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Seen-Trekking im Tessin Die Laghetti-alpini-Runde im Vallemaggia

Die Via Alta Vallemaggia im Tessin hat Zuwachs bekommen: „Trekking dei laghetti alpini“ heißt die Verlängerung der Weitwanderroute, die erst in diesem Sommer eröffnet wurde. In fünf Tagen umrundet die nah am Wasser gebaute Tour das oberste Maggia-Tal von Hütte zu Hütte – eine Stippvisite in Italien inklusive.

Von: Folkert Lenz

Stand: 26.10.2019

Die Laghetti-alpini-Runde im Vallemaggia | Bild: BR; Folkert Lenz

Man ist unterwegs in einer noch wirklich abgelegenen Region des Tessin, die langsam aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

Heimelig: Die Capanna Poncione di Braga.

Fusio heißt das wunderschöne Dorf mit noch authentischer Architektur, das am Ausgangspunkt der Seen-Trekkingroute liegt. Hier sieht man noch gut, wie die Menschen im Tal in den vergangenen Jahrhunderten gebaut haben. Der Glockenturm steht wie ein Wächter da und überragt die beige und bunt getünchten Steinhäuser – ein pittoresker Anblick. Von Fusio führt die Fünf-Tages-Tour auf einem schmalen Wanderpfad gleich steil hinein in den Lärchenwald. Dass es hier so grün ist, hängt natürlich mit den Temperaturen in den Südalpen und mit der Feuchtigkeit vom Mittelmeer zusammen. Vom Laubwald, später Lärchenwald steigt man hoch in die Zone mit niedrigen Bäumen und Büsche und kommt schließlich in die alpine Höhenzone mit Almwiesen und Felsen, erklärt Wanderführer Pierre Crivelli.

Wasser ist allgegenwärtiges Element auf der Fünf-Tages-Tour.

Erst nach einigen Stunden ist die Alpe Sródan neben der Capanna Poncione di Braga erreicht, das erste Nachtquartier. Anderntags geht es weiter zum Froda-Joch. Brauner Fels und Quarzadern wechseln sich ab mit uralten Sedimentschichten, die unter den Meeren entstanden sind. Direkt daneben befindet sich Gestein der Europäischen Erdplatte: Gneis und Kalk. Kleine Teiche, einzelne Pfützen und die Seen: Viele glitzernde Wasseraugen blinken in der Sonne, als es die Geröllflanken und Steilwiesen nach Robiei hinuntergeht. Der Lago Bianco ist ein künstlicher Speichersee, in dem Gletscherwasser gesammelt wird., das aufgrund der Mineralien „weiß“ aussieht. Das Wasser im Lago Nero dagegen ist schwarz und dunkel und wird aus einer natürlichen Quelle gespeist.

„Gut festhalten“ heißt es bisweilen auf dem Trekking dei laghetti alpini.

Über 61 Kilometer und rund 5000 Höhenmeter führt das „Trekking dei laghetti alpini“ in fünf Tagen. Häufig geht es durch karges Ödland und über graue Felsen, dann wieder durch sattes Grün. Es ist eine Tour der Gegensätze für Timo Cadlolo aus Locarno, der die Route mit entwickelt hat. Immer wieder ist auch ewiges Eis auf den Gipfeln zu sehen, zum Beispiel am vergletscherten Basódino. Auch das nasse Element ist allgegenwärtig, wenn es kurzzeitig ins italienische Val Formazza hinübergeht zum „Stausee-Hopping“. Darin liegt für den Wegewart Matteo Zanoli der besondere Reiz dieser Tour.

Die Morgenstimmung beim Abstieg im Val Torta.

Wasser ist das wichtigste Element auf dem Trekking dei laghetti alpini. Heuer kommt man dabei nicht nur an den obligatorischen 14 Bergseen der Runde vorbei, sondern auch an über einem Dutzend Seen mehr, da es im vergangenen Winter so viel geschneit hat. Der Trek führt beständig durch hochalpines Terrain - über Stock und Stein, bisweilen über schmale Simse, nur selten macht ein Drahtseil oder eine Kette eine knifflige Kletter-Passage sicherer. Deshalb ist das Trekking nur für versierte Wanderer geeignet, die auch mit Schneefeldern auf dem Weg klarkommen. Aufgrund der nicht immer einfachen Verhältnisse herrscht auch in der Hauptsaison hier Stille. Auf dem abgelegenen Trail der letzten Etappe zurück von der Capanna Cristallina nach Fusio begegnet man eher einem Steinbock oder einem Murmeltier als einem Mitwanderer.

Karte: Fusio

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Karte: Fusio


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