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Die Steinböcke im Hagengebirge Auf den Spuren der gehörnten Majestäten

Sie sind eine wahrlich majestätische Erscheinung im Gebirge, und wer ihnen begegnet, kann ihre Kraft und Gelassenheit richtig spüren. Die Rede ist von Steinböcken. Selbst jetzt im tiefsten Winter leben sie oberhalb der Baumgrenze.

Von: Sebastian Nachbar

Stand: 25.01.2019

Steinböcke in Bayern  | Bild: picture-alliance/dpa

Auch in Bayern ist der Alpensteinbock heimisch. Rund 200 Tiere leben im Nationalpark Berchtesgaden. Das ist beachtlich, wurden die Steinböcke doch erst in den 30er Jahren von den Nazis wieder eingeführt - zum Bejagen. Vorher waren sie ausgerottet. Seitdem gibt es nun also wieder Steinböcke in den Berchtesgadener Alpen, bis jetzt eigentlich nur im Hagengebirge östlich des Königssees. In Zukunft könnten sie sich aber noch weiter ausbreiten.

Jochen Grab ist Chef der Ranger im Nationalpark Berchtesgaden. Er kümmert sich dort um alles, was mit Wildtieren zu tun hat, auch um die Steinböcke. Berggeher können diese Tiere inzwischen immer besser beobachten, denn ihre Population wächst und die Steinböcke haben so gut wie keine Angst vor den Menschen. Deshalb empfiehlt Jochen Grab Abstand zu halten, vor allem wenn es sich um ein Geiß-Kitz-Rudel handelt, damit keine Unruhe ins Rudel hineingebracht wird. Auch von älteren Böcken, die anhand der Hornlänge deutlich von den Geißen zu unterscheiden sind, sollte man einen gebührenden Abstand einhalten.

Der Steinbock ist eine heimische Tierart in den Berchtesgadener Alpen, der Mensch hat ihn vor langer Zeit ausgerottet. Diese Erkenntnis ist neu, seit man vor einigen Jahren Steinbock-Knochen aus dem Mittelalter gefunden hat. Bis zu dieser Entdeckung dachte man, der Steinbock wäre ein Import-Tier aus der Moderne. Im Jahr 1924 rollten nämlich erste Kisten mit Steinböcken aus den Zoos in St. Gallen und Berlin sowie vom Gran Paradiso in die Berchtesgadener Alpen. Die ersten Tiere wurden auf der Salzburger Seite des Hagengebirges ausgesetzt. 1936 brachten dann die Nazis unter der Führung vom so genannten „Reichsjägermeister“ Hermann Göring acht Steinböcke in ein Gatter oberhalb des Königssees. Für die Versorgung wurde extra eine Seilbahn gebaut, deren Überreste heute noch stehen. Görings Ziel war es damals Steinwild züchten und als Jagdwild zum Abschuss freigeben, und das direkt vor der Haustür von Hitlers Obersalzberg. Als dann 1944 die NS-Herrschaft bröckelt, lässt man die Tiere frei. Die Population wächst über die Jahrzehnte wellenartig. Immer wieder aber sterben viele Steinböcke durch Krankheiten oder Lawinen.

Erst 2016 hat der Nationalpark Berchtesgaden zusammen mit Verantwortlichen aus Österreich die Steinböcke wieder gezählt. Das Ergebnis: Die Population Blühnbach-Hagengebirge-Steinernes Meer umfasst rund 200 Tiere. Das ist der höchste je gezählte Stand. Dabei sind die Nördlichen Kalkalpen mit ihrem vielen Niederschlag für den Steinbock eigentlich kein idealer Lebensraum. Interessant ist, dass fast die ganze Population im Winter nach Österreich abzieht, obwohl die Tiere dort bis 15. Dezember bejagt werden. Aber dort gibt es einfach die besseren Plätze zum Überwintern: steile, nach Süden ausgerichtete Hänge mit optimalen Aufwuchs-Bedingungen für den Nachwuchs.

Die Bejagung auf österreichischer Seite spielt für die Steinbock-Population auf bayerischer Seite im Nationalpark im Grunde keine Rolle. Trotzdem können Bergsteiger in den vergangenen Jahren beobachten, wie sich die sonst sehr standorttreuen Steinböcke ein neues Revier erschließen, und zwar auf der Westseite des Königssees am Watzmann. Dort lebt mittlerweile ein Dutzend Steinböcke das ganz Jahr über. Warum sie das tun, das gilt es jetzt herauszufinden. Denn im alten Revier gäbe es eigentlich noch Platz genug, sagt Jochen Grab. Schließlich ist man gerade auch als Nationalpark zur Ursachenforschung angehalten, zumal das Steinwild hier eine markante und publikumswirksame Tierart ist, die auf großes Interesse stößt.

Karte: Das Hagengebirge

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Karte: Das Hagengebirge


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