7

Bürstegg und Batzenalpe, Schermle und Schotter Die Walserrunde bei Warth und das Alpmuseum uf m Tannberg

Der Hochtannbergpass verbindet Warth und Schröcken und ist quasi die Schnittstelle zwischen dem Bregenzerwald und dem Arlberg sowie im weiteren Sinne auch zwischen dem Kleinen und Großen Walsertal. Und die Walser spielen für den rund 1700 Meter hochgelegenen Tannberg eine wichtige Rolle. Seit dem späten 14. Jahrhundert haben sie sich hier angesiedelt, Höfe und Alpen errichtet. Auf den Spuren der Walser lässt es sich gut wandern, zum Beispiel von Warth über Bürstegg und die Batzenalpe zum Hochtannbergpass – eine gut vierstündige Tour.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 14.09.2018

Bürstegg und Batzenalpe, Schermle und Schotter | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Wer sich von Warth aus nicht mit Hilfe der Steffisalpbahn knapp 500 Höhenmeter ersparen will, der steigt erst einmal zu den Wannenköpfen auf und wandert dann unter den Südostabhängen von Warther Horn und Karhorn in die über 600 Jahre alte Walsersiedlung Bürstegg. Der Name kommt vom harten „borstigen“ Gras.

Auf dem Weg nach Bürstegg

Bis 1890 war Bürstegg noch ganzjährig von sieben Familien bewohnt, dann wurde es eine Alpsiedlung. Seit 25 Jahren ist Franziska Bittschnau, eine Walserin aus dem Montafon, den Sommer über mit ihrer Familie auf Bürstegg, doch die beschwerliche Alpwirtschaft hat sie mittlerweile aufgegeben. Noch immer gibt es hier keinen Strom und das Heben der bis zu 45 Kilo schweren Milchkannen in und aus der Wasserkühlung war einfach zu anstrengend. Jetzt weidet nur noch das Jungvieh auf den Wiesen rund um Bürstegg. Im nahen Hochmoor, in dem früher zum Heizen Torf gestochen wurde, gedeihen seltene Pflanzen wie zum Beispiel das Sumpfblutsauge.

Für die Wanderer gibt es am Wochenende einfache, aber mit viel Liebe zubereitete Brotzeiten mit regionalen und zum Teil selbstgemachten Produkten: Speckbrot, Käsbrot, Schnittlauchbrot, und als „Hausgetränk“ der süß oder sauer aufgespritzte Apfelmost.

Auenfeldsattel und Hochkünzelspitze

Von Bürstegg geht es nun hinauf zum 1700 Meter hohen Auenfeldsattel zwischen Karhorn und Mohnenfluh und dann durch eine alpine Auenlandschaft wie aus dem Bilderbuch hinab in Richtung Schröcken zur Batzenalpe, immer an der Bregenzerach entlang, die hier oben entspringt. Nach knapp zwei Stunden ab Bürstegg ist die Batzenalpe erreicht. Direkt gegenüber erhebt sich die Nordostseite der Braunarlspitze mit der Hochgletscheralpe. Der Name kommt nicht von ungefähr, gab es doch bis vor 70 Jahren noch einen kleinen Gletscher im schattigen Kar. Inzwischen ist er bis auf zwei kleine Schneeflecken weggeschmolzen - Klimawandel also auch hier im Tannberggebiet. Das hätten sich die Walser damals wohl nicht träumen lassen, als sie vom Wallis über das große Walsertal nach Schröcken kamen. Der Name „Schröcken“ hat übrigens nichts mit schrecklich zu tun, sondern kommt von der „geschreckten“, das heißt zerklüfteten Landschaft mit vielen Tobeln – eine Landschaftsstruktur, die von den Walsern bevorzugt wurde und zu kleinen verstreuten Siedlungen geführt hat.

Museumsführer Edwin Schwarzmann

Die Alpkultur der Walser ist im „Alpmuseum uf m Tannberg“ dokumentiert. Es befindet sich im Gebäude der alten Batzenalpe. 1998 sollte das 1610 errichtete Haus abgerissen werden, wurde dann aber durch die Initiative des Kulturvereins uf m Tannberg zum Museum umfunktioniert. Über 200 Exponate befinden sich heute im Museum. Sie erzählen von der harten Heu- und Holzarbeit, vom Käsen und vielem mehr. Alte Geräte zum Anfertigen von hölzernen Wasserleitungen und zum Strohschneiden sind ebenso ausgestellt wie ein Schlitten zum Transport von Langholz und Utensilien zum Schindelmachen. Von der original erhaltenen, über 400 Jahre alten Stube schweift der Blick durch die Fenster hinaus bis zur Kanisfluh im Bregenzerwald.

Der kupferne Käskessel

Vom Walser Alpleben anno dazumal erzählt auch die Küche mit dem großen Käskessel aus Kupfer. Beim Käsmachen wurde nichts vergeudet und der letzte Absud, die Sufe, wurde gern anstatt einer Suppe gegessen. Riebel und Käsknöpfle kamen ebenfalls auf den Tisch, oder das Schermle, eine Art Schmarrn mit viel Rahm. Nichts zum Essen war dagegen der Milchstein, der sich in den Gebsen abgesetzt hat und sozusagen die „Patina“ des Käsmachens ist, wie Museumsführer Edwin Schwarzmann erklärt. Die Molke heißt auf Walserdütsch „Schotter“, der Quark „Sig“. Heiß begehrt war bei den Kindern die Schottersig, die sogenannte „Wälderschokolade“ aus karamellisierter Molke.

Die neue Batzenalpe

Auf der neuen Batzenalpe oberhalb des Alpmuseums gibt es zwar keine Wälderschokolade, aber eine feine Brettljause und einen köstlichen Ziegenfrischkäse von den 12 gemsfarbigen Gebirgsziegen. Täglich werden nur 20 Stück Ziegenfrischkäse gemacht. Sie gehen weg wie warme Semmeln, sagt die Älplerin Gabriele Moosmann. Nach der Einkehr geht es dann durch das Naturschutzgebiet am Körbersee zum Hochtannbergpass und mit dem Postbus zurück nach Warth. Der letzte Postbus zurück nach Warth fährt am Hochtannbergpass um 17.14 Uhr los. Wer ihn verpasst, muss einen gut zweistündigen Fußmarsch oberhalb der Pass-Straße in Kauf nehmen.

Warther Horn und Karhorn

Das „Alpmuseum uf m Tannberg“ ist bis Ende September jeden Sonntag und Donnerstag von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Mitglieder des Kulturvereins führen durch das Museum, Eintritt und Führung sind kostenlos. Jeden Donnerstag gibt es von Hochkrumbach aus zudem eine Führung auf den Spuren der Walser zum Museum. Weitere Informationen unter www.vorarlbergmuseen.at/alpmuseum-uf-m-tannberg

Karte: Bürstegg und Batzenalpe

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Bürstegg und Batzenalpe


7