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Das neue Bergsteigerdorf Val di Zoldo Eisen und Eis zwischen Civetta und Pelmo

Die besten Eismacher der Welt kommen aus den Belluneser Dolomiten, aus dem Cadore-Tal – und aus dem Val di Zoldo. Das untere Val di Zoldo mit dem Hauptort Forno di Zoldo wird heute in die Riege der Bergsteigerdörfer aufgenommen, und ist somit das dritte italienische Bergsteigerdorf nach Matsch im Vinschgau und Longiarü im Gadertal.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 05.10.2018

Der Hauptort Forno di Zoldo | Bild: BR/Andrea Zinnecker

Das Val di Zoldo ist geprägt von der Kultur der Eisenverarbeitung und der Eisherstellung. Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier die weltweit ersten Eisdielen eröffnet, und so kommen nicht nur Gipfelstürmer, sondern eben auch viele Gelatieri aus diesem fast vergessenen Tal zwischen Civetta, Monte Pelmo und Bosconero-Gruppe. Auf der Strecke von Belluno in Richtung Cortina d’Ampezzo zweigt bei Longarone die schmale Straße ins Val di Zoldo ab.

Bruno Brustolon, Gelatiere und Guide

„Benveniü de paes degli alpinisti“! Bruno Brustolon, Gelatiere und Guide, heißt uns in seinem Dialekt, dem „Ladino veneto“, dem venezianischen Ladin, willkommen. Seit alters her ist das Val di Zoldo eng mit der Serenissima verbunden, erklärt Maria Luisa Chaviglia, die in Pralongo, einem Ortsteil von Forno, in ihrer liebevoll restaurierten Villa Cheele auch Wanderer und Bergsteiger beherbergt.

Das Val di Zoldo hat in den vergangenen Jahrhunderten die Eisennägel für den Bau der Paläste in Venedig geliefert, ebenso die Holzpfähle für den Unterbau der Lagunenstadt. Und viele holzkundige Handwerker haben in Venedig ihr Geld als Gondelbauer verdient und eine Werkstatt aufgemacht. Erst nach dem Holz und Eisen kam das Eis aus dem Val di Zoldo in alle Welt. Schon vor über 100 Jahren begann die Migration der Eismacher aus diesem abgelegenen Tal. Die ersten Eismacher, erzählt Bruno Brustolon, wurden von Kaiser Franz Joseph nach Wien geholt, dann nach Ungarn, später gingen sie nach Deutschland. Entscheidend für ein gutes Eis ist die absolute Frische ohne Konservierungs- und Aromastoffe, und deshalb werden auch nur 10 oder 12 Sorten Eis gemacht und nicht 50. Wenn das Eis zwei Tage alt ist, schmeckt es nicht mehr.

Blick ins Civetta-Massiv

Eis und Eisen und die Magie der Zahl 3. Drei Dörfer bilden das neue Bergsteigerdorf Val di Zoldo: Forno, Zoppè und Cibiano – knapp 4000 Einwohner auf 190 Quadratkilometer Fläche. Drei Pässe prägen das Tal: Über den Passo Duron geht es ins Agordino, über den Staulanza-Pass ins Cordèvole und über den Passo Cibiana ins Cadore-Tal. Umrahmt wird das Val di Zoldo von drei markanten Bergmassiven: Civetta, Monte Pelmo und Bosconero. Letzterer ist noch ein Geheimtipp, sagt Pompeio de Pellegrin vom italienischen Alpenverein, weil keine Dolomiten-Höhenwege durch die Bosconero-Gruppe führen, somit ist sie wirklich noch sehr einsam und wild – ein Dorado auch für Kletterer.

Durch alle drei genannten Berggruppen sowie durch den Mezzodí und die Gruppo di San Sebastiano führt der „Anello Zoldano“, eine siebentägige anspruchsvolle Rundtour. Dazu gibt es noch drei wenig frequentierte Klettersteige, zum Beispiel die „Ferrata alleghese“ durch die Südwand der Civetta. Wer im Val di Zoldo unterwegs ist, muss allerdings eine gute Kondition mitbringen, schon allein aufgrund der Topographie. Es gibt nur wenig Almen und Bergwiesen, gleich oberhalb der Ortschaften beginnt der Bergwald mit steilen Anstiegen, die sich schnell mal auf 1000 Höhenmeter und mehr summieren - wie es sich eben gehört für ein Bergsteigerdorf.

Der Ortskern von Fornesighe

Dass mit dem Prädikat Bergsteigerdorf wieder etwas mehr Leben in Tal kommt, wünscht sich Camillo de Pellegrin, der junge Bürgermeister. Auch wenn das Prädikat „Bergsteigerdorf“ die Abwanderung der jungen Leute kaum aufhalten wird. Pro Jahr verlassen rund 50 Einwohner das Tal, an die 20 Geburten können diesen Verlust nicht wettmachen. Außer dem Tourismus bietet das Val di Zoldo kaum Arbeitsplätze für studierte junge Leute. Trotzdem freut sich der Bürgermeister über die Auszeichnung als Bergsteigerdorf, wobei er das Val di Zoldo als Teil eines größeren Ganzen, des UNESCO-Weltkulturerbes Dolomiten, sieht. Nur, wenn alle an einem Strang ziehen und ihre Ansprüche etwas zurückschrauben, gibt es seiner Ansicht nach eine Zukunft für die Menschen, die in Italien im Gebirge leben – und das Gebirge nimmt 60 Prozent der Fläche Italiens ein. Das Bergsteigerdorf nicht als isolierte Nische zu sehen, ist ein guter Ansatz, auch wenn so mancher Einwohner mit dem neuen Begriff „Villagio degli alpinisti – Bergsteigerdorf“ noch nicht sehr viel anfangen kann. Val di Zoldo muss in diesen „Wanderschuh“ erst noch hineinwachsen.

Auf eine etwas andere Touristen-Klientel setzt auch Fabrizio Votta. Zusammen mit seinem Bruder Alessandro betreibt er die Locanda Tana de l’ors, die „Bärenhöhle“ mitten in Forno, und bietet auch wunderschön gestaltete Ferien-Appartements und Zimmer an. Beide hoffen auf Touristen, die das, was sie vorfinden, wertschätzen und nicht nur konsumieren - und das wiederum hilft, die Identität zu bewahren. Dazu gehören nicht nur die original erhaltenen Heuschober – so mancher dieser alten Tabià hat Holzgitterfenster im Stil der venezianischen Gotik -, sondern in kulinarischer Hinsicht auch die typischen Casunziei, die zum Beispiel mit Kürbis oder rote Bete gefüllten Ravioli, die butterzarten Spanferkelbäckchen, die neun Stunden lang in Rotwein und Lakritze geschmort werden, die Panna Cotta mit wildem Fenchel und das Kürbis-Eis und viele andere Schmankerl.

Mehr Informationen gibt es unter www.valdizoldo.net sowie unter www.ristorantetanadelors.it

Karte: Val di Zoldo

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Karte: Val di Zoldo


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