viel besser in die Gefühle ihrer Gäste einfinden.

Die Heimat von oben: Kwa Zulu Natal in Südafrika

Die Dreadlocks – jahrelang Zee Ndabas Markenzeichen – sind heute kurzgeraspelt, ihr Auftreten ist markig. Das ist ganz hilfreich, wenn die Bergführerin zum Beispiel dafür sorgen muss, dass ihre Touristengruppe auf dem Weg zum Amphitheater endlich in die 30 Meter hohen Kettenleitern einsteigen darf. Zee Ndaba hat sich im südafrikanischen Trekking-Business einen Namen gemacht. 17 Familienvätern in Amazizi kann sie immer mal wieder Arbeit geben, wenn sie Träger und Helfer für ihre Touren benötigt. Doch eine Kämpfernatur wird sie immer bleiben müssen in ihrer Heimat, in der sie gerne viel mehr Frauen oben auf den Bergen sehen würde, damit diese dasselbe wie sie selbst fühlen und genießen können inmitten der Bergnatur wie zum Beispiel hier am Hochplateau des Fels-Amphitheaters in den Drakensbergen. Neben Zee Ndabas Bergstiefeln plätschert in regenarmer Zeit wie jetzt ein kleines Rinnsal über die felsige Abbruchkante – der Tugela-Wasserfall zählt mit 900 Metern Fallhöhe zu den höchsten der Welt. Solche Naturschönheiten will Südafrikas erste schwarze Bergführerin ihren Gästen zeigen, auch die Tugela-Schlucht gehört dazu. „Great Escarpment“ – „große Böschung“ – nennt sich die Berglandschaft, die sich einmal quer durch Südafrika zieht und über Tausende von Kilometern das so genannte Highveld vom niedrigeren Lowveld trennt. Die Gipfel dieses Schwellengebirges, das einer gigantischen Abbruchkante gleicht, erreichen im Osten Südafrikas, an der Grenze von KwaZulu Natal und in der Enklave Lesotho Höhen von fast 3500 Metern. Drakensberge – Drachenberge - heißt diese Region, zu der auch der Royal-Natal-Nationalpark mit der Tugela-Schlucht gehört.

Überraschend trocken: Sonst braust hier das Wasser

Feueralarm? Nein, es sind nur ein paar Grillen, die sich im schattigen Wald der Tugela-Schlucht die Seele aus dem Leib kreischen. Wir sind im Talboden des Royal-Natal-Nationalparks gestartet: unten Geröll, dann teilweise kleine matschige Pfade, mal bergauf, mal bergab. Es gibt ein paar Stellen, wo Hände und Füße nötig sind. Insgesamt geht es nicht sehr hoch hinaus, aber auf dem 14 Kilometer langen Trek tief hinein in die Drakensberge. Von den Hochebenen in KwaZulu Natal führt die Route über die Hänge und Talfalten, die das kleine Flüsschen Tugela im Laufe der Jahrmillionen ausgewaschen hat. Es ist eine bizarre Landschaft aus gelbrot schimmernden Sandstein und Basalt. Buschland prägt den Start der Tour nahe dem Thendele Camp. Doch schnell weichen die Bachauen einer Graslandschaft mit kleinen, gerade mal mannshohen, Bäumen darin. Rosafarbene Blüten mit weißen Fransen markieren die Route - die Protea-Bäumchen sind typisch für die Landschaft. Die Protea gilt auch als Nationalblume Südafrikas, allerdings nicht die Protea-Art, die man hier findet du bei der es sich um eine „pin cushion“, um eine Nadelkissenblume handelt.

Eine helfende Hand hat Zee Ndaba immer für ihre Gäste – wie hier an den Kettenleitern

Wer den Blick jetzt nach oben hebt, der schaut auf die nahezu höchsten Gipfel im südlichen Afrika. Im Halbrund baut sich eine fast kilometerhohe Felswand auf, die in Rot, Ocker und Orange leuchtet. Das berühmte felsige Amphitheater ist etwa fünf Kilometer breit und rund 500 Meter hoch. Zur Linken begrenzen die Zinnen von East Buttress und Teufelszahn die Mauer, zur Rechten wacht der massive Felsbuckel vom Sentinel. Der Hauptgipfel der Drakensberge, der fast 3300 Meter hohe Mont-aux-sources, versteckt sich fast hinter der Felswand des Amphitheaters. Von hier aus erscheint der Abbruch kaum zu überwinden. Kein Wunder, dass die einheimischen Zulu ihm den Namen „Wand der Speere“ verpasst haben. Viele erinnert die Szenerie auch an die Kulisse von Games of Thrones. Das Grün schimmert in unzähligen Schattierungen in der Sonne gleich einem Drachen, der den Bergen hier den Namen gegeben hat. Einladend ist auch der Schatten spendende Bergwald, durch den sich der Pfad später schlängelt - dort, wo die Zikaden wie Sirenen klingen. Immer näher rücken die Felswände, das Tal wird zur Schlucht, zum Canyon, schließlich zur engen Klamm, durch die man zum Tugela-Wasserfall gelangt. Weil es lange nicht geregnet hat, ist er leider ausgetrocknet. Wie „müssen“ also wiederkommen, fordert Zee Ndaba.

Karte: Die Tugela-Schlucht in den Drakensbergen

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Tugela-Schlucht in den Drakensbergen


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